So., 19.03.2017

Auf der Straße App hilft wohnungslosen Jugendlichen

Auf der Straße : App hilft wohnungslosen Jugendlichen

Die App Mokli soll Jugendlichen, die auf der Straße leben, helfen. Foto: dpa (Symbolbild)

Wo kann ich heute Nacht schlafen, wo umsonst eine warme Mahlzeit bekommen? An wen kann ich mich wenden, wenn ich Probleme habe? Diese Fragen beantwortet das neue Online-Angebot "Mokli". Es richtet sich an Jugendliche auf der Straße.

Von Jana Eisberg

Schlichtes Design in sanftem Türkis: Seit diesem Monat unterstützt das Online-Angebot "Mokli" junge Obdachlose in Not. Ausgehend von einem Menü mit sieben Punkten gelangt man zu einer interaktiven Deutschland-Karte. Die zeigt Jugendlichen, wo sie in ihrer Nähe das Wichtigste fürs Leben auf der Straße finden: gratis Snacks und Kaffee ebenso wie Schlafplätze und Suchtberatungsstellen. Bundesweit sind rund 3.000 Anlaufstellen verzeichnet.

Offizielle Zahlen, wie viele Menschen in Deutschland keine Wohnung haben, gibt es nicht. Nach Schätzungen der Arbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe leben jedoch knapp 30.000 Minderjährige auf der Straße.

"Handy als letzte Kontaktbrücke zu Freunden und Familie"

Mit Mokli will die Gruppe Momo, ein Zusammenschluss ehemaliger Straßenkinder, eine Lücke schließen. "Viele Jugendliche, die von zu Hause abhauen, kommen in der nächsten großen Stadt an und kennen niemanden", sagt André Neupert, Projektleiter von Momo Berlin. Früher seien sie auf Mundpropaganda angewiesen gewesen, um von Notschlafstellen und Ähnlichem zu erfahren. "Mit dem neuen Angebot haben sie gleich alles auf einen Blick."

Mokli gibt es als App und als Browser-Version, auf Deutsch, Englisch, Polnisch und Arabisch. Dass das Angebot nur online verfügbar ist, stellt dabei laut Neupert kein Problem dar. Man könne davon ausgehen, dass alle jungen Menschen ein Telefon haben, auch die auf der Straße. "Für viele von ihnen ist das Handy die letzte Kontaktbrücke zu Freunden und Familie."

Mokli in Münster

Auch in Münster markiert die App einige Anlaufstellen. So nennt sie in der Kategorie Essen neben einigen Tafeln im Münsteraner Umkreis auch zwei Bistros in der Innenstadt. Diese bieten zwar keine kostenlosen Mahlzeiten, beteiligen sich aber an der Aktion "aufgeschobener Kaffee".  Gäste zahlen dabei einen reduzierten Kaffeepreis, trinken das Getränk aber nicht selbst, sondern lassen es sich "aufschieben". Menschen, die darauf angewiesen sind, können einen solchen Kaffee dann später umsonst trinken. "Zu Beginn der Aktion vor über einem Jahr haben viele Leute Bereitschaft gezeigt, einen aufgeschobenen Kaffee zu bezahlen", sagt Mischa Khorchidi, Betreiber des SpecOps network - eines der zwei teilnehmenden Cafés in Münster. "Aber nur relativ wenige haben einen bestellt. Ich freue mich, wenn die Aktion mehr Aufmerksamkeit bekommt."

Auch in den Kategorien Beratung und Hygiene finden sich einige auf Münster bezogene Einträge. Beratung für Jungen etwa bietet der Verein Zartbitter, eine generelle Anlaufstelle für Obdachlose ist die Münsteraner Bahnhofsmission. Spritzen verteilen die verschiedenen Aidshilfen der Region sowie der Verein Indro, der ebenfalls Drogenarbeit betreibt. Andere Einträge für Münster und die nähere Umgebung sind jedoch noch dünn gesät. So liegen die nächsten eingetragenen Ärzte, Schlafstätten und mobilen Duschen in in Osnabrück und Bielefeld.

Wo die Reise hingeht...

"Es ist auf jeden Fall unser Ziel, die App weiter auszubauen", sagt André Neupert von Momo. Auch andere europäische Länder hätten Interesse bekundet. Bis dahin werde es wohl aber noch etwas dauern.

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