Modernisierung der Kläranlage
Millionen teure Sanierung

Warendorf -

„Aufgrund des fortgeschrittenen Alters der Anlage ist bei einer Sanierung der gesamte Bereich der mechanischen Reinigung zu betrachten. Wir werden auf keinen Fall Dinge umsetzen, die nicht notwendig sind“, so Betriebsleiter Ralf Bücker jüngst im Betriebsausschuss. Bücker sprach von einem Millionenprojekt, das nach Fertigstellung aber auch die nächsten 30 Jahre Bestand habe. Die Zentralkläranlage in Warendorf soll in den nächsten drei Jahren umfangreich modernisiert werden.

Donnerstag, 12.07.2018, 12:58 Uhr

Die Zentralkläranlage in Warendorf soll in den nächsten drei Jahren umfangreich modernisiert werden.
Die Zentralkläranlage in Warendorf soll in den nächsten drei Jahren umfangreich modernisiert werden. Foto: Joachim Edler

Die Zentralkläranlage in Warendorf soll in den nächsten drei Jahren umfangreich modernisiert werden. Kosten konnte Betriebsleiter Ralf Bücker im Betriebsausschuss am Dienstagabend zwar noch nicht nennen. Die Optimierung und Modernisierung der Regenwasserbehandlungsanlage sowie der mechanischen Vorreinigung werde aber Millionen erfordern.

Ein Ingenieurbüro ist mit der Erstellung eines Konzeptes beauftragt. Denn die Modernisierung muss sich in den täglichen Ablauf einfügen. 24 Stunden am Tag muss die Kläranlage betriebsbereit sein. Bücker rechnet damit, dass er Ende des Jahres das Konzept auf dem Tisch hat. Um den Betrieb auch während der Modernisierung sicherzustellen, müsse in mehreren Bauabschnitten gearbeitet werden.

Statt punktuell auszubessern, möchte der Betriebsleiter ein ganzheitliches Konzept für die Kläranlage, führte Bücker zum einen die Betriebssicherheit und zum anderen die Wirtschaftlichkeit ins Feld: „Nur punktuell auszubessern, wird im Endeffekt teurer.“

Ein Grund für die Modernisierung: Feuchttücher machen den Pumpen im Klärwerk immer wieder den Betrieb unmöglich. Während Toilettenpapier keine Probleme bereitet, verstopfen die feuchten Tücher mit ihren Kunststoff-Fasern das Innerer der Pumpen (die WN berichteten).

Die Entfernung ist nur durch enormen Mehraufwand möglich, der viel Geld kostet und für den am Ende die Verbraucher wieder geradestehen müssen – nämlich durch gestiegene Abwassergebühren.

25 000 Euro habe die letzte Reparatur der durch die Tücher festgesetzten Pumpe gekostet, informierte der Leiter des Abwasserbetriebes. Nun droht wieder Ungemach. Noch in der Sitzung am Dienstag erhielt Bücker die Nachricht, dass gerade erneut eine der drei Pumpen feststeckt.

Bücker hofft, Werkzeug durch ein Guckloch führen und die Papierklumpen so lösen zu können. Ob das gelingt, ist fraglich. Mit Hilfe eines ein Meter langen, selbst gebastelten Drahtes fischen Mitarbeiter Fetzen der Feuchttücher ans Tageslicht. „So können wir ein Festsetzen der Pumpen vorübergehend verzögern, aber nicht verhindern.“

Die erneut beschädigte Pumpe transportiere 6500 Kubikmeter Wasser pro Stunde. Das Pumpengewinde in dem sechs Meter langen Rohr mit 70 Zentimetern Durchmesser kann nur mit Hilfe eines Schwerlastkrans aus- und eingebaut werden. In den Kosten von 25 000 Euro enthalten ist der Transport. Denn die Reparatur kann von den Mitarbeitern des Betriebs nicht selbst erledigt werden – das übernimmt eine Spezialfirma in Heide.

Bücker gibt der aktuelle Fall recht, noch mehr Gas zu geben für ein neues Konzept, denn die vorhandenen Pumpen sind nicht geeignet für eine Mischwasserförderung mit Feuchttüchern. Und ein neues Schneckenpumpwerk passe nicht in das vorhandene Gebäude.

Das Problem mit den Feuchttüchern sei aber nicht der einzige Grund für die riesige Investition. Folgende Anlagenteile, teilweise aus dem Jahr 1980, würden nicht mehr den heutigen Standards entsprechen und müssten über kurz oder lang sowieso ausgetauscht werden: „Die Grobrechenanlage ist abgängig und nicht für die Rückhaltung von Feuchttüchern geeignet, Schmutzwasserpumpen sind abgängig und energetisch unwirtschaftlich, die Regenwetterpumpen nicht verstopfungssicher. Die Vorklärung entspricht nicht mehr den heutigen Auslegungsgrundsätzen. Hierdurch wird der Betrieb der nachgeschalteten Biologie nachteilig beeinflusst. Die vorhandene Notstromversorgung sowie Mess- und Regeltechnik müssen den heutigen Sicherheitsstandards angepasst werden.“ Bücker weiter: „Aufgrund des fortgeschrittenen Alters der Anlage ist bei einer Sanierung der gesamte Bereich der mechanischen Reinigung zu betrachten. Wir werden auf keinen Fall Dinge umsetzen, die nicht notwendig sind“, so Bücker angesichts skeptischer Blicke einiger Ausschussmitglieder, die nach genauen Kosten und eventueller Förderung fragten. Bücker sprach von einem Millionenprojekt, das nach Fertigstellung die nächsten 30 Jahre Bestand habe. „Eine Förderung für durch Feuchttücher festgesetzte Pumpen gibt es allerdings nicht.“

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