19-jähriger Grevener zahlt Schadensersatz
Karnevals-Schläger hatte ADHS

Greven -

Was passiert war, musste ihm ein Freund erzählen. Der Täter, der Rosenmontag zwei junge Männer schlug, gestand alles.

Donnerstag, 14.06.2018, 12:14 Uhr

Im Karnevalstrubel kann schon mal was passieren. Zwei junge Männer wurden von einem Betrunken geschlagen. Jetzt traf man sich vor Gericht wieder. 
Im Karnevalstrubel kann schon mal was passieren. Zwei junge Männer wurden von einem Betrunkenen geschlagen. Jetzt traf man sich vor Gericht wieder.  Foto: Peter Beckmann

Zwei jungen Männern aus Saerbeck und Greven blieb der diesjährige Karnevalssonntag in schlechter Erinnerung. Beide wurden von einem stark alkoholisierten 19-jährigen Grevener grundlos geschubst und geschlagen. Der Täter saß am Dienstag wegen vorsätzlicher Körperverletzung in zwei Fällen auf der Anklagebank im Amtsgericht Steinfurt.

Viele Vorstrafen

Weil er ein umfassendes Geständnis ablegte, erhielt er eine vergleichsweise milde Strafe. Vorstrafen hatte er reichlich wegen Diebstahl, Sachbeschädigung, Drogenmissbrauch und Fahrens ohne Führerschein.

„Ich bin auf einem guten Weg, mein Leben endlich in den Griff zu kriegen“, sagte der Beschuldigte, nach dem der Richter die Vorstrafen vorlas. In Kürze werde er eine Stelle als Lüftungsschachtbauer antreten. „Ich habe erst von meinen Freunden erfahren, was ich am besagten Karnevalssonntag gemacht habe. Ich selbst, weiß nicht mehr, was passiert ist. Trotzdem gebe ich alles zu und will den beiden Opfern auch Schmerzensgeld zahlen“, gestand der Grevener ein.

Die Opfer – zwei 19-Jährige aus Saerbeck und Greven – schilderten, was vor vier Monaten geschehen war. Sie hielten sich am 11. Februar mit ihrer Clique nach dem Karnevalsumzug vor dem Gymnasium Augustinianum in Greven auf. „Wir wurden von jemanden einer gegenüber von uns stehenden Truppe gewarnt, dass gleich einer zu uns kommt, der sehr aggressiv sei“, erzählten die beiden Opfer. Der Angeklagte sei dann auch zu ihnen gestoßen. „Mich hat er ohne Vorwarnung und Grund geschubst. Dabei habe ich Prellungen davongetragen“, berichtete der Saerbecker.

Täter leidet am ADHS

Dem Grevener Opfer hatte der Täter mit der Faust ins Gesicht geschlagen. „Eine Minute war ich wohl nicht ganz bei Sinnen. Auch weil meine Lippen stark bluteten“, unterstrich der Geschädigte. Nur weil einige aus beiden Lagern versucht hätten, zu schlichten, habe der Angeklagte letztendlich aufgehört. „Ich soll aber danach weitergetrunken haben. Ich bin erst am nächsten Morgen in der Zelle der Polizei wieder aufgewacht. Früh morgens um sechs bin ich dann von meinem Vater abgeholt worden“, zeichnete der Täter nach.

Der entwicklungsverzögerte Beschuldigte leidet seit Kindertagen an einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS). Die Jugendgerichtshilfe beschwerte sich bei ihrem Mandanten, mit ihm vor dem Prozess keinen Kontakt gehabt zu haben. Trotzdem einigte sie sich mit der Staatsanwältin und dem Richter auf ein Antiaggressionstraining und eine Suchtberatung als Auflage. Zusätzlich verurteilte das Gericht den 19 Jahre alten Grevener zur Zahlung eines Schmerzensgeldes in Höhe von 200 Euro an jedes Opfer.

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