Do., 12.09.2013

Kein Hippologicum auf der Emsinsel Idee lebt – Projekt ist gestorben

Warendorf - 

Die Idee ist nicht tot. Aber auf der Emsinsel ist das Projekt „Hippologicum“ gestorben. Es rechnet sich nicht. Das ist Ergebnis einer umfangreichen Studie, die im Auftrag der Planungsgruppe Leve von deren Mitarbeiter Niko Stratmann erarbeitet wurde.

Von Christoph Lowinski

Bei der Vorstellung im städtischen Planungsausschuss machte Planer Ferdinand Leve kein Hehl aus seiner Enttäuschung: „Das ist nicht das Ergebnis, das wir uns gewünscht haben.“ Schließlich habe er nicht nur viel Energie und Herzblut, sondern auch eine sechsstellige Summe in das Projekt gesteckt.

Die neue Untersuchung habe aber aufgezeigt, dass ohne öffentliche Zuschüsse ein wirtschaftlicher Bau und Betrieb des Hippologicums nicht machbar seien. Zwar prognostiziert eine Machbarkeitsstudie aktuell bis zu 200 000 Besuchern jährlich. Doch das Projekt hätte fast 290 000 Gäste gebraucht, um schwarze Zahlen zu schreiben.

Für Leve und Thomas Hartwig, den Geschäftsführer des Vereins Hippologicum, bleibt die Projektidee allerdings auf der Tagesordnung. „An anderer Stelle und mit anderen Grundstückskosten ist es machbar.“ Leve ist sicher: „Die Region Warendorf ist für eine Erlebniswelt zum Thema Pferd ein idealer Standort. Unter anderen Umständen wäre das Hippologicum ein einzigartiger Meilenstein und würde der Stadt des Pferdes ein kräftigen Entwicklungsschub bescheren.“

Mit der von Leve beauftragten Studie legt Niko Stratmann erstmals belastbare Zahlen vor, was die Kosten einer Projektumsetzung am Standort Emsinsel betrifft. Dabei rechnet er vor, dass die Revitalisierung der Industriebrache in einem ersten Schritt für Abriss und Freiräumung des Areals 1,8 Millionen Euro kostet. Wenn man beim Grundstückswert die Bodenrichtwerte des Kreisgutachterausschusses zugrunde legt – 80 Euro pro Quadratmeter, ergibt sich ein Preis von 3,4 Millionen Euro. Abzüglich der Abrisskosten bliebe rein rechnerisch ein Grundstückswert von 1,6 Millionen.

Statt des Hippologicums empfehlen Leve und Stratmann für die Emsinsel nun eine Alternativplanung, die sich aus ihrer Sicht rechnen würde: Dazu gehört neben dem Bau von rund 90 Wohneinheiten auf dem hinteren Teil des Geländes (wie bislang schon vorgesehen), die Ausweisung von bis zu 5000 Quadratmetern Gewerbefläche für Handel und Gastronomie . Dafür können die alten Gebäudeteile der früheren Brinkhaus-Fabrik, die sich heute hinter den Metall-Hallen neueren Datums verstecken, „wiederbelebt“ werden. Unter den architektonisch interessanten Shed-Dächern seien verschiedene Nutzungen möglich. Unter anderem eine Veranstaltungs- oder Markthalle von 1600 Quadratmetern – für Schützenfeste, Märkte, Feiern und anderes, multifunktional angelegt. Neben der Erhaltung der historischen Gebäude hätte diese Lösung noch einen zweiten interessanten Aspekt: Die Feuerwehr könnte ihre provisorische Filiale auf dem Gelände als Dauereinrichtung etablieren. Um die Vorstellungen zu realisieren, schlägt Leve einen Investoren-Wettbewerb vor.

Der Planungsausschuss nahm die Erläuterungen erstaunlicherweise ohne jede weitere Diskussion zur Kenntnis. Man darf gespannt sein, welche Schlussfolgerungen Ratsfraktionen und Verwaltung aus dem neuen Stand ziehen.

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