Fr., 02.12.2016

Neuenkirchener wegen Körperverletzung vor Gericht „Soeben noch die Kurve gekriegt“

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Rheine/Neuenkirchen/Ochtrup - 

Um ein Haar wäre der 19-jährige Angeklagte aus Neuenkirchen wegen Körperverletzung mit einem Freizeitarrest im Gefängnis gelandet, hätten nicht Staatsanwalt und Jugendrichter an seine Anwältin und ihn appelliert, das Ruder herumzureißen und ein Geständnis abzulegen.

Laut Anklage soll der Neuenkirchener seinem Kontrahenten aus Ochtrup am 1. Mai 2016 am Offlumer See das Knie in den Rücken gerammt haben. Er behauptete jedoch, ihm nur mit der flachen Hand in die Rippen geschlagen zu haben. Das sollten seine Freunde bestätigen. Der Jugendrichter warnte vor möglichen Gefälligkeitsaussagen, weil die Kollegen im Anschluss selbst wegen Falschaussage vor Gericht landen könnten und deutlich härter bestraft würden.

Richter und Staatsanwalt bauten dem Angeklagten goldene Brücken, die er stur ignorierte. „Haben Sie das nicht mit Ihrer Anwältin in der Kanzlei vorbesprochen oder nur hier auf dem Gerichtsflur?“ fragte der Richter.

Die Anwältin beriet sich daraufhin mit ihrem Mandanten. Danach räumte dieser den Tritt in den Rücken ein. „Soeben noch die Kurve gekriegt“, konstatierte der Anklagevertreter. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft verurteilte der Jugendrichter den 19-Jährigen wegen Körperverletzung zu einer Geldauflage von 400 Euro an „Donum vitae“, die er mit 100 Euro monatlich abstottern kann.

Zur Tat: Am 1. Mai 2016 war es am Offlumer See zu einer Körperverletzung gekommen, bei der ein 17-jähriger Auszubildender aus Ochtrup durch einen Tritt in den Rücken verletzt wurde. Das warf die Staatsanwaltschaft dem Angeklagten aus Neuenkirchen vor. Weil er nicht vorbelastet war, wies das Gericht ihn darauf hin, dass er mit einem Geständnis Staatsanwaltschaft und Gericht gnädig stimmen könnte. Aber er blieb bei seiner Version – selbst als drei Augenzeugen, darunter der Geschädigte aus Ochtrup, den Tritt in den Rücken bestätigten. „Der Zeuge war überaus glaubwürdig“, bezog sich der Richter auf die Aussage des Geschädigten aus Ochtrup.

Vorausgegangen war ein Streit in Wettringen, bei dem die Clique des Angeklagten den späteren Geschädigten schon bedrängt haben soll. Das setzte sich wohl am Offlumer See fort. Sicherheitskräfte griffen ein, trennten die Kampfhähne und baten den Geschädigten, sich auf einen angrenzenden Zaun zu setzen. Diese Gelegenheit soll der Angeklagte für den Tritt mit dem Knie in den Rücken genutzt haben. Zwei Tage lag der Ochtruper deswegen im Bett und hatte auch danach noch Schmerzen, wie er angab. Allerdings war der Fall für ihn inzwischen erledigt: „Es war der 1. Mai, da passiert so etwas“, sagte er „ohne jede Belastungstendenz“, wie der Richter konstatierte.

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