Eichenbänke gegen Plastikstühle getauscht

Fr., 03.02.2012

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Im Gotteshaus wird es bunter

Eichenbänke gegen Plastikstühle getauscht : Im Gotteshaus wird es bunter

Die Laurentius-Gemeinde geht neue Wege in der Marienkirche: Die alten Eichenbänke sind verschwunden, ausgetauscht gegen Plastikklappstühle und feste Holzstühle. Ein bunt zusammengewürfeltes Sammelsurium – zum Entsetzen vieler Gläubiger. Foto: Edler

Warendorf - 

Die Marienkirche wird zum Erlebnisraum: Wer zurzeit das Gotteshaus betritt, versteht im ersten Moment sicherlich die Welt nicht mehr: die alten Eichenbänke sind verschwunden, ausgetauscht gegen Plastik-Klapp- und Holzstühle. Ein bunt zusammengewürfeltes Sammelsurium. Gläubige sind entsetzt.

Von Joachim Edler

Die Meinungen sind geteilt und reichen von ungläubigem Staunen bis hin zu Entsetzen. Wer zurzeit die Marienkirche betritt, versteht im ersten Moment sicherlich die Welt nicht mehr: die alten Eichenbänke sind verschwunden, ausgetauscht gegen Plastik-Klapp- und Holzstühle. Ein bunt zusammengewürfeltes Sammelsurium: die blauen Stühle stammen vom Bistum, die roten von der Stadt und die Holzstühle aus den Klassenräumen der Bischöflichen Realschule – 320 Sitzgelegenheiten sind es insgesamt. Kissen sollen folgen.

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„Eine provisorische Bestuhlung“, wie Pfarrer Peter Lenfers gegenüber unserer Zeitung betont. „Bevor wir viel Geld für neue, einheitliche Stühle ausgeben, wollten wir erst einmal sehen, wie sich eine Bestuhlung in der Marienkirche überhaupt macht.“ Und Lenfers findet sie für das Gotteshaus von Vorteil: „Der Innenraum kriegt mehr Weite, fängt an zu atmen.“ Außerdem sei man flexibler und könne schnell Stuhlkreise bilden.

Der Geistliche kann aber auch verstehen, dass den Gläubigen der Gemeinde ihre gewohnte Kirchenbank (übrigens eingelagert in Neuwarendorf) fehlt. Sie sind irritiert. Zumal sie jetzt beim Gebet nicht mehr niederknien können. Doch Lenfers sagt auch ganz deutlich: „Die Marienkirche kann nicht so bleiben wie sie ist. Wir müssen den Kirchenraum neu definieren.“ Das sei wichtig für die Zukunft des Gotteshauses in der fusionierten Großgemeinde St. Laurentius.

Hintergrund der Bestuhlung in der Marienkirche ist zum einen das 100-jährige Bestehen dieses Kirchenbaus, das am Sonntag mit einem Festgottesdienst und einer anschließenden Ausstellungseröffnung begangen wird. Zweitens soll die Marienkirche langfristig zu einem Erlebnisraum werden: „Wir werden das Jubiläumsjahr nutzen, den Raum der Marienkirche mit seinen vielfältigen Möglichkeiten erstmals neu erfahrbar zu machen.“ Und Lenfers hat auch schon viele Ideen: Kirchenkabarett, Podiumsdiskussionen und Konzerte soll es neben den Gottesdiensten geben. Auch ein mobiler Altar, der auch mal in die Mitte des Kirchenschiffes gezogen werden kann, schwebt dem Geistlichen vor,

Allen Skeptikern erwidert Lenfers, dass die Marienkirche immer wieder einem Wandel unterzogen wurde – bauliche Veränderungen gab es in den 100 Jahren viele. Er hätte sich von den Kritikern mehr Flexibilität gewünscht. Diese fragen sich unterdessen: „Wäre das auch in St. Laurentius passiert?“

Lenfers: „Wir möchten die Menschen mitnehmen und nicht irritieren. Von der Bestuhlung in der Marienkirche hängt nicht die Frömmigkeit ab und geht auch der Glaube nicht den Bach runter.“ Es könne jedoch nicht sein, so der Geistliche, dass wie bisher bei den Kirchenbänken 600 Plätze hintereinander bereit gestellt werden, die die Hälfte des Jahre sowieso nicht genutzt würden.

Das sehen Hedwig Wittkamp und Monika Lucht von der Katholischen Frauengemeinschaft St. Marien anders: „Die Entrüstung der Kirchenbesucher beim Anblick der neuen farbenprächtigen und ungepolsterten Bestuhlung war groß.“ Viele Kirchenbesucher hätten seit dem letzten Sonntag ihren Unmut über die Bestuhlung geäußert. Die Sprecherinnen der Frauengemeinschaft fragen sich: „Weshalb hat man nicht im Vorfeld offen über diese Bestuhlung gesprochen? Hatte man womöglich Angst vor Protesten?“ Dazu Lenfers: „Wir konnten nicht mit allen Gruppen im Vorfeld sprechen, aber kommuniziert wurde der Austausch der Kirchenbänke über Pfarrbrief und Kirchenblatt.“


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