Sa., 04.05.2013

Schüler gestalten Pressekonferenz mit NRW-Ministerin Löhrmann Fragestunde, ganz ungeschminkt

Schulministerin Sylvia Löhrmann beantwortete gestern eine Stunde lang die Fragen von vier Schulklassen aus dem Münsterland. „Warum muss ich eigentlich Latein lernen?“, wollte zum Beispiel ein Schüler wissen. „Weil es zum Fächerkanon dazu gehört“, sagte die Ministerin. „Aber Pflicht ist es nicht.“

Schulministerin Sylvia Löhrmann beantwortete gestern eine Stunde lang die Fragen von vier Schulklassen aus dem Münsterland. „Warum muss ich eigentlich Latein lernen?“, wollte zum Beispiel ein Schüler wissen. „Weil es zum Fächerkanon dazu gehört“, sagte die Ministerin. „Aber Pflicht ist es nicht.“ Foto: Jürgen Peperhowe

Münster - 

Fast 550 Schulklassen beteiligen sich an unserem Medienprojekt. Auf vier dieser Zeitungs-Klassen wartete jetzt zusätzliche Arbeit: Sie bereiteten sich auf eine Schüler-Pressekonferenz mit Schulministerin Sylvia Löhrmann vor. Die Fragestunde fand im Medienhaus Aschendorff statt.

Von Doerthe Rayen und Frank Polke

Alle Plätze im Raum sind schon lange vor elf Uhr besetzt, das Stimmengewirr zeugt von nervöser Vorfreude, die Kugelschreiber klicken. So gefällt es der Ministerin. „So voll ist es in der Landespressekonferenz nur selten“, sagt die nordrhein-westfälische Schulministerin anerkennend und beginnt mit ihrem kurzen Statement zum Thema „Sitzenbleiben“. „Sitzenbleiben ist verschwendete Lebenszeit und es entmutigt junge Menschen“, sagt Sylvia Löhrmann . „Es müssen andere Maßnahmen ergriffen werden, um Schülerinnen und Schüler mit individueller Förderung zu besseren Leistungen und fachlichen Kompetenzen zu führen.“

Die erste Schüler-Pressekonferenz, zu der die Westfälischen Nachrichten im Rahmen des MedienprojektsKlasse !“ vier achte Schulklassen aus Telgte, Münster-Hiltrup, Steinfurt und Havixbeck eingeladen haben, kann beginnen. „Wir sind sehr stolz, dass das geklappt hat und unsere Aktion auf so großes Interesse gestoßen ist. Also, keine Scheu“, eröffnet Wolfgang Kleideiter, stellvertretender Chefredakteur unserer Zeitung, gestern im Medienhaus Aschendorff die Debatte mit den 100 Schülern und begleitenden Lehrern.

Und die Schülerinnen und Schüler haben keine Scheu, sondern legen mit ihren Fragen los. „Was bedeutet individuelle Fördermöglichkeiten?“, eröffnet Carmen Düllmann aus der Klasse 8 d der Realschule am Buchenberg aus Steinfurt den einstündigen Fragenreigen. Die Antwort der Ministerin, die nach einer langen Nacht der Bundesratsberatungen eigens aus Berlin nach Münster gekommen war, ist professionell – und zeigt, dass die Grünen-Politikerin alle Fragen ernst nimmt. „Wir müssen individuell sehen, wie das Leistungsvermögen des Schülers ist und dort ansetzen, wo er Schwächen hat und wie diese behoben werden können.“

Weitere Fragen kommen, drehen sich um die fehlenden Noten für Lernstands-Erhebungen, um die Wahl der Nebenfächer, den Schulstress am Nachmittag, um Latein. „Warum müssen wir eigentlich Latein lernen?“, fragt zum Beispiel Henry Steilberg vom Maria-Sibylla-Merian-Gymnasium in Telgte. Und bekommt prompt die Antwort. „Weil es zum Fächerkanon gehört und für einige Studienfächer noch erforderlich ist. Aber es gibt ja keinen Zwang.“

Die Pressekonferenz nimmt einen fast professionellen Verlauf. Frage, Antwort, kurze Nachfrage und wieder eine Antwort vom Podium. Löhrmann – vor ihrer politischen Karriere war die heute 56-jährige stellvertretende Ministerpräsidentin Lehrerin an einer Gesamtschule in Solingen – mischt gekonnt ihre Rollen, ist manchmal mehr als Lehrerin denn als Ministerin gefragt. Jetzt ist die Politikerin an der Reihe: „Warum schneidet NRW bei den Pisa-Tests immer schlechter ab als die Schüler in Sachsen oder Bayern?“, will Clara Gernhöfer wissen. Löhrmann überlegt, überbrückt eine kurze Sekunde mit dem In-die-Hand-Nehmen des Mikrofons. „Diese Ergebnisse basieren immer nur auf Durchschnittswerten. Es ist aber auch wichtig, die nicht immer leichte soziale Situation zum Beispiel im Ruhrgebiet zu berücksichtigen. Und wir machen gerade dort große Fortschritte.“

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So voll ist es bei der Landespressekonferenz nicht immer.

Sylvia Löhrmann

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Am Ende der Fragestunde wird es persönlich. Jetzt geht es um Sylvia Löhrmann – und nicht mehr um die Frau Ministerin. „Googlen Sie sich eigentlich selbst?“ Löhrmann lacht, blickt ihre Mitarbeiterin an. Und sagt: „Ich ziehe auch als Politikerin eine Grenze zwischen Privatsphäre und öffentlichem Amt.“ Sie erinnert an den Fall Christian Wulff und die mediale Inszenierung des Aufstiegs – und den tiefen Fall. In diesem Moment ist es ganz still im Raum.

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