„Vereinswechsel war Hochverrat“
Beim VHS-Erzählsalon berichten Ahlener Urgesteine über die Entwicklung des Ahlener Fußballs

Ahlen -

Der sechste VHS-Erzählsalon zeigte sich im alten Ratssaal am Montagabend von seiner sportlichen Seite. Moderatorin Lisa Voß-Loermann hatte Werner Fechner-Dildrop, Franz Kimmeyer Herbert Rüsing, Hermann Vienhues und Joachim „Natz“ Wrobel um sich versammelt, um in der Ahlener Fußballgeschichte von 1906 bis hin in die 1990er Jahre zu stöbern.

Dienstag, 15.10.2013, 17:10 Uhr

Uwe Schnafel von der VHS, „Natz“ Wrobel, Werner Fechner-Dildrop, Moderatorin Lisa Voß-Loermann, Herbert Rüsing, Hermann Vienhues (v. l.) zeigen sich mit einer Collage von Franz Kimmeyer (rechts) aus erfolgreichen ASV-Zeiten.
Uwe Schnafel von der VHS, „Natz“ Wrobel, Werner Fechner-Dildrop, Moderatorin Lisa Voß-Loermann, Herbert Rüsing, Hermann Vienhues (v. l.) zeigen sich mit einer Collage von Franz Kimmeyer (rechts) aus erfolgreichen ASV-Zeiten. Foto: Ralf Steinhorst

Den Einstieg durften Werner Fechner-Dildrop, Herbert Rüsing und Hermann Vienhues wagen, die als Betreuer des Ahlener Sportarchivs besonders gute Einblicke in die örtliche Fußballhistorie haben. Als erste Vereine gründete sich der Spiel- und Sportverein Ahlen (SSA) im Jahr 1905 und der Ballsportverein Westfalia Ahlen (BWA) 1906. Der SSA vereinigte dabei die Fußballer jenseits der Bahn, so das der BWA Heimat für Kicker diesseits der Bahn wurde. 1920 folgten die DJK Alte Pfarre, die spätere DJK Vorwärts und Wacker Ahlen.

Bis 1933 wurde die Fußballszene bunter, weitere Vereine gründeten sich. Mit der Machtübernahme der Nazis wurde es für die Vereine schwierig, im Zuge der Gleichschaltung sollte ein Großverein entstehen. Dass es letztlich nicht dazu kam, lag am Ausbruch des Zweiten Weltkriegs . Im Krieg aber bildete sich dann aber die Kriegsspielgemeinschaft, schließlich herrschte Spielerarmut, weil die Fußballer sich zum Großteil im militärischen Dienst an der Front befanden.

Mit TuS Ahlen erlebte nach dem Krieg der erste Verein im Jahr 1945 seine Geburtsstunde. Es war ein Zusammenschluss aus acht Vereinen. 1946 folgte die Neugründung von Wacker, 1951 die Neugründung der DJK Vorwärts Ahlen, nachdem ehemalige Vorwärtsler zunächst bei Wacker Unterschlupf gefunden hatten.

Wobei die DJK Vorwärts als katholischer Verein seine ganz individuelle Geschichte hatte, dort durften nur Katholiken spielen. „Das wurde sehr streng gehalten“, erinnerte sich Vorwärts-Urgestein Hermann Vienhues. Hinzu kam, dass der Verein im katholischen Sportverband angesiedelt war, alle anderen Clubs aber im Westdeutschen Landesverband. So waren den Vorwärtslern Ortsderbys fremd, sie spielten nur gegen katholische auswärtige Teams.

Herbert Rüsing kannte diese Zeit vor allem aus der Sicht als Schiedsrichter. Der spätere Sportchef der Ahlener Volkszeitung, der heutigen Ahlener Zeitung, pfiff sogar ein Jugend-Länderspiel. „Ich musste laufen, laufen, laufen“, erinnerte er sich lächelnd an seine Aufgabe.

Er gab Einblicke in die Entwicklungen des Regelwerks, Auswechslungen, Gelbe und Rote Karten wurden erst in den 1960er Jahren eingeführt. Den roten Karton sah Joachim „Natz“ Wrobel als Spieler von Blau-Weiß und TuS 15 Mal in seiner Karriere und hängte dann die Fußballstiefel an den Nagel. „Die Schiedsrichter mochten mich nicht“, betonte er achselzuckend. Die 16. Rote blieb ihm trotzdem nicht erspart, als er aus Personalnot dann doch noch einmal bei Blau-Weiß auflief. „Sobald Natz ein Trikot anhatte, hatte er ein Brett vorm Kopp“, kommentierte Altschiedsrichter Herbert Rüsing diesen Umstand amüsiert.

Soweit brauchte Franz Kimmeyer nicht zählen, nur eine Hinausstellung musste er als ASVer hinnehmen. Er erzählte vom Zusammenschluss von Wacker und Westfalia, die 1970 den Ahlener Sportverein (ASV) gründeten. Damit begann eine goldene Zeit für den ASV, der sogar einmal ans Tor der Zweiten Liga anklopfte.

„Finanziell war das aber gar nicht machbar“, beschrieb Franz Kimmeyer die damalige Lage, in der so mancher ASV-Verantwortliche wohl zitterte, es möge soweit doch bitte nicht kommen. In den 1980er Jahren folgte der Versuch einer Fusion von ASV und TuS, Animositäten verhinderten diese aber.

Dass die Rivalität groß war unter den Ahlener Vereinen, strichen alle Gesprächsteilnehmer heraus. Schon Tage vor den Derbys wurde die Stimmung angeheizt. Dazu passte dann eine Aussage von Franz Kimmeyer: „Ein Vereinswechsel zählte schon zum Hochverrat“.

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