Di., 31.03.2015

Carsharing im Test Pack die Badehose ein

Einmal in der Woche fahren WN-Mobilitätstest-Teilnehmerin Susanne Goerlich (rechts) und ihre Schwester Julia zum Schwimmen nach Senden – diesmal mit dem Stadtteilauto.  

Einmal in der Woche fahren WN-Mobilitätstest-Teilnehmerin Susanne Goerlich (rechts) und ihre Schwester Julia zum Schwimmen nach Senden – diesmal mit dem Stadtteilauto.   Foto: Anne Koslowski

Münster - 

Als eine von fünf Teilnehmerinnen am WN-Mobilitätstest hat Susanne Goerlich aus Münster vier Wochen lang einen Carsharing-Anbieter getestet. Auf einer Fahrt zum Schwimmen nach Senden hat sie erzählt, wie ihr Urteil über das gemeinschaftliche Nutzen von Fahrzeugen ausfällt.

Von Anne Koslowski

Demnächst hat Susanne Goerlichs Schwiegermutter in spe in Laer Geburtstag. Für die Münsteranerin ohne Auto „sind die Busverbindungen zwar annehmbar“, aber gerade abends „schwierig, weil man nicht mehr eben so wieder zurückkommt“. In solchen Fällen leihen sich die Teilnehmerin am WN-Leser-Mobilitätstest und ihr Freund einen Wagen von den Eltern aus, um zurück ins Kreuzviertel zu fahren. „Wir nutzen das Auto nur für Fahrten, die mit dem Bus zu umständlich sind“, sagt die 29-Jährige. Im Rahmen des Mobilitäts-Check konnte sie vier Wochen lang den münsterischen Carsharing-Anbieter Stadtteilauto testen.



Wenn die junge Frau einmal pro Woche zum Volleyballtraining nach Bösensell möchte, fährt sie normalerweise bei einer Teamspielerin mit. Zum wöchentlichen Schwimmen mit der Schwester in Senden steigt sie in den Schnellbus. „Und sonst borgen wir uns ein Auto bei den Eltern oder Freunden. Das war bisher unkompliziert.“

Susanne Goerlichs Fahrverhalten ist somit prädestiniert für das Carsharing. Sie fährt weniger als 12 000 Kilometer im Jahr und benötigt einen Wagen nur ergänzend zu anderen Verkehrsmitteln. „Typische Carsharing-Wege sind unter der Woche zum Einkaufen oder am Wochenende zur Tante oder Ikea“, sagt Till Ammann, Geschäftsführer von Stadtteilauto.

Das Unternehmen entstand 1998 aus dem Verein Verkehrswende, lange bevor sich die Ökonomie des Teilens zum Megatrend entwickelte. Rund eine Million Bundesbürger setzen nach einer Studie des TÜV Rheinland derzeit auf Carsharing. Im Jahr 2020 wird mit drei Mal so vielen gerechnet – Hochrechnungen, mit denen auch das Unternehmen Stadtteilauto kalkuliert, das an 45 Standorten im Münsterland seine Fahrzeuge anbietet. Susanne Goer­lich hatte in den vergangenen vier Wochen 400 Freikilometer. Die waren schnell verfahren. Erst wurde ihre Volleyball-Freundin krank. „Da konnte ich trotzdem zum Training, da ich ein Auto hatte.“ Dann meldete sie sich freiwillig, für ein Fotoshooting zum 50-jährigen Bestehen ihres Vereins SV Bösensell Wasserkästen und Lebensmittel zu besorgen. „Das hätte ich ohne Stadtteilauto natürlich nicht angeboten.“

Wer mit dem Carsharing liebäugelt, sollte vorher durchrechnen, mit welchem Verkehrsmittel er am günstigsten fährt. Till Ammann rechnet ein Beispiel vor: Möchten Susanne Goerlich und ihr Freund übers Wochenende von Samstag 13 Uhr bis Sonntag 13 Uhr nach Bochum (150 Kilometer hin und zurück) fahren, dann würde sie das 33,50 Euro inklusive Sprit kosten. Ein NRW-Gruppen-Ticket (bis fünf Personen) mit der Bahn würde 42 Euro kosten.

Auch mit dem Stadtteilauto zum Schwimmen nach Senden fahren ist für Susanne Goerlich und ihre Schwester Julia günstiger – wenn man nur den Zeit- und Kilometertarif zugrunde legt. Die Aufnahmegebühr von 150 Euro und die Sicherheitsgebühr von monatlich 8,50 Euro sind da nicht mit eingerechnet.

Mit einer berührungslosen Chipkarte „schließt“ sie einen kleinen VW Up an der Frontscheibe auf, den sie zuvor online für eine bestimmte Anzahl von Stunden reserviert hat. Im Handschuhfach liegt der Wagenschlüssel bereit, den der Vorgänger dort zurückgelassen hat. In einen Bordcomputer gibt die junge Frau eine PIN ein und schaltet den Wagen damit frei. Rucksack und einen Korb im Kofferraum startet sie in Richtung Scharnhorststraße, um ihre Schwester abzuholen. Über die Autobahn geht es in 20 Minuten zum Cabrio-Bad. „Dort haben wir schon schwimmen gelernt.“

Mit der kleinstmöglichen Wagenklasse „Mini“ fahren die beiden an einem Donnerstagnachmittag für 1,70 Euro pro Stunde. Hinzu kommen 0,23 Euro pro Kilometer inklusive Sprit. Bei drei Stunden (5,10 Euro) und 40 Kilometern (9,20 Euro) kostet sie der Badeausflug 14,30 Euro. Für den Schnellbus hätten die Münsteranerinnen je 8,50 Euro (Tagesticket) bezahlt. Das sind 2,70 Euro Differenz.

Dennoch kommt Susanne Goerlich zu dem Schluss: „Wirklich brauchen wir ein Auto nicht.“ Auch wenn alles unkompliziert lief, sie sich bei ihren Freunden und Familienmitgliedern fürs Mitnehmen revanchieren konnte und es insgesamt „nett“ sei, wird sie sich erst einmal nicht fürs Car-sharing entscheiden. „Dafür haben wir zu viele Leute, die uns ein Auto leihen können.“ 

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