Giora Feidman in der Stiftskirche
Ein bewegendes Erlebnis

Freckenhorst -

Wohl niemand wird nach diesem Konzert von Giora Feidman unberührt bleiben. Unberührt von seiner Musik, seiner Mission für den Frieden und seiner jederzeit spürbaren Liebe zu den Menschen. Schon vor Beginn des eigentlichen Konzertes in der Freckenhorster Stiftskirche spürte man in der Stille die einzigartige charismatische Wirkung, die dieser Abend entwickelt hat.

Dienstag, 06.11.2012, 20:11 Uhr

Giora Feidman in der Stiftskirche : Ein bewegendes Erlebnis
Giora Feidman standen mit dem Akkordeonisten Enrique Ugarte – und dem Kontrabassisten Guido Jäger – versierte Musiker zur Seite, mit denen der Meister in einen kongenialen Dialog trat., Foto: Engels

Als dann der Meister der „singende“ Klarinette langsam durch den Mittelgang schritt, seine minimalistisch anmutenden Töne sofort die Herzen aller Besucher erreichten, da war sicherlich jedem klar – hier kommt ein in jeder Faser authentischer Mensch, der sein Leben lang mit seiner Musik für den Frieden gewirkt hat, der als wahrer Brückenbauer zwischen den Kulturen immer Grenzen nicht nur stilistischer Art überwunden hat. Wenn Juden, Christen und auch Moslems in einer katholischen Kirche versammelt sind, um gemeinsam in Musik gesetzte Glaubensaussage von Giora Feidman zu lauschen, dann ist dies ein wirklich bewegendes Erlebnis .

Dem 76-jährigen Meister standen mit dem Akkordeonisten Enrique Ugarte und dem Kontrabassisten Guido Jäger versierte Musiker zur Seite, mit denen er einen kongenialen Dialog pflegte. Zu einer wahren Zeitreise durch das große Repertoire wurde dieses Konzert unter dem Titel „The Spirit of Klezmer“, erklangen all die Werke, mit denen sich Giora Feidman weltweit seinen Ruhm als Botschafter des Klezmer erspielt hat.

Wer seine Konzerte, wie einige Kritiker schon geschrieben haben, als zu kommerziell, gewollt spirituell und zu populistisch eingeschätzt hat, wurde an diesem Abend eines Besseren belehrt. Seiner charismatischen Ausstrahlung konnte man sich nicht entziehen, beim „Together“ der israelischen Komponistin Ora Bat Cheim spürte man die Mystik und den Zauber dieser introvertierten Musik. Traditionelle jüdische Weisen wie „Hava Nagila“, „Bublichke“ und „“Ani Ole Jerushalaim“ durften natürlich nicht fehlen.

Aber wenn Giora Feidman das Publikum beim durch den amerikanischen Songwriter Donovan bekannten traditionellen jüdischen „Donna Donna“ zu einem großen Chor vereinte, das „Schalom“ der vielen hundert Menschen die Stiftskirche erfüllte, dann erlag man einfach dem Zauber dieser zu Herzen gehenden Musik.

Mit Feingefühl und Sensibilität verwob Giora Feidman Themen der israelischen, palästinensischen und deutschen Nationalhymne, zeigte sich hier musikalisch ein Weg gelebter Völkerverständigung. Der Jazzpianist Chick Corea lieferte ihm mit „Spain“ einen filigranen Melodienfundus, aus dem er sich mit großem improvisatorischem Können bediente. Wie schon zuvor Miles Davis muss wohl auch Giora Feidman vom Thema des „Concierto de Aranjuez“ von Joaquin Rodrigo fasziniert worden sein. Er ließ diese einzigartige Musik mit einer unglaublich fein abgestuften Dynamik den ganzen Kirchenraum erfüllen.

Bei drei Werken zeigte sich Guido Jäger auch als Komponist, sein klassisch inspirierte Kompositionssprache passte exzellent zu der Spielweise von Giora Feidman. Für eine warm timbrierte Farbe sorgte Enrique Ugarte mit seinem Akkordeon, schuf harmonisch einen jederzeit adäquaten Grund, auf dem sich der lyrische Ton der Klarinette entfalten konnte. Bei George Gershwins „Summertime“ gelangen klangmalerische Momente, in denen man das Gefühl für Raum und Zeit verlieren konnte.

Für das Publikum war diese Begegnung mit Giora Feidman ein Erlebnis, das ganz tief bewegte und sicherlich noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Anzeige
Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/1248918?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F35766%2F703932%2F1794604%2F
„Mit Populismus auseinandersetzen“
Vom 9. bis zum 13. Mai findet der Katholikentag in Münster statt.
Nachrichten-Ticker