Hohe Belastung durch Jobs
Mo., 30.01.2012
Umfrage: Zwei Drittel der Studierenden überfordert
Mehr als 80 Prozent der Studenten in NRW klagen über übervolle Hörsäle und Seminare – 70 Prozent der Befragten sind trotzdem mit dem Studium zufrieden.
Düsseldorf - Die Zahl ist brisant: Mehr als zwei Drittel der Studierenden fühlen sich durch ein Vollzeitstudium mit 32 bis 39 Wochenstunden an der Hochschule überfordert. Die meisten – nämlich 41 Prozent – schaffen es nicht, weil sie nebenher Geld verdienen müssen. Und mit fortschreitender Semesterzahl gewinnen die Nebenjobs noch an Bedeutung. Dieses Bild zeichnet eine Online-Befragung des NRW-Wissenschaftsministeriums, an der fast 20 000 Studierende teilgenommen haben. Auch wenn die Ergebnisse nicht repräsentativ sind, wertete Ministerin Svenja Schulze die Befragung als großen Erfolg. Zumal 71 Prozent der Teilnehmer „im Großen und Ganzen zufrieden“ mit ihrem Studium sind.
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„Wir haben vorher noch nie alle Studierenden befragt“, sagte sie gestern bei Vorstellung der Erkenntnisse. Bezogen auf die fast 500 000 Studierenden haben zwar nicht einmal vier Prozent seit vergangenem Herbst das Portal „besserstudieren.nrw.de“ angeklickt, dennoch ist es laut Schulze die bundesweit erfolgreichste Online-Konsultation überhaupt.
Direkten Handlungsbedarf sieht Schulze bei der Finanzierung des Studiums und denkt dabei an eine Ausweitung von Teilzeitangeboten. Den größten Erkenntnisgewinn für die angestrebte Optimierung der Bachelor- und Masterstudiengänge wird die Ministerin aber aus den rund 14 000 Meinungsäußerungen ziehen können. Auch hier spielte die Arbeitsbelastung durch Vor- und Nachbereitung von Vorlesungen, Klausuren oder Praktika eine wesentliche Rolle. Viele Teilnehmer gaben an, dass sie so deutlich mehr als 40 Stunden pro Woche für ihr Studium aufwenden, erkennen zugleich aber die Notwendigkeit an.
Sehr kritisch bewerten die Studierenden in ihren Beiträgen das Raumangebot. 84 Prozent beklagten überfüllte Hörsäle und Seminarräume. Möglicherweise auch deshalb hält sich der Jubel über die gestrichenen Studiengebühren in Grenzen: Nur 43 Prozent stuften die Qualität der Lehre als unverändert hoch ein. Unzufrieden äußerten sich viele Teilnehmer zum Übergang vom Bachelor- zum Masterstudium.
Dass die Beteiligung der Studenten an der Befragung je nach Hochschulort unterschiedlich ausfiel – knapp 4000 in Köln und nicht einmal 400 in Münster, bewertete Oliver Märker als Leiter der Studie vorsichtig: „Es ist eine Betroffenheitsbeteiligung.“ Wobei die Befragung aus Datenschutzgründen keine Rückschlüsse auf einzelne Unis zulasse.
CDU-Fraktionsvize Klaus Kaiser warf der Ministerin vor, sie habe keine Vorstellung vom Alltag der Studierenden, Missstände erwähne sie nicht. „Frau Schulze redet sich die Wirklichkeit schön.“