Mo., 18.03.2013

Polit-Krieg im Fanblock Aachener Hooligans beschäftigen die Polizei bundesweit

Aachener Hooligans werden am Samstag während des Spiels gegen Preußen Münster festgenommen. Am Montag präsentierte Einsatzleiter Wilfried Kramer in Münster die sichergestellte Pyrotechnik aus den beiden „Hooligan-Bussen“ (links).

Aachener Hooligans werden am Samstag während des Spiels gegen Preußen Münster festgenommen. Am Montag präsentierte Einsatzleiter Wilfried Kramer in Münster die sichergestellte Pyrotechnik aus den beiden „Hooligan-Bussen“ (links). Foto: Jürgen Peperhowe, Oliver Werner

Aachen/Münster - 

Zum Abschied gab es noch einmal eine politische Demonstration. Am Samstag, 12. Januar 2013, läuft die 60. Minute des Mittelrhein-Pokalspiels zwischen Alemannia Aachen und Viktoria Köln, als die antifaschistisch und antirassistisch ausgerichteten „Aachen Ultras“ (ACU) ihr letztes Lied anstimmen und danach nur noch Spruchbänder hochhalten. „Nazis am Tivoli? Nie gesehen“ steht da zum Beispiel drauf.

Dass die Verantwortlichen des finanziell ums Überleben kämpfenden Aachener Traditionsklubs auf dem rechten Auge blind seien oder zumindest zu wenig gegen Neonazis unter den schwarz-gelben Fans unternähmen, kritisierten die eher linksgerichteten „ Aachen Ultras“ schon häufiger. Aus ihrer Sicht geschah dagegen zu wenig. Und deshalb kündigten sie vor zwei Monaten an, als Gruppe vorerst keine Spiele der Alemannia in der dritten Fußball-Liga mehr zu besuchen. Man fühle sich vom Verein im Stich gelassen und sei „bitter enttäuscht, dass die Mehrheit der Alemannia-Fanszene das Problem der Präsenz von Rechten auf dem Tivoli bis heute nicht begreifen kann oder will“, erklärte ein Sprecher der Gruppe damals gegenüber der „Aachener Zeitung“.

Immer wieder brutale Schlägereien im oder rund um Stadien in der ganzen Bundesrepublik, Überfälle auf Fans anderer Mannschaften, Schlägereien – auch am Samstag (16. März) zeigten Hunderte Fans aus Aachen einmal mehr das hässliche Gesicht des Fußballs. 20 Verletzte, darunter drei Polizisten und zwei Ordner, war die traurige Bilanz am Ende des Spieltags. Schlimmeres verhinderte die münsterische Polizei , als sie zwei so genannte Hooligan-Busse aus Aachen in Münster erst stoppte, dann durchsuchte und schließlich wieder nach Aachen zurückschickte. In den Bussen waren die Beamten fündig geworden: Sie stellten unter anderem Bengalos und Raketen, illegale Polen-Böller und Quarzsandhandschuhe sicher. Am Montag (18. März) präsentierte die Polizei ihre Fundstücke. Einsatzleiter Wilfried Kramer erklärte, dass sich die Szene vor allem über das Internet mit verbotener Pyrotechnik eingedeckt habe.

Längst kein Phänomen mehr, das auf den Fußball beschränkt ist. In Frankfurt, Hamburg, Dresden und auch in kleineren Fußball-Städten wie Mannheim und Halle prügeln sich Hooligans fast wöchentlich, unterwandern politische Fanatiker vor allem vom rechten Spektrum die einschlägigen Szenen. Besonders krass sind aber die Zustände in Aachen: Dort bekriegen sich rechte und linke Fangruppen schon seit Jahren, liefern sich bei Drittligaspielen in Stuttgart oder auf Rastplätzen in Pforzheim blutige Schlägereien, zeigen verbotene Fahnen. Im Fokus dort ist fast immer die teilweise rechtsradikal unterwanderte Gruppierung „Karlsbande Ultras“ (KBU).

Auch Aachens Polizeidirektor Christian Außem , der als Einsatzleiter am Stadion bestens mit den Problemen vertraut ist, sieht in dem Konflikt zwischen linken und rechten Ultras auch einen politischen Hintergrund. Die Bewältigung des Problems könne nicht alleine Aufgabe der Polizei sein, denn: „Das sind Vereinsfans, keine Polizeifans.“ Und ganz nebenbei könnte auch die Kommunikation zwischen dem Verein Alemannia Aachen und der Polizei „etwas besser“ sein, kritisiert der Einsatzleiter.

Doch Außem sieht nicht nur den Verein in der Pflicht, sondern auch die Stadt und die Politik. „Wir müssen insgesamt die kommunale Jugendarbeit verstärken, denn die kümmert sich kaum um den Fußballbereich.“ Eine Aussage, die nicht nur für Aachen gilt, aber angesichts leerer Kassen der Städte kaum Chancen auf Realisierung hat.

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