Gericht setzt für Prozess 100 Verhandlungstage an
Geschäftsführer sollen Bilanzen gefälscht haben

Münster/Ibbenbüren/Greven -

Zwei ehemalige Geschäftsführer eines Chemiekonzerns mit Produktionsstandorten in Ibbenbüren und Greven müssen sich seit Dienstag wegen millionenschweren Betruges vor dem Landgericht Münster verantworten. Die beiden 68 und 58 Jahre alten Manager sollen zwischen 2009 und 2012 Bilanzen gefälscht und Kreditgeber über das Vermögen des Konzerns getäuscht haben.

Dienstag, 10.01.2017, 17:01 Uhr

Die Geschäftsführer dieses Unternehmens stehen vor dem Landgericht in Münster.
Die Geschäftsführer dieses Unternehmens stehen vor dem Landgericht in Münster. Foto: Peter Henrichmann

Laut Anklage beläuft sich der Schaden für die beteiligten Banken auf rund 57 Millionen Euro. Außerdem wird ihnen Subventionsbetrug in Höhe von knapp neun Millionen Euro vorgeworfen. Mitangeklagt sind zwei frühere Geschäftspartner. Zum Prozessauftakt haben sich die Angeklagten nicht zu den Vorwürfen geäußert.

Die Bilanzen des Unternehmens, das Vorprodukte für die Wasch- und Reinigungsmittelindustrie herstellte, entsprachen laut Anklage nicht dem tatsächlichen Vermögen und der Ertragslage. In der Anklage ist unter anderem von „nicht zutreffenden Wertgutachten“, einem „Scheingeschäft“ und „Luftpositionen“ die Rede. Außerdem seien Provisionserlöse eingebucht worden, die keinen realen Hintergrund gehabt hätten.

Angeklagte sitzen in U-Haft

Im Ergebnis seien die Vermögenswerte des Konzerns, zu dem unter anderem ein Waschmittelwerk in Greven gehört hat, regelmäßig zu hoch ausgewiesen gewesen. Die Entscheidungsträger auf Seiten der beteiligten Banken hätten laut Staatsanwaltschaft jedoch auf die Richtigkeit der eingereichten Geschäftsunterlagen vertraut.

Die beiden angeklagten Ex-Geschäftsführer sitzen in U-Haft. Der Chemiekonzern hatte 2014 Insolvenz anmelden müssen. Die 7. Strafkammer des Landgerichts Münster hat für den Prozess insgesamt 100 Verhandlungstage bis zum 21. Dezember 2017 vorgesehen.

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