Bildung 3.0.
Lernen hinter altem Gemäuer

Kreis Warendorf -

Diestedde hat ein schönes Schloss namens Crassenstein. Eine Burg wurde im Jahre 1177 erstmals urkundlich erwähnt und gehörte den von Stromberg. 1951 richtete der Erzieher Bernhard Hürfeld im Schloss ein Realschulinternat ein. Und jetzt wird das Schloss fit gemacht für die Zukunft, um andere Menschen fit zu machen für ihre Zukunft. Denn Crassenstein wird noch diesen Sommer Schüler aus der ganzen Welt beherbergen. So die Planungen der neuen Eigentümer. Die letzten Vorbereitungen laufen. Das alte historische Biedermeierbett des Schlosses wird künftig übrigens im Museum Abtei Liesborn stehen. Im Schloss Crassenstein gibt es künftig nur moderne Betten.

Donnerstag, 04.01.2018, 06:01 Uhr

Hand in Hand: Geschäftsführer Detlef Ernst (r.) und Schulleiter Dr. Wolfgang Hinners sind für den Schul- und Internatsbetrieb verantwortlich. Beide haben jahrelange Erfahrung mit der Leitung von internationalen Schulen im Ausland.
Hand in Hand: Geschäftsführer Detlef Ernst (r.)und Schulleiter Dr. Wolfgang Hinners sind für den Schul- und Internatsbetrieb verantwortlich. Beide haben jahrelange Erfahrung mit der Leitung von internationalen Schulen im Ausland. Foto: Peter Sauer

Gerade in der dunkleren Jahreszeit wärmt der Anblick des knallgelben Wasserschlosses Crassenstein schon von weitem. Im Stil der Lippe-Renaissance, umrahmt von einer Gräfte und majestätischen Eichenbäumen entsteht in historischer Kulisse ein internationaler Lern- und Lebensort: die Privatschule Schloss Crassenstein. Geschäftsführer Detlef Ernst hat einen größeren Millionenbetrag in die Hand genommen und das Schloss aus den Händen der Vorbesitzerin Marga Drews erworben.

Eigentlich sollte schon längst der Schulbetrieb laufen, doch das wird, so Ernst im Gespräch mit den Westfälischen Nachrichten, erst Mitte August 2018 passieren. Derzeit wieseln noch die Handwerker durchs Schloss. „Die sind allesamt aus der Region“, betonte Ernst.

Die 56 Zimmer sind fast alle fertig, am Naturwissenschaftsraum wird noch letzte Hand angelegt, die Treppenhäuser haben begleitende Sicherheitsgeländer bekommen und überall im Schloss müssen Brandschutzvorrichtungen (Anlage mit Wassernebel; 13 000-Liter-Tank im Keller) und beleuchtete Hinweise auf Notausgänge angebracht werden. Das sind – neben dem Denkmalschutz – wichtige Auflagen.

Wenn diese Auflagen erfüllt sind, steht einer Bauabnahme durch den Kreis nichts mehr im Wege. Ist die durch, können die Bezirksregierung und das Landesschulamt die Schule und das Internat genehmigen und das Ausländeramt des Kreises Visa für die internationalen Schüler erteilen. Es liegen bereits Anmeldungen vor. „Nachfragen gibt es bereits aus Asien, Russland oder auch Südamerika“, sagt Ernst.

Obwohl ein Jahr in seiner Planung verloren, hat Detlef Ernst, der auch Vorstandsvorsitzende des Weltverbands Deutscher Auslandsschulen ist, seinen Tatendrang nicht verloren. Wie Dr. Wolfgang Hinners, Leiter der Privatschule, brennt er für das Projekt.

Hinners kennt sich gut aus, hat acht Jahre in Jakarta und sieben in Singapur Schulen geleitet. „Unsere ein- bis zweizügige Schule wird die Klassen 10 bis 12 abdecken“, sagt Hinners, während er durch die lichtdurchfluteten Unterrichtsräume mit farbenfrohen Deckengemälden, deckenhohen Sprossenfenstern und digitalen Tafeln (E-Learning) und etwas später durch die schon gut eingerichtete Bibliothek mit modernen Leseinseln führt. Das alte Holz des Fußbodens knarrt und knirscht bei jedem Schritt. „Pro Klasse sind 16 Schüler geplant. Wir unterrichten die Schüler in Englisch und Deutsch. Wir bieten Chinesisch als zweite Fremdsprache an.“ Das Schulziel ist das „Internationale Baccalaureate Diploma“ (Abitur) und das Deutsche Abitur in Kooperation mit dem Gymnasium Johanneum in Wadersloh. Möglicherweise startet die Privatschule auch mit der Eingangsklasse neun. Möglich sei zugleich, die Anzahl der Jahre im Schloss selbst festzulegen.

Gemütlich sind die kleinen Wohngruppen im Schloss und Gartenpavillon nebst adligem Ausblick und jeder Menge ruhiger Lage. Die Privatschüler werden ausschließlich im Schloss leben. Modern sind die Sanitäranlagen. Frühstück, Mittag- und Abendessen werden im historischen Rittersaal eingenommen. „Das Essen kommt zunächst vom Caterer“, sagt Ernst, „wir haben da schon gute Kontakte aufgenommen“. Möglicherweise könne zu einem späteren Zeitpunkt auch eine hauseigene Küche in Betrieb genommen werden.

Ebenfalls abgeschlossen werden konnte die Sanierung der beiden Gräften-Brücken, an den Treppen wird noch gearbeitet. Stellenausschreiben für Lehrkräfte laufen bereits. „Insgesamt werden hier zu Beginn rund zwölf Menschen einen Arbeitsplatz finden“, sagt Geschäftsführer Detlef Ernst, der auch mit den örtlichen Vereinen kooperieren will.

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