Fr., 29.12.2017

Tecklenburg zeigt Otto Modersohns Münsterland Mit Modersohn ins Neue Jahr

Eine Neujahrsszene: 1888 malte Otto Modersohn diesen „Kirchgang“ an der Dingstiege in Münster. Das Bild trägt unten links auch das Datum 1. Januar 1888.

Eine Neujahrsszene: 1888 malte Otto Modersohn diesen „Kirchgang“ an der Dingstiege in Münster. Das Bild trägt unten links auch das Datum 1. Januar 1888. Foto: Hermann Willers

Tecklenburg - 

Seit zwei Jahren ist das neue Modersohn-Museum in Tecklenburg geöffnet. Geschäftsführerin Uta Jenschke zieht im Gespräch Zwischenbilanz: Das Haus kommt bei seinen Gästen gut an.

Von unseremRedaktionsmitgliedJohannes Loy

Vor zwei Jahren hat das Otto-Modersohn-Museum Tecklenburg, kurz „OMMT“, eröffnet. Zurzeit präsentiert das Haus eine feine Münsterland-Schau mit Frühwerken Modersohns. Geschäftsführerin Uta Jenschke zieht im Gespräch mit unserem Redakteur Johannes Loy Zwischenbilanz.

Wo steht das Otto-Modersohn-Museum zwei Jahre nach der Eröffnung?

Uta Jenschke: Wir befinden uns in einer hochspannenden Entwicklungsphase. Natürlich bildet sich das Profil eines so jungen Hauses, wie wir es sind, erst langsam heraus. Wir sind in der erfreulichen Lage, auf bereits sehr viel positive Wahrnehmung und Anerkennung seitens einer interessierten Öffentlichkeit, eines engagierten Förderkreises sowie wohlwollender Gönner zurückgreifen zu können.

Was sagen und schreiben die Besucher?

Jenschke: Das Otto Modersohn Museum Tecklenburg wird vor allem als ein Gesamterlebnis wahrgenommen. Die pittoreske Lage direkt am historischen Marktplatz, eine wunderschön vollzogene Sanierung des Gebäudes und nicht zuletzt die Präsentationen der Ausstellungen lassen einen Besuch bei uns zu einem intensiven Eintauchen in Geschichte und Geschichten werden. Die Besucher hinterlassen begeisterte Kommentare.

Nach der Auftaktschau über Modersohn und Tecklenburg weitet sich der Blick in der jetzigen Ausstellung ins Münsterland. Welches sind Ihre persönlichen Lieblingsbilder?

Jenschke: Otto Modersohn schwärmt in seinen Tagebuchaufzeichnungen von der überaus reizvollen „schlichten Ebene“ des Münsterlandes. Dieses Unprätenziöse, Harmonische der Vegetation gibt für mich sehr schön das Bild „Blick auf Mecklenbeck“ (1887) wieder. Ein tiefgelagerter Horizont trennt einen uns so gut bekannten weiten Himmel von einer in vielen Grünnuancen durchwirkten Wiese mit Busch- und Baumreihen. Einen anderen bemerkenswerten Anblick liefert uns Modersohn mit der aus einem   Kahn heraus gemalten Impression „An der Werse“ (1888). Der optische Reiz einer sich auf der Wasseroberfläche spiegelnden Baumformation steht hier im Zentrum der Komposition.

Modersohn war später ja überall unterwegs: in Worpswede, Fischerhude, Franken, Bad Hindelang, Paris. Was hat er in späten Jahren über seine Jugend in Münster gedacht?

Jenschke: Die münsterischen Jahre waren für Modersohn entscheidende Jahre des Suchens und Findens. In dieser Zeit manifestierte sich für ihn sein brennender Wunsch, Künstler zu werden, und sein zentrales Lebens- und Schaffensthema, die „Landschaftsmalerei“, kristallisierte sich während seiner Erkundungen des münsterschen Umlandes und einiger Abstecher nach Tecklenburg sowie vereinzelter Reisen, wie etwa in den Harz, deutlich heraus. Aber er benötigte als Landschaftsmaler natürlich immer wieder neue Anregungen. Die malerische Auseinandersetzung mit Landschaftsbeschaffenheiten, um hier die jeweils spezifische Stimmung wiederzugeben, war nötig, so dass er weiterzog, sich in wechselnden Regionen niederließ. Diese neuen Stationen wurden ihm jeweils zu der ihn ganz absorbierenden Umgebung. Der Künstler Otto Modersohn war ein ausgeprägter Naturmensch. Die Verlockungen und das bunte Treiben von Düsseldorf oder Paris konnten ihn momenthaft ansprechen, aber schon nach kurzer Zeit zog es ihn zurück in die Ruhe und Kontemplation der Natur. Dieser Wesenszug bildete sich stark in seinen Jahren in Münster heraus.

Otto Modersohn und seine vielfältigen Beziehungen zur Region Münsterland sind bislang schon ausführlich zur Sprache gekommen. In welche Richtung geht das Museum speziell mit der Ausstellung 2018?

Jenschke: Mit unserem Ausstellungsprogramm für das nächste Jahr ist es uns wichtig, Otto Modersohns Kunst auch in andere und bisher noch nie gezeigte Kontexte zu stellen. Das Selbstverständnis dieses Künstlers des 19. und 20. Jahrhunderts in Dialog treten zu lassen mit anderen künstlerischen Positionen.

Welchen Stellenwert hat das Haus bislang im Kulturbetrieb Tecklenburgs erobert?

Jenschke: Das „OMMT“ wird offenbar als ganz wichtiger Bestandteil, um nicht zu sagen ein zentrales Aushängeschild des Kulturgeschehens in Tecklenburg wahrgenommen. Neben der Ausstellungstätigkeit verstehen wir uns auch als Veranstaltungsort und initiieren in unserem Haus Lesungen, Konzerte und weitere Aktionen. Wir sind darüber hinaus gerade dabei, Kooperationsbeziehungen mit umliegenden Schulen zu forcieren. Wir möchten der Ort eines vielstimmigen Austauschs sein.

Gibt es Ihrerseits als Geschäftsführerin des Museums einen besonderen Traum, eine Zielmarke, sowohl im Hinblick auf Besucherzahlen wie auch auf die Beteiligung am Förderkreis?

Jenschke: Bei allem Enthusiasmus für die reine, hehre Kunst muss ich natürlich auch die Besucherzahlen im Blick haben, die sich, nach einem regelrechten Besucheransturm zur Museumsneueröffnung, jetzt auf einer nachlassenden aber gut konsolidierten Größe von insgesamt 24 000 Besuchern zum Jahresende abbilden. Von den in nächster Zeit geplanten Ausstellungskonzepten erhoffe ich mir einen noch einmal spürbar ansteigenden Besucherzuspruch. Unser bisher 250 Mitglieder starke Förderkreis vermag bereits einiges. Die für uns so wichtige monetäre Unterstützung durch die Mitgliedsbeiträge wird durch ein großes Team an ehrenamtlichen Helfern erweitert. Dass hier alle Beteiligten weiterhin so viel Freude und Engagement für diese so wichtige und bereichernde gemeinsame Sache erfahren und aufbringen, wäre mein persönlich größter Wunsch.

Zum Thema

„Otto Modersohn – Münsterland“ im „OMMT“-Museum Tecklenburg, bis 18. März 2018, Fr 14.30-18 Uhr, Sa und So 11-18 Uhr, feiertags geöffnet, aber nicht am 31. Dezember.  | www.ommt.de

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