Fr., 14.10.2016

Brettspiel-Europameisterschaft Die etwas andere Meisterschaft

So manchen Titel konnten Stefan Molz und sein Team bereits gewinnen.

So manchen Titel konnten Stefan Molz und sein Team bereits gewinnen. Foto: Grimpe

Warendorf - 

Im Sommer 2016 ging die deutsche Fußball-Nationalmannschaft in Frankreich auf Titeljagd. Ähnliches hat nun Stefan Molz vor, allerdings nicht beim Fußball. Seine Königsdisziplin ist das Brettspiel.

Von Adrian Grimpe

Was auf den ersten Blick überraschend klingt, ist für Molz Alltag: Er und sein Team „inTeam“ trainieren dreimal in der Woche. Sie spielen Brettspiele, überlegen sich Strategien und versuchen, alle Tricks und Kniffe herauszufinden. Das kann dann auch schon mal an die sechs Stunden dauern.

Ein ungewohntes Hobby, oder? „Mir macht es Spaß. Brettspiele, vor allem Strategiespiele, waren schon immer mein Lieblingshobby“, sagt der 31-jährige Pädagoge. Insgesamt sind sie zu fünft, neben ihm gibt es noch einen IT-Fachmann, einen Chemiker, Physiker und einen Statistiker.

Beim ersten Mal, das war vor fünf Jahren, schaffte es das Quintett bei der Deutschen Meisterschaft nur auf den 29. Platz. „Wir haben ein Spiel leider falsch einstudiert und dementsprechend haushoch verloren“, blickt Molz zurück. Es gelte zu bedenken: Auch die Gegner seien Profis, die in der Regel ebenso viel Zeit mit Brettspielen verbringen. „Nicht verzagen, weitermachen“, so lautete die Devise. Zwei Jahre später schaffte es „inTeam“ bei der Deutschen Meisterschaft dann auf den zweiten Platz – sogar punktgleich mit dem Siegerteam. Ab dann ging es bergauf: 2014 und 2015 sicherte man sich den Titel. Im vergangenen Jahr sogar mit 13 Prozent mehr Punkten als die Zweitplatzierten.

Jetzt wird noch eine Stufe höher gespielt: nämlich bei der Europameisterschaft. Als Gewinner der Deutschen Meisterschaft hat sich „inTeam“ automatisch für die EM qualifiziert. Teilnehmen dürfen die jeweils besten Teams aus allen Teilnehmerstaaten, zusätzlich ist eine Gebühr von 80 Euro zu bezahlen. Anders als bei der Deutschen Meisterschaft, die vom Spielezentrum Herne organisiert wird, werden in der privat organisierten EM nur Strategiespiele gespielt. Welche das am Ende sind, wird über Kommissionen entschieden. Dieses Mal muss sich „inTeam“ mit seinen Gegnern bei „Shakespeare“, „Automania“, „Burgen von Burgund“ und „Auf den Spuren von Marco Polo“ messen. So leicht wie es vielleicht klingen mag, ist es dann aber doch nicht. Die EM soll vier Tage dauern, gespielt wird von 10 bis 18 Uhr, mit nur vereinzelten Pausen. Für einen Nicht-Profi klingt das anstrengend. „Wir sind es ja gewohnt,“ betont Molz lächelnd. Geldpreise gebe es leider nicht, dafür aber Pokale. Die Spiele werden im Nachhinein ebenfalls an die Teams verschenkt.

Ob er schon aufgeregt sei? „Aufregung gehört immer dazu, aber es soll ja vor allem Spaß machen. Für uns hat der Wettbewerb Hobbycharakter“. In diesem Jahr wurden die Spiele etwa zwei Monate vor Turnierbeginn bekanntgegeben. Rund 60 Tage Zeit also, sich einzuarbeiten. Molz und sein Team fühlen sich gut vorbereitet. Zum Abschluss verrät er sogar einen Geheimtrick: „Unser IT-Techniker erstellt im Voraus Computerprogramme, die berechnen, welche Züge oder Figuren im Spiel am besten sind. Der Physiker wertet das dann aus und der Statistiker fertigt eine Statistik an“. Am meisten zähle beim Spiel natürlich Erfahrung. Allerdings: „Den Trick mit dem Computer machen mittlerweile alle“.

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