Di., 26.09.2017

Mutmaßlicher IS-Drahtzieher Hassprediger Abu Walaa wegen Rekrutierung von IS-Kämpfern vor Gericht

Die Hauptfassade mit Eingang zum Oberlandesgericht Celle.

Die Hauptfassade mit Eingang zum Oberlandesgericht Celle. Foto: Holger Hollemann

Celle/Bocholt - 

Der Iraker Abu Walaa gilt als Führungsfigur des IS in Deutschland. Reihenweise junge Männer soll er von einer Hildesheimer Moschee aus für die Terrormiliz mobilisiert haben. Auch in Bocholt war er aktiv. Seit Dienstag stehen er und vier weitere mutmaßliche Top-Islamisten im niedersächsischen Celle vor Gericht.

Von dpa

Unter großen Sicherheitsvorkehrungen hat am Oberlandesgericht Celle der Prozess gegen den Hassprediger Abu Walaa begonnen. Der 33-jährige Iraker ist aus Sicht der Bundesanwaltschaft die zentrale Führungsfigur der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Deutschland.

Mitangeklagt sind vier weitere Männer im Alter zwischen 27 und 51 Jahren, weil sie Freiwillige für den Kampf des IS rekrutiert haben sollen. Ihnen wird Unterstützung und Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung vorgeworfen. Auch der Berlin-Attentäter Anis Amri soll sich im Umfeld von Abu Walaa und seinem Netzwerk aufgehalten haben.

Prozess im Hochsicherheitstrakt

Der Prozess findet im Hochsicherheitstrakt des Gerichtes statt, die Angeklagten sitzen hinter einer Panzerglasscheibe. Alle fünf Männer wurden im vergangenen November in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen festgenommen und sitzen seitdem in Untersuchungshaft. Ihnen drohen bis zu zehn Jahre Haft.

Beim inzwischen verbotenen „Deutschen Islamkreis Hildesheim“ soll Abu Walaa radikal-islamische Predigten gehalten und die Moschee des Vereins zu einem bundesweiten Rekrutierungszentrum des IS gemacht haben. Laut Anklage indoktrinierte das Netzwerk junge Menschen und schickte sie in das IS-Kampfgebiet nach Syrien oder in den Irak. Zwei in der Anklageschrift genannte Zwillinge aus Castrop-Rauxel sollen sich im Irak als Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt haben, wobei rund 150 Regierungssoldaten starben.

Islamseminar auch in Bocholt

Außer in Hildesheim war Abu Walaa in Nordrhein-Westfalen aktiv, wo er in Tönisvorst bei Krefeld lebte. Als Prediger organisierte er zudem Islamseminare in Moscheen in Berlin, Kassel, Frankfurt und dem münsterländischen Bocholt (Kreis Borken), wo er laut Generalbundesanwaltschaft in der Ehlu-Sunnah-Moschee gesprochen hat.

Danach fuhren nach den Ermittlungen reihenweise junge Männer in die Kampfgebiete. Mindestens 15 aus Niedersachsen und 9 aus Nordrhein-Westfalen durchliefen nach Behördenerkenntnissen das Netzwerk Abu Walaas und reisten ins Kriegsgebiet. Sechs von ihnen sollen dort gestorben sein.

Aussteiger als Kronzeuge

Belastet wird Abu Walaa von mehreren V-Leuten der Polizei sowie einem ehemaligen IS-Sympathisanten aus Gelsenkirchen. Der Kronzeuge sagte sich nach einer Syrienreise von der Terrormiliz los und packte bei den Ermittlern aus, er erhielt im Mai eine Bewährungsstrafe.

Wie die Verteidigung zu Prozessbeginn erklärte, sei der Kronzeuge ein Hochstapler. Die Vorwürfe stützten sich auf die Aussagen eines Terroristen. Abu Walaas Verteidiger Peter Krieger sagte, der Kronzeuge erzähle „fantastische Geschichten“, die die Behörden nicht überprüft hätten.

Trotz jahrelanger Beobachtung hätten die Behörden Abu Walaa zuvor nie etwas anlasten können. Der auf ihn angesetzte V-Mann des Landeskriminalamtes Nordrhein-Westfalen habe Anis Amri immer wieder zum Verüben von Anschlägen aufgefordert und dürfe wohl deshalb nicht in Celle als Zeuge aussagen.

Für das Verfahren in Celle wurden zunächst 29 Termine bis Ende Januar kommenden Jahres angesetzt. Danach soll auf unbestimmte Zeit zwei Mal wöchentlich weiter verhandelt werden.

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