Handball: Umfrage
„Das Ganze verkommt zur Farce“ – EHF wegen Champions-League-Ansetzung in der Kritik

Am Wochenende treten die Rhein-Neckar-Löwen in der Königsklasse mit ihrer Reservemannschaft an. Ein Witz, so die einhellige Meinung der hiesigen Fachleute.

Donnerstag, 22.03.2018, 18:03 Uhr

Lachhaft: Löwen-Manager Oliver Roggisch.
Lachhaft: Löwen-Manager Oliver Roggisch. Foto: dpa

Eskalation im Terminstreit zwischen dem deutschen Handballbund (DHB) und dem europäischen Verband (EHF): Die Rhein-Neckar-Löwen schicken aufgrund der Kollision zwischen Bundesliga und Champions League ihre zweite Mannschaft zum Achtelfinal-Hinspiel in der Königsklasse nach Kielce. Die WN haben hiesige Experten um eine Bewertung dieses Vorgangs gebeten – und wie dieser Konflikt zu lösen sei.

Thomas Hammerschmidt (ASV Senden, Trainer B-Jugend): Dass die Spieler der zweiten Mannschaft nicht konkurrenzfähig sind, liegt auf der Hand. Das Ganze verkommt zu einer Farce. Beim wichtigsten Klubwettbewerb spottet das jeder Beschreibung. Auch ist es eine Katastrophe für die Öffentlichkeitsdarstellung. Auf dem Rücken der Spieler wird ein Konflikt der Verbände ausgetragen. DHB und EHF werden sich zusammenraufen müssen – wann und wo, dafür fehlt mir die Fantasie.

Jochen Jungblut (ASV Senden, Abteilungsleiter): Der Konflikt kommt zustande, weil sich die EHF gegen nationale Spielstrukturen sperrt. Es geht um Machtfragen, die EHF lässt die Muskeln spielen. Die Rhein-Neckar Löwen haben vernünftig entschieden, sie legen ihre Präferenzen auf den nationalen Sektor. Auf Dauer kann die EHF nur verlieren. Auf kurze Sicht wird es keine Änderung geben, andere Länder bestehen aus finanziellen Gründen auf viele internationale Spiele. Der DHB hat bei der EHF kaum Einfluss.

Kate Mühlenbäumer (HSG Ascheberg/Drensteinfurt, Abteilungsvorsitzende): Kommunikation wäre wie überall die Lösung, aber die EHF müsste sich bewegen. Ich glaube, dass der DHB da schlechte Karten hat, denn die EHF ist fast schon arrogant und lässt sich nicht reinquatschen. Ich kann auch die Rhein-Neckar-Löwen, für die die Bundesliga Priorität hat, verstehen. Vielleicht wäre es einfacher, auf nationaler Ebene Spiele umzulegen.

Volker Hollenberg (HSG Ascheberg/Drensteinfurt, Trainer Herren): In sportlicher wie organisatorischer Hinsicht gibt es nur Verlierer. Es kann nicht sein, dass eine Drittligamannschaft in der Champions League spielt. Das ist Säbelrasseln, keiner will nachgeben, es ist unnötig wie ein Kropf. Die EHF hat anders als zuvor eine Verlegung auf Sonntag untersagt. Das passt alles nicht zusammen, beide Seiten bocken. So kann man den Handball auch kaputt machen.

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