Rasanter Wandel in der Innenstadt

Fr., 03.02.2012

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Branchenvielfalt in Gefahr

Rasanter Wandel in der Innenstadt : Branchenvielfalt in Gefahr

Die Vorstandsspitze der Kaufmannschaft mit Christoph Berger, Stephan Krückemeyer und Rolf Möllmann, gewinnt dem rasanten Wandel in der Innenstadt etwas Positives ab: „Trotz Veränderungen wird es keine Leerstände geben Foto: Edler

Warendorf - 

Die Vorstandsspitze der Kaufmannschaft mit Christoph Berger, Stephan Krückemeyer und Rolf Möllmann, gewinnt dem rasanten Wandel in der Innenstadt etwas Positives ab: „Trotz Veränderungen wird es keine Leerstände geben

Von Joachim Edler

Der rasante Wandel im Warendorfer Einzelhandel hat die Warendorfer Kaufmannschaft überrascht. „Dass sich so viel in so kurzer Zeit verändert, das habe ich noch nicht erlebt“, gab Rolf Möllmann, Vorsitzender der Warendorfer Kaufmannschaft, gestern offen zu. Der Trend ist ungebrochen: das Musikhaus Rottwinkel, das süße Kaufhaus, die Goldschmieden Maimann und Niederschmid, das Kaufhaus Meyer – alle innerhalb eines Jahres dicht. In diesem Jahr schließen bereits das Modehaus Finke und der Königsgarten. „Und das Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht,“ schließt die Kaufmannschaft nicht aus, dass noch weitere Läden folgen werden.

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Doch die Vorstandsspitze mit Christoph Berger, Stephan Krückemeyer und Rolf Möllmann, die gestern spontan zu einer Pressekonferenz eingeladen hatte, gewann der Situation durchaus etwas Positives ab: „Trotz Veränderungen wird es keine Leerstände geben.“ Ganz im Gegenteil. „Es wird kräftig in den Umbau von Ladengeschäften investiert.“

Spekulationsobjekt Nummer eins ist zurzeit das Kaufhaus Meyer. Zu den Gerüchten, ob hier demnächst die Bekleidungsketten H&M oder C&A oder gar mit Intersport-Kuschinski ein heimischer Anbieter einziehen, konnte und wollte die Kaufmannschaft nichts sagen. Sie hob stattdessen den mahnenden Zeigefinger: Wichtig bei dem „Laden-Wechsle-Dich-Spiel“ sei, dass die Einkaufs-Qualität in Warendorf erhalten bleibt. Denn nur noch 60 Prozent der Einzelhandelsgeschäfte in der Kreisstadt sind inhabergeführt. Der Trend zu immer mehr Filialisten, die auch bereit sind, immer höhere Mieten zu zahlen, ist auch in Warendorf zu spüren. Vor allem die Mieten in der 1A-Lage, also von der „Deutschen Bank“ (Münsterstraße) bis zu „Ihr Platz“ (Freckenhorster Straße) sind rasant gestiegen, weiß Berger. „Innenstadtlagen sind ganz klar auf dem aufsteigenden Ast. Da wird beim Mietpreis schon mal eine Schippe draufgelegt“, sagte er, ohne genaue Mietpreise zu nennen.

Nach WN-Informationen können in guten Lagen mittlerweile Mieten bis zu 40 Euro pro Quadratmeter erzielt werden. Begehrt sind vor allem Ladenlokale in einer Größenordnung von 100 bis 400 Quadratmetern. Die Kaufmannschaft beobachtet den Markt sehr genau. „Da ist ganz schön Druck auf dem Mietkessel. Wir sind jedoch nicht Vermieter und können nur beratende Funktion übernehmen“, sagte Möllmann. „Wir verstehen uns als Ideengeber.“

Und Ideen sind gefragt, wenn man ein attraktives und ausgewogenes Angebot schaffen möchte. „Wir wünschen uns mittelständische Einzelhändler“, betonte die Kaufmannschaft und verriet auch gleich, welche Branchen in Warendorf fehlen: Haushaltswaren (Pfannen, Töpfe), CDs und Blumen. Die Branchenvielfalt habe bislang das Einkaufserlebnis in Warendorf ausgemacht und dieses sei in Gefahr. „Die Handelsstruktur in Warendorf wandelt sich“, appellierte Krückmeyer an die Warendorfer, die mit ihrem Einkaufsverhalten auch ein Stück dazu beitragen. Und er fragt sich: „Warum kommen immer mehr Laden-Ketten nach Warendorf?“

Dem entgegenwirken möchte die Kaufmannschaft mit folgendem Konzept: Stärkung der B-Lagen durch individuelle Geschäfte, Ausweitung der Fußgängerzone (Vom Fass bis Deutsche Bank), mehr Parkmöglichkeiten am Eingang zur Fußgängerzone. Berger: „Wo Flächen aufgerüstet werden, gibt es auch mehr Kundenkontakt. Die Parkplatzkapazitäten sind erschöpft. Wir müssen aufrüsten.“

Möllmann führte ein interessantes Beispiel ins Feld: „Kunden, die den Marktkauf ansteuern und keinen direkten Platz vor dem Eingang finden, sind bereit, 300 Meter zu gehen. Anders in der Innenstadt: Kaum jemand ist bereit, am Bahnhof zu parken und zu Fuß in die Stadt zu gehen. Einfach paradox.“

Dabei ist es lohnenswert. Die vielen Veranstaltungen (Pferdenacht, Frühlingserwachen...) sind ein Beweis dafür. Und spontan ist die Kaufmannschaft auch: Sie trotz der derzeitigen Kältewelle und schenkt heute in der Innenstadt kostenlos Glühwein an ihre Kunden aus.


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