Was Annelie Krieter vom Frauenhaus im Bundesamt für Migration in Düsseldorf erlebt
Schockiert, fassungslos, beschämt

Warendorf -

Die Frauenhausmitarbeiterinnen Annelie Krieter und Jasmin Hofmann legten am Donnerstag den Jahresbericht des Warendorfer Frauenhauses für 2017 vor. Neben Dank an Sponsoren und Unterstützer, fanden sie auch kritische Worte. Meistens dann, wenn es um die Finanzierung des Frauenhauses – oder wie im weiteren Bericht zu lesen, um Missstände im Bundesamt für Migration in Düsseldorf geht.

Freitag, 18.05.2018, 05:05 Uhr

Annelie Krieter (links) und Jasmin Hofmann, Mitarbeiterinnen des Warendorfer Frauenhauses, legten gestern den Jahresbericht 2017 vor.
Annelie Krieter (links) und Jasmin Hofmann, Mitarbeiterinnen des Warendorfer Frauenhauses, legten gestern den Jahresbericht 2017 vor. Foto: Joachim Edler

Borschtsch trifft Falafel. Kurdische Jesidin trifft syrische Muslima. Studierte Russin trifft Frau aus dem Kosovo, die nie die Schule besucht hat. Deutsche Sekretärin trifft afrikanische Bürgerkriegsgeflüchtete. 69 Frauen und 65 Kinder haben im vergangenen Jahr im Frauenhaus in Warendorf gewohnt. Sie kamen aus 23 verschiedenen Ländern. „Wenn die Mächtigen dieser Welt mal wieder Lust haben, an den Raketenknöpfen zu spielen, könnten sie besser zum Hospitieren herkommen und lernen, sich bei aller kulturellen, wirtschaftlichen und religiösen Verschiedenheit kennenzulernen, zu respektieren und mit den knappen Ressourcen gut zurecht zu kommen.“ Die Frauenhausmitarbeiterinnen Annelie Krieter und Jasmin Hofmann legten am Donnerstag den Jahresbericht des Frauenhauses vor. Neben Dank an Sponsoren und Unterstützer, fanden sie auch kritische Worte. Meistens dann, wenn es um die Finanzierung des Frauenhauses – oder wie im weiteren Bericht zu lesen, um Missstände im Bundesamt für Migration in Düsseldorf geht. Was Anneli Krieter bei der Begleitung einer geflüchteten Frau und ihrer Kinder dort erlebt hat, schrieb sie nicht nur im Jahresbericht, sondern auch an den ehemaligen Innenminister Thomas de Maizere, die Bundesbeauftragte für Migration, Aydan Özoguz, und die Präsidentin des Bundesamtes für Migration, Jutta Cordt: „Mit dem gehörigen Respekt erschienen wir bereits eine halbe Stunde vor dem anberaumten Termin um 10 Uhr. Im Wartebereich, zwei große ineinander übergehende Räume, warteten bereits circa 100 Personen. Im Eingangsbereich standen die Toiletten wenig einladend offen. Beide Kinder mussten dringend. Die Dreijährige ging erst gar nicht mit hinein, die Siebenjährige fing an zu weinen und sagte: Es stinkt so und es ist dreckig, ich kann hier nicht – was sie im Folgenden durchhielt. Der Toilettenraum für Damen bestand aus zwei Kabinen, eine mit Sitz- , eine mit Steh-WC. Ich fragte mich, ob überhaupt, und wann zuletzt, gereinigt wurde. Im Warteraum waren vereinzelt Tische an die Wände gerückt, ansonsten Holzstühle, teilweise mit sehr schmutzigen Stoffbezügen. Es war extrem stickig. Der Versuch einer deutschen Frau, jemanden zu finden, der ein Fenster öffnen konnte, scheiterte. Die Security schien mit dieser Frage überfordert. Nach 1,5 Stunden Wartezeit ab Termin gelang es mir, mich nach unserem voraussichtlichen An-der-Reihe-sein zu erkundigen und erhielt die Antwort: „Wenn Sie einen Termin um zehn Uhr haben, heißt das noch lange nicht, dass Sie um zehn dran sind. Sie haben nur ab dann hier zu sein!“ Eine Dame, die ebenfalls einen Flüchtling begleitete, erzählte mir, dass sie beim letzten Mal den ganzen Tag über gewartete habe, um dann zu erfahren, dass der Dolmetscher Feierabend gemacht hat.

Die migrantischen Leute wurden nach meiner mehrmaligen Beobachtung von den Angestellten grob und unhöflich angeherrscht, weil sie zum Beispiel im Wege standen, was sich bei der Enge im Raum kaum vermeiden lässt. Nach knapp drei Stunden erschien jemand und ließ die von mir betreute Frau im Warteraum etwas unterschreiben. Anschließend wurden in einem überfüllten und chaotischen Büroraum Fotos von den Kindern gemacht, gleichzeitig auch Fotos anderer Personen, gleichzeitig wurden im Raum offenbar auch andere Personen befragt. Warum die betreffende Frau nicht bei der Ausländerbehörde unseres Kreises ihre Unterschrift leisten und die Fotos hätten eingereicht werden können, hat sich mir nicht erschlossen. So war ein Arbeitstag für mich, viel Umstand für alle Beteiligten, jede Menge Fahrtkosten, die sie von ihren Asylbewerberleistungen bezahlen muss.

Schlimmer jedoch ist mein Eindruck, wie mit den Migranten umgegangen wird. In keiner deutschen Behörde, in der deutsche Menschen ihre Angelegenheiten erledigen, habe ich jemals solche Zustände angetroffen. In der ganzen Zeit des Wartens habe ich übrigens keine ausländische Person gehört, die sich beschwert hat. Allerdings waren die wenigen begleitenden Deutschen – wie ich – ziemlich schockiert, fassungslos und auch beschämt. Auch wenn die Zahl der geflüchteten Menschen die Infrastruktur in hohem Maße fordert, kann das keine Rechtfertigung für die beschriebenen Zustände sein.“ Die Frauenhaus-Mitarbeiterin appellierte an den Innenminister, die Bundesbeauftragte für Migration und an die Präsidentin des Bundesamtes für Migration, umgehend für Bedingungen zu sorgen, „die unseren Vorstellungen von einem respektvollen und angemessenen Umgang mit den Bürgern entsprechen – allen, ob sie in unserem Land wohnen oder hier Zuflucht suchen.“

Alle drei angeschriebene Stellen haben auf das Schreiben der Warendorfer Frauenhaus-Mitarbeiterin reagiert. Für die Säuberung der Toiletten sei ein zusätzliches Reinigungsintervall eingerichtet worden, der Großteil der Bestuhlung sei ausgetauscht worden. Im Warteraum werde ab sofort regelmäßig gelüftet. Leider sei aufgrund der sehr hohen Anzahl von Anhörungen weiter mit Engpässen und Zeitverzögerungen zu rechnen, auch sei eine genaue Zeitplanung schwer realisierbar. Die negativen Eindrücke seien bedauerlich, die Behörden entschuldigten sich und versicherten, dass man sich bemühen werde, Missstände zu vermeiden und über Hinweise dankbar sei. Annelie Kreiter freut sich, dass ihre Beschwerde ernst genommen wurde und zu Umsetzungen geführt hat: „Das ist gelebte Demokratie.“

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