Di., 11.04.2017

United Airlines Fluggast rausgeworfen, Shitstorm geerntet

United Airlines : Fluggast rausgeworfen, Shitstorm geerntet

Das Video von einem Passagier, der aus einem Flugzeug geschleift wird, erregt die Gemüter im Netz. Foto: dpa

Diese Geschichte erregt das Netz: US-Fluggesellschaft United Airlines überbucht einen Inlandsflug, ein Passagier wird vom Sicherheitsdienst brutal aus dem Flugzeug geschleift. Das Video von dem Vorfall führt zu einem enormen Shitstorm.

Von Gesa Wannick

Per Zufall wurden am Sonntag vier Passagiere des überbuchten Fluges 3411 von Chicago nach Lousville (Kentucky) ausgewählt, um die Maschine zu verlassen. Ein Arzt nahm dieses „Angebot“ nicht an, da Patienten in Louisville auf ihn warten würden. Brutal griff der Sicherheitsdienst sowie ein Flughafenpolizist ein und beförderte den Mann gewaltsam aus dem Flugzeug. Unter Geschrei wurde er von seinem Sitz und an Händen und Füßen aus der Vordertür des Flugzeugs geschleift. Dabei verletzte er sich im Gesicht. Ein verbliebener Passagier filmte die Situation mit seinem Handy und stellt das Video online. Fassungslos über das Vorgehen reagierten die anderen Passagiere und nun auch die User im Netz. 

Überbuchte Inlandsflüge gehören in den USA zum Alltag. Zahlreiche Fluggesellschaften rechnen damit, dass Passagiere ihren Flug nicht antreten und überbuchen ihre Maschinen. Allein im vergangenen Jahr konnten fast eine halbe Million Menschen nicht fliegen, obwohl sie ein gültiges Flugticket hatten.

Überbuchungen

Schon seit Jahrzehnten werden Flüge überbucht. Das hat zuweilen zu skurrilen Vorkommnissen geführt. Eine Auswahl:

Der Biss: Weil mehrere Mitglieder einer Band wegen Überbuchung ihren Heimflug von Turin nach Neapel im September 2006 verpassen, beißt ein 41-Jähriger einem Angestellten der italienischen Linie Alitalia das Ohrläppchen ab. Nach Medienberichten kam es zu einer Schlägerei, weil sich der Mitarbeiter auch abschätzig über Neapel geäußert hatte. Das Ohrläppchen wird später wieder angenäht.

Der Wettlauf: Ein Inlandsflug in Nigeria ist 1985 dreifach und damit völlig überbucht. Nach Angaben eines Augenzeugen müssen die Passagiere auf Anordnung einer lokalen Flughafenbehörde zweimal um die Maschine rennen, um sich für einen Platz auf dem Flug in die heutige Hauptstadt Abuja zu qualifizieren.

Das Chaos: Zu Beginn der hessischen Herbstferien kommt es im Oktober 1997 wegen Überbuchungen zu heftigen Auseinandersetzungen auf den Flughäfen Frankfurt und München. Unter der Überschrift „„Chaostage“ bei der Lufthansa“ schreibt die „Süddeutsche Zeitung“, dass genervte Passagiere Mitarbeiter verprügelt hätten. Laut Lufthansa sind an einem Wochenende in Frankfurt 300 Fluggäste von Überbuchung betroffen. Das Unternehmen bezeichnet sie als bedauerliche Einzelfälle.

Auch der Flug 3411 der US-Fluggesellschaft United Airlines von Chicago nach Louisville war am 9. April mit vier Passagieren überbelegt. Bis zu 800 Dollar und eine kostenlose Hotelübernachtung wurden den Passagieren angeboten. Doch da sich kein Freiwilliger meldete, ermittelte ein Computer per Zufall vier Passagiere, die in Chicago bleiben mussten. Unter anderem den Arzt aus Chicago, der sich weigerte und gewaltsam aus dem Flugzeug entfernt wurde.

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Die User im Netz setzen die United Airline nun stark unter Druck. So beschließen zahlreiche Nutzer, die Fluggesellschaft zukünftig zu meiden oder auf andere Airlines auszuweichen. Außerdem wird Entsetzen über das brutale Vorgehen des Sicherheitsdienstes geäußert. Der Passagier mit zunächst unauffälligen Verhalten wird mit Gewalt und gegen seinen Willen aus dem Flugzeug gezerrt und gedemütigt.  Für viele ist nicht nachvollziehbar, warum so hart durchgegriffen wurde.

Grund für die Überbuchung der Maschine waren interne Engpässe von United Airlines. Die vier Plätze wurden für Mitglieder der United-Crew benötigt, die am nächsten Morgen einen Folgeflug von Louisville antreten sollten. Auch dies stößt auf Unverständnis im Netz.

So stellen viele die Vorgehensweise von überbuchten Flugzeugen in Frage. Denn ein bezahltes Flugticket ist noch lange keine Garantie dafür, dass der Flug auch angetreten wird.   

Der Vorstandsvorsitzende von United Airlines, Oscar Munoz, entschuldigte sich offiziell am kommenden Tag für das Vorgehen und verspaich, den Vorfall detailliert im Unternehmen aufzuarbeiten. Die Fluggesellschaft werde sich an den Betroffenen werden, um den Vorfall zu klären und die Situation zu entschärfen.  

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