Mi., 07.12.2011

Erste Hilfe ist der Seele nicht genug Noch anderthalb Jahre nach der Loveparade-Katastrophe begleiten Seelsorger Opfer, Angehörige und Helfer

Notfallseelsorger bei der Gedenkfeier zur Loveparade-Katastrophe. Die Betroffenen leiden auch anderthalb Jahre später noch unter den Folgen des Unglücks.Foto: (dpa)

Notfallseelsorger bei der Gedenkfeier zur Loveparade-Katastrophe. Die Betroffenen leiden auch anderthalb Jahre später noch unter den Folgen des Unglücks. Foto: dpa

düsseldorf - 

Erste Hilfe für die Seele – eigentlich ist das die Aufgabe von Notfallseelsorgern. Mit den Folgen der Loveparade-Tragödie von Duisburg kämpfen die Angehörigen der 21 Todesopfer und die Überlebenden bis heute. „Für die Familien der Todesopfer ist das Unglück, das ihnen die Loveparade gebracht hat, täglich präsent“, schildert Uwe Rieske die Nachwirkungen. Als Landespfarrer für Notfallseelsorge der Evangelischen Kirche im Rheinland koordiniert er auch fast eineinhalb Jahre nach der Katastrophe die Begleitung von Angehörigen, Opfern und Helfern.

Rund 450 von ihnen haben die Notfallseelsorger bei bislang sechs Treffen Raum zum Gespräch und zum Austausch gegeben. Dazu gehört auch immer wieder der Besuch am Unglücksort im Duisburger Tunnel, berichtet Rieske von den Begegnungen. Vor jener Treppe zum früheren Bahnwärterhäuschen, die am 24. Juli 2010 der letzte Ausweg schien und im Gedränge zur tödlichen Falle wurde, versuchen Eltern den Verlust ihrer Kinder zu verarbeiten.

„Die Schuldfrage steht dabei immer wieder im Raum“, gibt Rieske einen Einblick in die Gespräche. Die Angehörigen wollen wissen: „Wie konnte es sein, dass unsere Kinder, die zum Feiern nach Duisburg fahren wollten, nun tot sind?“ Darum sei die juristische Aufarbeitung besonders wichtig. Ministerpräsidentin Hannelore Kraft habe bei einem der Treffen Verständnis für das Vorgehen der Justiz geschaffen. Eher am Rande spiele die Frage der politischen Verantwortung und die Person von Oberbürgermeister Adolf Sauerland eine Rolle, erklärte der Seelsorger. Viele hätten aber „einfach resigniert, weil am Anfang nicht das Erwartete passiert ist“.

Im Zentrum steht die persönliche Betroffenheit. Rieske schilderte die erst kürzlich mögliche Begegnung der Mutter eines der Toten mit einem überlebenden Mann, der ihren Sohn habe sterben sehen. Dass beide Gruppen miteinander ins Gespräch kommen, sei ein sehr schwieriger Prozess, den die Notfallseelsorger nur moderieren können.

Die Treffen begleitet ein Team aus Seelsorgern, Trauma-Psychologen und Ärzten. „Viele Betroffene werden unkontrolliert von den Bildern eingeholt“, sagte Rieske. Rund 60 Menschen mit posttraumatischen Störungen betreuen er und sein Team. „Die Dunkelziffer ist sehr hoch.“ Zudem geben es zahlreiche traumatisierte Helfer. Bis Ende 2012 will die Notfallseelsorge noch eine Selbsthilfegruppe begleiten.

Der Unglücksort an der Duisburger Karl-Lehr-Straße bleibt erhalten. Der Investor, der auf dem ehemaligen Güterbahnhof-Areal zwei Möbelhäuser plant, gehe sehr verantwortungsvoll mit dem „Leid der Loveparade“ um, lobte Rieske. Er habe Entwürfe präsentiert, wie die Treppe und das davorliegende Pflaster bestehen bleiben können.

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