Sa., 28.01.2017

NRW-Bildungsministerin Löhrmann besucht Yad Vashem „Damit so etwas nie wieder passiert“

Der Moment, in dem man nur schweigen kann: Sylvia Löhrmann besucht während ihrer Reise nach Israel auch die Gedenkstätte Yad Vashem. Dabei legte die Delegation einen Kranz nieder. Anschließend sprachen die Schüler über ihre Eindrücke.

Der Moment, in dem man nur schweigen kann: Sylvia Löhrmann besucht während ihrer Reise nach Israel auch die Gedenkstätte Yad Vashem. Dabei legte die Delegation einen Kranz nieder. Anschließend sprachen die Schüler über ihre Eindrücke. Foto: Sepp Spiegl

Jerusalem - 

Erschüttert, nachdenklich, aufgewühlt. 16 Jugendliche aus dem Münsterland und Detmold waren mit NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann an der Holocaust-Gedenkstätte in Yad Vashem.

Von Hilmar Riemenschneider

Düster, bedrückend, unversöhnlich. Dies ist der Moment, dem sich keiner entziehen kann. Der Verstand schweigt hier im Mahnmal für die 1,5 Millionen von den Nazis ermordeten jüdischen Kinder. In einem fast dunklen, mit Spiegeln durchsetzten Raum erzeugen kleine Lichter ein Sternen-Universum, Sprecher verlesen die Namen, das Alter und die Herkunft der Kinder und Jugendlichen. Der unfassbar hohen Zahl von sechs Millionen ermordeten Juden Gesichter, Namen, konkrete Geschichte zu geben, ist das Ziel der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem.

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Es ist etwas anderes, als darüber im Unterricht zu hören, wenn man mit Überlebenden sprechen kann.

Arne Havers von der Realschule Sendenhorst

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Erschüttert, nachdenklich, aufgewühlt. 16 Jugendliche im Alter von 15 und 16 Jahren aus Detmold, Dülmen, Münster und Sendenhorst, die vier Tage gemeinsam mit israelischen Schülern aus Münsters Partnerstadt, Rishon le Zion, in Yad Vashem, aber auch in Jerusalem verbracht haben, müssen ihre Eindrücke erst noch verarbeiten. An diesem Wochenende sind sie mit schwerem Kopf und schwerem Herzen zurückgekehrt. Geschichte ist für sie greifbar geworden. „Es ist etwas anderes, als darüber im Unterricht zu hören, wenn man mit Überlebenden sprechen kann“, fasst es Arne Havers von der Realschule Sendenhorst in einem Bilanzgespräch mit NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann zusammen. Sie ist zum Gedenktag an die Opfer des Holocaust nach Yad Vashem eingeladen worden und trifft die Schüler kurz vor deren Rückreise. „Ihr seid jetzt Zweitzeugen“, gibt ihnen die Ministerin mit auf den Heimweg.

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Foto: Sepp Spiegl

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Das Erinnern hat kein Ende und darf es auch nicht haben.

Frank-Walter Steinmeier in einer Rede an seinem letzten Arbeitstag als Außenminister

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Auf den nehmen sie noch viel mehr mit. „Das war bewegend, jeden Tag hier hin- zukommen“, schildert es Clarissa Lührmann vom Grabbe-Gymnasium in Detmold. Es sei kein leichter Weg gewesen. Aber jeder Tag hat die Gruppe, die sich schon im Vorfeld über WhatsApp längst gefunden hatte, enger zusammengeschweißt. Sie haben gelernt, die Perspektive der Israelis zu verstehen, was es heißt, Jude zu sein. Dass sie keine Schuld trifft – aber Verantwortung. Und dass diese düstere Geschichte für beide Länder prägend bleibt. Philipp Bange, Schüler des Annette-von Droste-Hülshoff-Gymnasiums in Münster, findet mit Blick auf das Erstarken der Rechtspopulisten prägnante Worte: „Ich glaube, dass es Identitätsbildung ist, dass wir in Deutschland ganz klar wissen: Über diesen Punkt gehen wir kein zweites Mal drüber.“

Besuch in offizieller Mission

Sylvia Löhrmann besucht das Institut und die Gedenkstätte erstmals in offizieller Mission als Schulministerin. Seit 1998 bestehen enge Kontakte zwischen NRW und Yad Vashem. Zum Internationalen Gedenktag für die Opfer des Holocaust ist sie zur offiziellen Gedenkstunde mit Israels Premierminister Benjamin Netanjahu eingeladen. Im Namen der Landesregierung legt Löhrmann einen Kranz nieder, trägt sich ins Gästebuch ein. „Erinnern für die Zukunft“ bleibe die Aufgabe für die Schulen in NRW. In einem Grußwort beschreibt sie hoffnungsvoll: „Die Jugendlichen lernen, dass es einen Unterschied macht, was sie tun.“

Ähnlich beschreiben viele, was sie über die vielen dichten Erfahrungen hinaus beschäftigt. Nele Pöppelmann von der Hermann-Leeser-Realschule in Dülmen sagt: „Wir sind mit der Aufgabe raus gegangen, dass so etwas nie wieder passiert.“ Ihre Mitschülerin Dana-Fay Gerwin berichtet von Fünftklässlern, die gedankenlos den Hitler-Gruß auf dem Schulhof nachmachen: „Da werde ich noch viel lauter, wenn es um das Thema geht.“

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Foto: Sepp Spiegl

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Jede Schulklasse sollte mindestens einmal eine Gedenkstätte besuchen.

Josef Schuster, Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland

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Ziel erreicht, kann da Christoph Spieker, Leiter der Gedenkstätte Villa ten Hompel in Münster, bilanzieren. Er hat die Initiative zu dieser erstmals so in NRW organisierten Schülerreise ergriffen und mit der Bezirksregierung Münster schnell umgesetzt. Vier Schulen – alle pflegen eine Partnerschaft mit Yad Vashem – haben je vier Schüler ausgesucht. „Miteinander darüber zu sprechen, sich gegenseitig in den Arm zu nehmen – das war eine besondere Dimension dieser Reise“, sagt Spieker.

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Die, die Auschwitz überlebt haben, wollten in der Erinnerung ihrer Leiden nie Gegenstand von Gedenkfeiern sein: Sie hoffen, dass die Menschen verstehen, dass es um ihre Zukunft geht, wenn sie sich erinnern.

Der Exekutiv-Vizepräsident des Internationalen Auschwitz-Komitees

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Es dürfte kaum die letzte Reise gewesen sein. Nach einer Auswertung werde man natürlich über weitere solcher Projekte nachdenken, wenn sie sich ebenfalls über das Erasmus-Programm finanzieren lassen, kündigt Ulrike Schneider-Müller an. Sie verantwortet bei der Bezirksregierung für ganz NRW die Lehrerfortbildung „Erziehung nach Auschwitz“. Die zweiwöchige Einheit wird mit der International School for Holocaust Studies in Yad Vashem durchgeführt. Seit mindestes zehn Jahren gibt es ein solches Angebot auch für Lehramtsstudierende der RWTH Aachen, die die Schulministerin in Jerusalem ebenfalls trifft.

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