Mo., 20.03.2017

Galeriekonzert: Tosender Applaus für das Kopenhagener Carion-Quintett Teufelsgeiger Titel streitig gemacht

Galeriekonzert: Zu Gast war nach 2015 zum zweiten Mal das Kopenhagener Carion-Quintett in der „klassischen“ Besetzung mit Flöte, Oboe, Klarinette, Horn und Fagott.

Galeriekonzert: Zu Gast war nach 2015 zum zweiten Mal das Kopenhagener Carion-Quintett in der „klassischen“ Besetzung mit Flöte, Oboe, Klarinette, Horn und Fagott. Foto: Andreas Poschmann

Warendorf - 

Mal treten Solo-Stimmen aus der geraden Reihe nach vorn, mal bildet das Quintett ein Halbrund. Oder verbindet sich, wie in Liszts „Mephisto-Walzer“ zu einem faustisch-erotischen Duo aus Fagott und Oboe, während die Kollegen im Hintergrund bleiben. Zu Gast war nach 2015 zum zweiten Mal das Kopenhagener Carion-Quintett in der „klassischen“ Besetzung mit Flöte, Oboe, Klarinette, Horn und Fagott. Diese Besetzung ist dann aber auch schon alles, was die vier Herren und die flötende Dame auf dem Konzertpodium an „Klassik“ abliefern.

Von Christoph Schulte im Walde

35 Jahre Galeriekonzerte – das ist ein beachtliches Jubiläum für eine Veranstaltungsreihe dieser Art. Ein solcher Geburtstag darf gern gefeiert werden, was Reinhold Schoppmann, sein Organisationsteam und das Publikum am Sonntag denn auch taten. Mit „Freibier“ in der Pause (wobei im Sophiensaal kein Bier, stattdessen guter Wein kredenzt wird…) – und mit einem besonderen klingenden Geschenk für Augen und Ohren.

Zu Gast war nach 2015 zum zweiten Mal das Kopenhagener Carion-Quintett in der „klassischen“ Besetzung mit Flöte, Oboe, Klarinette, Horn und Fagott. Diese Besetzung ist dann aber auch schon alles, was die vier Herren und die flötende Dame auf dem Konzertpodium an „Klassik“ abliefern.

Was gar nicht die Musik an sich betrifft, im Gegenteil: Bartók, Ibert, Liszt – sie gehören zu den Grundpfeilern im Musikleben.

Nein, was das Carion-Quintett so ganz „unklassisch“ macht, ist die Art und Weise, wie sie ihre atemberaubenden Programme präsentieren.

Denn alle spielen alles auswendig – Chapeau! Das ist bei komplexer Musik ein Wagnis, funktioniert auch nur bei Profis, die voll und ganz aufeinander vertrauen können. Diese Praxis eröffnet ganz neue Chancen, beispielsweise die Tanzmusik der Renaissance, die in Ferenc Farkas‘ Partitur steckt, in Bewegung zu bringen. Ganz buchstäblich!

Mal treten Solo-Stimmen aus der geraden Reihe nach vorn, mal bildet das Quintett ein Halbrund. Oder verbindet sich, wie in Liszts „Mephisto-Walzer“ zu einem faustisch-erotischen Duo aus Fagott und Oboe, während die Kollegen im Hintergrund bleiben.

Solche „Choreografien“ sind ein tolle Sache, zumal sie nie „aus der Luft“ gegriffen sind, sondern Sinn machen und Bezüge aufzeigen.

Mal abgesehen von diesem optischen Reiz: Das Carion-Quintett ist auch musikalisch einfach ein ganz hoher Festtag.

Wie sich die Bläser in diversen Stilistiken bewegen (Eurico Carrapatosos „Fünf Elegien“), schlafwandlerisch sicher volkstümliches Kolorit treffen (Bartóks „Rumänische Volkstänze“) und schließlich – das setzte dem Ganzen noch die Krone auf – Niccolo Paganini den Titel „Teufelsgeiger“ streitig machen konnten, war nicht nur eine mentale, sondern auch eine physische Schwerstarbeit!

Ach ja: Viel Humor haben die fünf Kopenhagener auch noch. Sonst hätten sie wohl kaum Stephen Montagues höchst originelles „ Thule Ultima“ gespielt, in dem nur auf den Mundstücken geblasen wird. Humor, fein dosiert, bewiesen nicht zuletzt auch die erfrischenden Moderationen. Drei Zugaben mussten her: „O sole mio“, Mozarts Papageno-Song aus der „Zauberflöte“ und Schostakowitschs Walzer, den Stanley Kubricks „Eyes Wide Shut“ berühmt machte.

Tosender Applaus!

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