Fr., 21.03.2014

Letzte Chance für Villa Heimann Bürgerinitiative will jüdischer Familie ein Denkmal setzen

Die Villa Heimann in Steinfurt, in der bis zur Pogromnacht Albert und Frieda Heimann (kleine Bilder) mit ihren Kindern wohnten, soll abgerissen werden.

Die Villa Heimann in Steinfurt, in der bis zur Pogromnacht Albert und Frieda Heimann (kleine Bilder) mit ihren Kindern wohnten, soll abgerissen werden. Foto: Jürgen Peperhowe

steinfurt - 

Die Villa Heimann, in der die gleichnamige jüdische Familie bis zur Progromnacht lebte, soll einer Feuerwache weichen. Eine Bürgerininiative setzt sich nun dafür ein, die Fassade des Hauses zu einem Mahnmal zu machen.

Von Gudrun Niewöhner

Das Haus abzureißen, wäre eine Demütigung, sagen die Enkel. Eine zweite Demütigung. Deshalb haben sie aus den USA und Kanada eine Mail an Steinfurts Bürgermeister Andreas Hoge geschickt. Darin bitten sie ihn, die Villa , in der ihre jüdischen Großeltern bis zur Deportation in Borghorst gewohnt haben, nicht wie politisch beschlossen abzureißen, sondern die Außenmauern stehen zu lassen und in den Bau einer neuen Feuerwache zu integrieren. Das Gebäude bliebe so ein Mahnmal , das an die Gräueltaten der Nationalsozialisten erinnere.

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Albert Heimann

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Frieda Heimann

Dafür setzen sich seit Monaten auch die Mitglieder der Initiative „Stolpersteine“ ein. Weil Steinfurts Stadtkasse leer ist, hatten sie bereits Spenden in Höhe von 100 000 Euro zusammen, mit denen der Fassadenerhalt hätte finanziert werden können. „Das wäre ein Geschenk an die Stadt gewesen“, sagt Josef Bergmann , Sprecher der Bürgerinitiative. Doch die Kommunalpolitiker haben nach langem Hin und Her und stundenlangen Debatten mehrheitlich anders entschieden. Anfang April soll der komplette Abriss beschlossen werden, um im Sommer mit dem Neubau der Feuerwache beginnen zu können.

Familie Heimann

Auf dem Gehweg vor dem Grundstück an der Anton-Wattendorff-Straße in Steinfurst-Borghorst erinnern seit Juni 2006 "Stolpersteine" an die Kinder Wilhelm, Ottilie, Antonia und Elsbeth, die ihre Eltern und ihr Heim verlassen mussten und an Frieda und Albet Heimann, die deportiert und in Auschwitz ermordet wurden. Das zweigeschossige Haus entstand um die Jahrhundertwende. Die jüdische Familie wohnte dort bis zur Progromnacht 1938.

Bis dahin gibt die Initiative „Stolpersteine“ nicht auf. Seit drei Wochen sammeln sie im Internet Unterschriften für eine Online-Petition „Rettet die Villa Heimann“. Die Listen wollen sie dem Bürgermeister übergeben. „In der Hoffnung, dass die Ausschussmitglieder ihre Meinung noch einmal ändern.“ Die haben Josef Bergmann und die übrigen „Stolpersteine“ trotz aller Widerstände längst nicht aufgegeben. 1478 Unterstützer waren es bis gestern, die sich online registriert hatten. 2000 sind das erklärte Ziel. Rückhalt gibt es aus der ganzen Welt – aus Israel, Südafrika, Australien, Kanada, Finnland, Amerika, Polen, Irland, Großbritannien, Österreich, Kanada. Und aus ganz Deutschland.

Ob das Engagement am Ende reichen wird? Steinfurts Baudezernent Reinhard Niewerth, der sich sehr für den Fassadenerhalt eingesetzt und selbst erste Pläne sonntags zu Hause am Zeichenbrett skizziert hat, glaubt nicht mehr daran. „Die Villa Heimann wird im Juni abgerissen“, sagt er. Daran werde auch die Online-Petition nichts ändern. Alleine für Planungsaufträge hat die Stadt in Zusammenhang mit dem kompletten Neubau der Feuerwache inzwischen 150 000 bis 200 000 Euro ausgegeben. Sollten die Politiker jetzt eine Kehrtwende machen und die Heimann-Fassade doch stehenlassen wollen, „wäre das alles für die Katz´ gewesen“, so Niewerth: „Wir müssten noch einmal von vorne anfangen.“ Abgesehen vom Geld würde auch erneut Zeit verloren gehen.  

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