Tischtennis-Verbandsliga
Die Geschichte vom „Rothe-Schupf“

Greven -

Die DJK Blau-Weiß Greven sorgt in der Verbandsliga für die Überraschung des Spieltages und ringt Tabellenführer TTC Münster einen Punkt ab. Doch damit nicht genug. Einer, für den die Saison bislang so gar nicht rund läuft, wird zum Matchwinner. Und sorgt dafür, dass sich die Grevener mit einem Paukenschlag in die Winterpause verabschieden.

Sonntag, 03.12.2017, 18:12 Uhr

Was für ein Drehbuch: Das Kräftemessen mit Tabellenführer TTC Münster war für die DJK-Herren ein Spiel an der emotionalen Schmerzgrenze. Ausgerechnet Oldie Reinhard Rothe rettete am Ende das Remis – das Publikum war ganz verzaubert.
Was für ein Drehbuch: Das Kräftemessen mit Tabellenführer TTC Münster war für die DJK-Herren ein Spiel an der emotionalen Schmerzgrenze. Ausgerechnet Oldie Reinhard Rothe rettete am Ende das Remis – das Publikum war ganz verzaubert. Foto: Stefan Bamberg

Es gibt diesen einen Schlag, den kann nur er. Den „Rothe-Schupf“. Cool bleiben. Dem Gegner beim Angreifen zugucken. Den Moment erkennen. Und dann das Spielgerät nur anchippen, ganz leicht. Einfach abtropfen lassen. Der Altmeister macht die Becker-Faust. Reinhard Rothe versenkt seinen Matchball – kurz nach 15 Uhr am Sonntagnachmittag, es steht 8:7 für die DJK Greven gegen Tabellenführer TTC Münster. Was läuft denn hier? So viel hat der Oldie derzeit um die Ohren, so wenig auf die Platte gekriegt in den letzten Wochen. Jetzt ist er plötzlich wieder da. Der alte Mann und sein Ball. Rothe, ausgerechnet Rothe!

Am Ende packt Greven das ganz dicke Ding nicht – die Blau-Weißen trennen sich vom designierten Herbstmeister 8:8. „Ein Sieg wäre möglich gewesen“, glaubt Kapitän Matthias Kaltmeier. „Aber des Guten vielleicht dann doch etwas zu viel.“ Es ist ein Match an der emotionalen Schmerzgrenze und darüber hinaus. Ein Rockkonzert an zwei Tischen.

Und das kommt so: Die DJK geht mit Max Haddick /Stephan Bothe, Milan Heidkamp/Rajee Sithamparanathan und Rothe/Kaltmeier in die Anfangsdoppel. Und die lassen schon leise erahnen, dass hier heute noch was abgehen könnte. Zweimal siegen die Gastgeber im Entscheidungssatz – 2:1 statt des befürchteten 0:3 gegen die bisherigen Doppel-Könige der Liga. Vor allem Stephan Bothe läuft so richtig heiß: Wir können nur mutmaßen, was der Kerl sich morgens in den Kaffee gerührt hat – furios gewinnt er das erste Einzel für die Gastgeber. In fünf Sätzen – er zeigt es Richtung Tribüne: Daumen hoch!

Weniger Durchschlagskraft haben derweil Haddick, Kaltmeier und Heidkamp, der – und das ist wichtiger als jedes Ergebnis – endlich zurück ist. Drei Niederlagen – 2:5 inzwischen, es scheint nun doch in einigermaßen normalen Bahnen zu verlaufen. Als dann auch Rothes erster Kontrahent kein Herz für ladegehemmte Altmeister zeigt – na ja, da können wir doch eigentlich nach Hause gehen. Pünktlich dazu wird‘s übrigens in der Halle zweimal – sehr adventlich, aber gleichwohl ungewollt – duster. Licht aus. Auch für die DJK?

Denkste. Auf einmal dreht sich der Wind. Sithamparanathan und Haddick verkürzen. Auch das Publikum kommt so langsam auf Touren: Die Edelfans, der kleine Fanblock aus Münster, die Tischtennis-Opas, die immer ein bisschen an Waldorf und Statler aus der Muppet-Show erinnern. Und tatsächlich: Jetzt tanzen alle Puppen. Das Licht ist wieder an, die DJK hat wieder Puls. Heidkamp gibt noch einen Punkt ab, aber sie haben ja noch diesen Bothe: ein Spiel wie eine Teflonpfanne – da brennt nix an, 3:1. Szenenwechsel, andere Platte: Kaltmeier kämpft sich nach 0:2 noch in den Entscheidungssatz – 11:8, die DJK hat ausgeglichen. Freunde, wer zum Geier hat diesen Irrsinn gescriptet? Vier Stunden sind rum, die sportlichen Einschläge kommen immer näher. Spitz auf Knopf, doppelt oder nichts.

Nur einer bleibt ruhig: Rothe. Nun folgt sie, die eingangs ausführlich beschriebene Sternstunde des ewigen Reinhard. Die Geschichte vom „Rothe-Schupf“. Dass das Schlussdoppel an die Münsteraner geht – irgendwie ist es besser so. Dieses Spiel hat keinen Verlierer verdient.

Anzeige
Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5331588?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F3661143%2F94%2F35341%2F
Das passiert am Samstag bei "Münster mittendrin"
Feinschmecker werden auf dem Prinzipalmarkt auf ihre Kosten kommen.
Nachrichten-Ticker