Mo., 03.09.2012

Ein Genuss: Brigitte Langnickel-Köhler und Stefan Lehnberg im Dachtheater Wortakrobatik musikalisch bekleidet

Ein Genuss: Brigitte Langnickel-Köhler und Stefan Lehnberg im Dachtheater : Wortakrobatik musikalisch bekleidet

Harfenistin Brigitte Langnickel-Köhler: facettenreich. Foto: Engels

Warendorf - 

Bitterböse Spitzen in wunderbarem Gewand – am Samstag zeigten Brigitte Langnickel-Köhler und Stefan Lehnberg im bis auf den letzten Platz besetzten Dachtheater, dass eine niveauvolle Lesung mit Musik auch überaus unterhaltsam sein kann.

Von Axel Engels

Natürlich war dies keine normale „trockene“ Lesung und die seriöse Musik sicherlich anders präsentiert als in einem „traditionellen“ Konzert.

An Stefan Lehnberg scheiden sich sowieso die Geister. Ist er nun ein genialer Komiker oder ein komisches Genie, ein hinter die Dinge schauender Exot im Kreise der oftmals platten Comedians oder gar ein hintergründiger Schriftsteller mit virtuosem Ausdrucksvermögen?

Brigitte Langnickel-Köhler entspricht auch nicht dem Klischee einer verträumt schauenden Harfenistin. Als Meisterin ihres Instrumentes hat sie sich international solistisch und in verschiedenen Ensembles einen herausragenden Ruf erspielt, sucht immer neue Herausforderungen, geht oftmals unkonventionelle Wege.

Mit diesem Abend haben beide Künstler nun sich von einer ganz besonderen Seite gezeigt. Stefan Lehnberg ist sich mit feinstem Humor gesegnet, seine vier Kurzgeschichten verbanden Amüsement mit satirischem Feinschliff. Wenn er mit äußerster Selbstkritik sein Seziermesser ansetzte, bot er einen ganz tiefen Einblick in das Leben eines Schriftstellers mit all seinen Tiefen und Höhen, erlebte den Schrecken solcher Wortakrobaten im Angesicht des alltäglichen Computerwahnsinns. Diese mit schwarzem Humor durchtränkten Rezitationen wurden von Brigitte Langnickel-Köhler in ein feinstes musikalisches Gewand gekleidet. Mit „Blue(e)s Box“ aus der Feder von Reinhard Langnickel eröffnete sie stimmungsvoll den Abend, ließ den facettenreichen Klang ihrer Harfe im Blues mitschwingen. Bei dem „Allegro Moderato“ aus dem Concerto B-Dur für Harfe von Georg Friedrich Händel verströmte sie mit ihrem virtuos inspirierendem Spiel barocken Glanz im Dachtheater und was sie an Musikalität bei „Smile“ von Charles Chaplin zeigte, war einfach mit jeder Note mitreißend.

Aber dieses kunstvolle Musizieren auf höchstem Niveau war eben nicht das einzige, was an diesem Abend begeisterte. Denn „Die boshafte Harfenistin“ als literarische Gemeinheit von Stefan Lehnberg wurde durch ihre musikalisch-schauspielerische Darstellung noch viel prickender. Wenn Stefan Lehnberg mit wohl modulierter Stimme so ganz im Plauderton sein böses Blut verströmte, dann fand er in ihr die kongeniale Partnerin, die jedes Wort und jede Stimmung bestens untermauerte. Im stimmigen Dialog beider Künstler genoss man diese Reise in die Abgründe der Seele einer Harfenistin.

Mit einem Lächeln verfolgte das begeisterte Publikum dieses Meisterwerk humoristischer Kunst, dessen sprachliche Boshaftigkeit nur noch durch die Malträtierung des Instrumentes in Verbindung mit fernöstlicher Harfen-Yoga in den Schatten gestellt wurde. Dieser Abend zeigte ein wahres Kultpotenzial, hat mit Leidenschaft und Hintergründigkeit getränkt ein ganz eigenes Genre der gehobenen Unterhaltung kreiert. Zwischen genial und leicht verrückt ist es nur ein kleiner Schritt und wer so über den eigenen Tellerrand schauen kann wie diese beiden Protagonisten, der hat sich den Respekt ebenso verdient wie den fulminanten Schlussapplaus.

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