Tennis: Rechtsstreit
Ein Streit ums Prinzip : TC Drensteinfurt strebt Klage um nicht geleistete Arbeit an

Drensteinfurt -

Im Tennissport ist es üblich, Arbeitsstunden bei seinem Verein abzuleisten. Geschieht dies nicht, werden in der Regel Beiträge fällig. Üblicherweise lagern die Clubs die Modalitäten in entsprechende Beitragsordnungen aus – aber auch in der Satzung sollten sie die Arbeitsstunden verankern. Wie ein Gerichtsurteil des Amtsgerichtes Ahlen nun zeigt...

Donnerstag, 15.02.2018, 05:02 Uhr

So idyllisch wie in dieser Szene ging es zuletzt beim TCD nicht zu: Der Verein verklagte ein Mitglied auf die Zahlung offener Abgeltungsbeträge für nichterbrachte Arbeitsleistungen – und verlor.
So idyllisch wie in dieser Szene ging es zuletzt beim TCD nicht zu: Der Verein verklagte ein Mitglied auf die Zahlung offener Abgeltungsbeträge für nichterbrachte Arbeitsleistungen – und verlor. Foto: Ulrich Schaper

Die Lage im Vereinssport ist zunächst einfach: man entscheidet sich für eine Mitgliedschaft, zahlt einen zuvor vereinbarten Beitrag und nutzt die entsprechenden Angebote. Im Tennissport gibt es noch eine kleine Besonderheit: Hier wird von den Mitgliedern in der Regel erwartet, dass sie sich in Form von Arbeitsstunden einbringen; das können Thekendienste, Gartenarbeiten oder Hilfe beim frühjährlichen Instandsetzen der Platzanlage sein.

Besonderheit im Tennis: Arbeitsstunden

Um eben genau die Ableistung, oder besser Nicht ableistung, dieser Arbeitsstunden hatte sich im vergangenen Jahr ein Rechtsstreit entbrannt, bei dem der TC Drensteinfurt einen minderjährigen Schüler verklagt hat. Dieser hatte im Jahr 2016 weder die Arbeitsstunden abgeleistet, noch den in solchen Fällen zu zahlenden Beitrag entrichtet. Der Verein sah darin ein Verstoß gegen die Satzung bzw. Beitragsordnung und zog vor Gericht. Der Schüler und dessen Eltern erwiderten die Klage und verlangten die Rückzahlung der Beiträge für den Zeitraum der Mitgliedschaft (2009 bis 2017).

Die Höhe der Beiträge für Mitglieder bis 18 Jahre beläuft sich auf 50 Euro jährlich. Männliche Mitglieder müssen zudem laut Beitragsordnung sechs Arbeitsstunden pro Jahr leisten; andernfalls wird pro nicht geleistete Stunde ein Betrag von 13 Euro fällig.

Das Amtsgericht Ahlen, das diesen Fall im Dezember verhandelt hat (wir berichteten), hat in seinem Urteil beide Klagen abgewiesen.

Beide Klagen abgewiesen

Die Mitgliedschaft des jungen Sportlers war wirksam, die Rückforderung der seit 2009 geleisteten Beiträge somit hinfällig. Die vom Verein beanspruchten Beiträge für nichterbrachte Arbeitsleistungen gleichwohl wurden ebenfalls abschlägig behandelt. Das Urteil dürfte für viele Tennis-Vereine in der Region interessant sein: Das Gericht begründete das Urteil mit einer unwirksamen Vereinssatzung. So war die Satzung des Drensteinfurter Tennisclubs nicht bestimmt genug, um einen Anspruch zur Abgeltung der nicht erbrachten Eigenleistungen zu begründen. Zwar verweist der Verein in seiner Satzung allgemein auf die geltende Beitragsordnung – die nicht Teil der Satzung ist – spezifiziert aber nicht ausreichend die Handhabe der Arbeitsstunden. Demnach lässt sich der Vereinssatzung weder entnehmen, dass jährliche Eigenleistungen zu erbringen sind noch, dass bei Nichtleistung eine Abgeltungsmöglichkeit besteht.

Richter empfiehlt außergerichtliche Einigung

Der Vorsitzende Richter hatte bereits vor der Urteilsverkündung angedeutet, dass er das Anliegen des Vereins abschlägig beurteilen würde – und ermunterte die Parteien dazu, sich zu einigen. Der Verein aber bestand auf das Urteil. „Wir brauchten für unsere Mitglieder Rechtssicherheit“, sagte TCD-Geschäftsführer Gerhard Herrmann, der den Verein vor Gericht vertreten hat. Er nahm das Urteil nüchtern zur Kenntnis: „Wir müssen die Punkte, die vom Gericht benannt wurden, jetzt umsetzen. Das ist von uns ja so gewollt.“

Grundsätzlich möchte er die Arbeitsstunden bzw. die Abgeltungszahlung nicht in Frage stellen: „Wir als Verein sind auf diese Art der Unterstützung durch unsere Mitglieder angewiesen. Es fördert ja auch ein Stück weit das Gemeinschaftsgefühl. Jugendliche zwischen 16 und 18 Jahren müssen drei Stunden leisten, ab 18 Jahren sind es sechs Stunden – ich halte das nicht für zu viel.“ Man achte außerdem darauf, dass bei Vergabe der Aufgaben auf die körperliche Leistungsfähigkeit geachtet wird. „Natürlich müssen weibliche Jugendliche keine schweren Arbeiten verrichten.“ Herrmann fasst den Urteilsspruch äußerst positiv auf. „Wir haben Rechtssicherheit im Hinblick auf unsere Satzung und die finanziell weitaus bedeutendere Widerklage der Gegenseite wurde abgewiesen.“

Sympathie für Unterstützung des Vereinswesens

Wie zu erwarten, beurteilt der Vater des jugendlichen Mitglieds, das Ende 2016 den Verein verlassen hat, die Sachlage anders. „Es hätte grundsätzlich gar nicht zu dieser Klage kommen müssen.“ Sein Sohn sei seit 2009 Mitglied im Verein, habe diesen Sport aber schon seit 2010 nicht mehr aktiv ausgeübt.

„Wenn jetzt nicht die Forderung des Vereins gekommen wäre, hätten wir die jährlichen Mitgliedsbeiträge wahrscheinlich noch auf Jahre hinaus bezahlt, ohne es zu merken.“ Es habe durchaus eine Sympathie für eine Unterstützung des Vereinswesens bestanden, die mit der Klageerhebung natürlich erlosch.

Er beklagte zudem die unrühmliche Art und Weise, wie in dieser Sache miteinander umgegangen worden sei.

Der Verein erarbeitet nun mit juristischer Hilfe eine modifizierte Satzung, die den Mitgliedern auf der Versammlung am 2. März vorgelegt werden und verabschiedet werden soll.

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