Mo., 04.03.2013

Debatte nimmt an Schärfe zu Immer mehr Pädagogen und Politiker zweifeln am Sinn des Sitzenbleibens

Debatte nimmt an Schärfe zu : Immer mehr Pädagogen und Politiker zweifeln am Sinn des Sitzenbleibens

Immer mehr Pädagogen und Politiker zweifeln am Sinn des Sitzenbleibens. Foto: dpa

Düsseldorf/Münster - 

Die Debatte um das grundsätzliche Abschaffen des Sitzenbleibens nimmt an Schärfe zu. Während die überwiegende Mehrheit von Wissenschaftlern das Wiederholen einer Klasse für pädagogisch überholt hält und das jetzt rot-grün regierte Bundesland Niedersachsen im Koalitionsvertrag vereinbart hat, die „Ehrenrunde“ abzuschaffen, bleibt Bayern bei seiner harten Haltung.

Von Dorle Neumann

Auch in NRW regt sich Widerstand gegen das Sitzenbleiben. „Das nette Wort Ehrenrunde verkennt, dass es für viele Kinder und Jugendliche wirklich eine Misserfolgserfahrung ist, die sich nicht unbedingt positiv auf die Lernmotivation auswirkt. Die Bindungen und Freundschaften in der alten Klasse müssen durch neue ersetzt werden“, sagt die Vorsitzende der einflussreichen Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Dorothea Schäfer, unserer Zeitung.

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„Das Wiederholen eines Schuljahres ist Verschwendung von Lebenszeit.“

NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann

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Nur in individuellen Fällen hält sie das Sitzenbleiben für sinnvoll, so zum Beispiel, wenn eine Schülerin oder ein Schüler länger krank war, sich „mit allem überfordert fühlt“ oder wenn aufgrund eines Umzugs ohnehin eine neue Klasse gesucht werden muss und es zu große Unterschiede zum Lernstand in der alten Klasse gebe. Negative Auswirkungen auf die Motivation der Kinder gerade durch das Signal des Sitzenbleibens fürchtet auch Andreas Engel von der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung.

In Nordrhein-Westfalen ist Sitzenbleiben grundsätzlich möglich, soll aber durch individuelle Förderung vermieden werden. NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne): „Das Wiederholen eines Schuljahres ist Verschwendung von Lebenszeit.“ Bayern hält dagegen weiter am Sitzenbleiben fest. „Man beraubt sich ohne Not eines pädagogischen Instruments, das den Schülern die Möglichkeit gibt, versäumtes nachzuholen“, meint Bayerns Kultusminister Ludwig ­Spaenle (CSU).  

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