Politischer Aschermittwoch
Do., 23.02.2012
Kraft trifft den Nerv der Genossen
Beschwingt und harmonisch geht es zu bei der NRW-SPD in Schwerte: Die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft in Bierlaune – und dazu die spielt die Dixieband auf der Bühne.
Schwerte -
So beschwingt klingt ein Heimspiel: „Oh When the Saints Go Marchin´ In“ swingen die „Pilspicker“ in bester Dixieland-Tradition, als Hannelore Kraft am Mittwochabend den proppevollen Festsaal in Schwerte betritt. Rund 750 Genossen empfangen die SPD-Landesvorsitzende und Ministerpräsidentin stehend mit herzlichem Applaus zum 20. Politischen Aschermittwoch des SPD-Bezirks Westliches Westfalen.
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War zuletzt viel über eine wachsende Distanz zwischen Regierungschefin und Basis diskutiert worden – jetzt ist die Partei stolz auf die Frau an ihrer Spitze.
Trotzdem beginnt Kraft ihre Rede eher eng am Konzept vor ihr auf dem Pult, spottet über die aufstrebende Narrenhochburg von Schwarz-Gelb in Berlin. Der Krach über einen neuen Bundespräsidenten offenbare den kritischen Zustand der Koalition und einer FDP, „die Klientel-Partei der kleinen Prozente“. Ihrem bayerischen Amtskollegen Horst Seehofer nimmt Kraft dessen Attacken auf den Länderfinanzausgleich und das Nehmerland NRW übel: „Wir haben dafür gesorgt, dass sich die Bayern neben der Lederhose überhaupt ein Laptop leisten können“, rückt sie das Bild zurecht.
Lautes Gelächter und tosender Applaus lösen Krafts Anspannung. Sie gelobt weiter Solidarität mit dem Osten, fordert jedoch: „Jetzt ist auch der Westen dran.“ Solche Sätze danken ihr die Zuhörer aus dem Ruhrgebiet, wo die Straßen in schlechterem Zustand sind als in den Ost-Kommunen. Die Parteichefin trifft den Nerv der Genossen, als sie den Kampf gegen Dumpinglöhne und für flächendeckende Mindestlöhne bekräftigt.
Und den Industriestandort NRW hochleben lässt. Dem Erhalt der Produktionsstätten widmet sich SPD-Fraktionschef Norbert Römer: „Das ist das dicke Pfund für unseren Wohlstand.“ Der Vorsitzende des gastgebenden SPD-Bezirks übernimmt die Attacke auf die Polit-Gegner, allen voran die CDU. „Sie findet gegen uns einfach kein Pack-Ende“, giftet Römer. Die SPD ist wieder an der Macht.
Und die CDU in der Opposition: „Da ist sie nun mal zu Hause, da gehört sie hin.“ Fraktionschef Karl-Josef Laumann falle durch Poltern auf, Parteichef Norbert Röttgen durch Abwesenheit. Fast schon akademisch spannt EU-Parlamentspräsident Martin Schulz den großen Bogen der Europapolitik über das Ruhrgebiet. Er wirbt für Griechenland-Hilfen, weil Deutschland so seine Märkte stabilisiere. „Das ist kein Akt karitativer Mildtätigkeit.“ Das Programmtische steht im Vordergrund. Triefender Spott, gesalzene Attacken auf die Konkurrenz – das Kerngeschäft beim Politischen Aschermittwoch kommt eher zu kurz. Parteispitze und Basis sind auf Tuchfühlung – auch ein Wohlfühlfaktor.