So., 05.01.2014

Mahner im Stadtgebiet: Wer schreibt die Botschaften? "Freiheits-Brandmelder" beschäftigen Polizei

Warendorf - 

Wer die Kästen installiert hat, bleibt weiter ein Rätsel. Es ist davon auszugehen, dass die „Freiheitsmelder“ bereits seit mehreren Wochen im Stadtgebiet hängen – aber erst jetzt ins Auge fallen. Die täuschend ähnlich aussehenden Brandmelder mit Botschaft in der Warendorfer Innenstadt beschäftigen jetzt die Polizei. Es liegt eine Anzeige wegen Sachbeschädigung vor.

Von Joachim Edler

Was beim Drücken dieses Melders passiert, ist nicht bekannt. Wohl nichts. Der Passant bleibt stehen und staunt. Seit mehreren Wochen hängen rot lackierte Holzkästchen, die dem original Brandmelder täuschend ähnlich sehen, an Warendorfer Hauswänden in der Innenstadt. Platziert sind sie unter anderem am Rathaus, an Zeitungsredaktionen, vor Galerien oder einfach an Wänden.

Jeder dieser Freiheitsmelder, einige sind schon wieder verschwunden, beinhaltet einen Spruch, darunter „Die Fähigkeit, das Wort Nein auszusprechen, ist der erste Schritt zur Freiheit.“ Oder: „Wer sagt, hier herrscht Freiheit, der lügt, denn Freiheit herrscht nicht.“

Wer sich hinter den Botschaften verbirgt, ist bislang ein Rätsel. Die Pseudo-Brandmelder beschäftigen  allerdings jetzt die Polizei. Es wurde Anzeige wegen Sachbeschädigung erstattet. Der Kasten war mit Zweikomponenten-Kleber an der Hauswand einer Rechtsanwaltskanzlei platziert worden – beim Entfernen blieben Rückstände. 

Und während die Polizei weiter die Augen offen hält, wird in der Facebook-Gruppe „Du bist Warendorfer, wenn...“ und auch in unserer Zeitung heftig   über die „Freiheitsmelder“ diskutiert: „Vielleicht hätten diese Paragrafen-Junkies ja mal auf den Gedanken kommen können, dies als Streetart anzusehen und hängen zu lassen!“ Oder: „Was ist, wenn ich die Plastik-Scheibe einschlage?“ Kurze Antwort: „Dann bist du frei!“ Gesagt – getan.

Andere wiederum vermuten, dass es sich bei den Meldern um Kunst im öffentlichen Raum handelt. Oder sind die Freiheitsmelder etwa eine Anspielung auf die NSA-Spähaffäre („Freiheit stirbt mit Sicherheit“). US-Informant Edward Snowden  lässt grüßen. Ein weiterer Kommentar: „Ich sehe die Freiheitsmelder-Aktion als Hinweis, das Bewusstsein schärfer auf die momentane Situation zu richten: Was passiert auf unserer Welt? Ist es richtig, dass Menschen leiden und andere im Überfluss leben? Ist es richtig, dass Großkonzerne und Regierungen endlos Daten über uns sammeln?“

Fake oder echt – die meisten jedenfalls finden die Aktion einfach klasse. So schreibt einer aus der Facebook-Gruppe: „Ich habe keinen Schimmer, wer hinter dieser Aktion steckt, aber die Umsetzung (falsche) Brandmelder gleich (trügerische) Sicherheit, finde ich außerordentlich gelungen. Sollte der Künstler tatsächlich aus der Anonymität heraus agieren, umso besser.“

Oder: „Ob die Sache  nun Sachbeschädigung ist oder nicht, ist mir persönlich nicht so wichtig. Was zählt ist die Nachricht. Es geht uns alle etwas an!“

Dabei handelt es sich um geistreiche „Freiheit-Zitate“. „Freiheit ist ein Kaugummibegriff geworden – an jedem Schlagbaum versteht man etwas anderes darunter“ stammt von Oskar Kokoschka (österreichischer Maler, Grafiker und Schriftsteller des Expressionismus und der Wiener Moderne.

Die Botschaft „Die Presse muss die Freiheit haben, alles zu sagen, damit gewisse Leute nicht die Freiheit haben, alles zu tun“,  wird Louis Terrenoire, Politiker, Journalist und Mitglied der französischen Résistance (1908 bis 1992) zugeschrieben.

Fakt ist: Auffällig sind die  Brandmelder mit Freiheitsbotschaft auf jeden Fall. Bleibt abzuwarten, wer oder was hinter der Aktion steckt. Ein Ziel wurde jedenfalls schon erreicht: Aufmerksamkeit und Nachdenklichkeit.

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