So., 16.07.2017

Mittelalterfest auf dem Lohwall „So ein Markt ist wie ein Familientreffen“

In den griechischen Götterhimmel  entführten Chapeau Claque Rouge

In den griechischen Götterhimmel  entführten Chapeau Claque Rouge Foto: Ulrike von Brevern

Warendorf - 

Ritter, Gaukler, Musiker und ganz viel mittelalterliches Volk hatten am Wochenende den Lohwall beim 6. Warendorfer Mittelalterfest fest im Griff. Nach zwei Jahren Mittelalterpause trat der Verein „DubiWa“ jetzt in die Fußstapfen des vorherigen Marktveranstalters Ralph Damke, der noch mit seinen guten Kontakten in die Szene aushalf. So konnte der Verein 50 Heerlager aus dem ganzen Bundesgebiet sowie Händler, Handwerker, Künstler und Gastronomen gewinnen, die den Lohwall mehrere Jahrhunderte zurück in die Vergangenheit zu katapultierten.

Von Ulrike Brevern

Dietmar und Stefanie Krumhus gehören zu denjenigen, die es richtig ernst meinen mit dem Mittelalter. Das Paar aus Dortmund, gewandet im Stil von Edelleuten aus der Zeit um 1350, hat in genau dieser Kluft vor wenigen Wochen sogar auf einem Mittelaltermarkt geheiratet. „So ein Markt ist wie ein Familientreffen“, sagt Stefanie Krumhus. Wenn sie in ihre „Gewandung“ steigt, wechselt sie auch die Zeit.

An einem der Tische vor der Hauptbühne sitzen Gordon Amthor und einige weitere, einschlägig gewandete Mitglieder der „Freien Bruderschaft vom Tempel Salomon“. Im realen Leben kommen sie aus Lüdinghausen oder Hamm und sind Personalberater, Bürokräfte, Anwälte, auch ein Installateur ist dabei. „Entschleunigung“ sei das, was sie acht bis zehn Mal pro Jahr ins Heerlager zieht, erzählt Amthor. Kein Handy, keine Elektrizität. Kerzenlicht und Herdfeuer.

Fotostrecke: Mittelalterfest auf dem Lohwall

Für die Besucher des Marktes öffnen sie ein Fenster in die Vergangenheit, und das Bild, das sie da zeigen, soll durchaus stimmen. „Das ist hier keine Fantasy, die wir betreiben“, betont Amthor. Historische Recherche gehöre für sie dazu.

So geht es auch dem schmucken Paar, das im Outfit schottischer Hochadliger um die Mitte des 18. Jahrhunderts unterwegs ist. Jan beschäftigt sich schon seit 15 Jahren mit der entsprechenden Historie und verfeinert entsprechend sein Gewand. Das Paar ist sich zwar bewusst, dass es das Mittelalter um einige Jahrhunderte verfehlt hat, ist aber wie viele andere Kelten und Schotten wegen der Highland-Games gekommen, die in diesem Jahr zum ersten Mal den Mittelaltermarkt bereichern sollten.

Was den Mannschaftswettkampf angeht, ist das nicht gelungen, gab Marktvogt Christian Havelt, zweiter Vorsitzender des DubiWa offen zu. Es gab es zu wenige angemeldete Teams. Dafür durften sich die Besucher nach Herzenslust mit Felsen-Stemmen und Baumstamm-Weitwurf vergnügen.

Überhaupt kamen auch die nicht einschlägig vorbelasteten Besucher voll auf ihre Kosten: ob dem Schmied bei der Arbeit zuzusehen, Hammerwerfen auszuprobieren oder sich von der Gastronomie mit Kirschbier und Pfaffendödeln verwöhnen zu lassen. Nur, wem es nach Pils und Currywurst-Pommes verlangte, war an der falschen Stelle. Besonders Familien kamen auf ihre Kosten. Die vier verschiedenen Bands ließen leicht die Zeit vergessen und die Feuershow von Chapeau Claque Rouge am Samstagabend machte dem Titel „Highlight“ alle Ehre.

Havelt freute sich, dass alle Künstler dem Verein bei ihren Gagen entgegen gekommen waren, weil der Erlös des Marktes ausschließlich für karitative Zwecke in Warendorf bestimmt sei.

„Die Obrigkeit“, vertreten durch Bürgermeister Axel Linke, hatte bei der Eröffnung des Marktes klar die Bereitschaft erklärt, wenn gewünscht, einen siebten Mittelaltermarkt zu unterstützen. Vom anwesenden Volk, den Rittern und Edelleuten wurde das mit „Jubel“-Rufen und „Handgeklapper“ quittiert.

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