Do., 06.11.2014

Angelika Cholewa fordert neue Debatte Den Generationen Sprache geben

Zum Umdenken und Verarbeiten will Angelika Cholewa anregen.

Zum Umdenken und Verarbeiten will Angelika Cholewa anregen. Foto: Cholewa

Naumburg - 

Immer dieselben Protagonisten auf den Podien, wenn es um die DDR und die Wiedervereinigung geht – Angelika Cholewa ist enttäuscht. Die 59-Jährige ist zum Beispiel entsetzt über eine Linkspartei, die einen Staat verharmlose, dessen Mitarbeiter sie als 16-Jährige zur Bespitzelung ihrer Mitschüler zwangen und sie mit Anfang 20 nach einem missglückten Fluchtversuch drei Jahre ins Gefängnis steckten.

Von Anne Koslowski

Eine weichgespülte öffentliche Debatte über den Alltag ostdeutscher Bürger, die nicht frei reden, denken und sich bewegen durften, sich bis heute misstrauen und als Ex-Bürger eines Verliererstaates minderwertig fühlen, kann die frühere Ingenieurin für Bekleidungstechnik nicht mehr ertragen.

Sie will ihre eigene Debatte führen, an die Wurzeln der Konflikte in ostdeutschen Familien gehen, deren Angehörige in die Fänge der Stasi gerieten – im Sinne unbelasteter Nachfolgegenerationen. „Traumata werden an bis zu sieben Generationen weitergegeben“, sagt die Naumburgerin. Anders als die 68er-Bewegung in der BRD hätten die Menschen in der DDR keine Plattform gehabt, ihre Kriegserfahrungen aufzuarbeiten. Stattdessen lebten sie entmündigt und gleichgemacht.

Sie selbst hat lange unter der emotionalen Kälte und Sprachlosigkeit in ihrer Familie gelitten, die sich bis heute gegenseitig Vorwürfe wegen der Eingriffe der Stasi in ihre Privatsphäre machen. „Die dritte Generation Ost hat das mitgelernt“, sagt die Kommunikations- und Persönlichkeitstrainerin. Es sei Zeit, die eigene Individualität zu entdecken, Ressourcen zu aktivieren und sich selbstbewusst in der Gesellschaft zu positionieren. Mit einem transgenerationalen Biografieprojekt in Naumburg will sie ihren Beitrag leisten.

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