Sa., 13.02.2016

Fußball | WN-Halbjahres-Zeugnis: Fortuna Gronau Frauen Noch nicht am Boden

Nicht zu fassen! Ausgerechnet gegen einen der härtesten Rivalen im Kampf gegen den Abstieg holte sich der Gronauer Landesligist die höchste Niederlage ab. Gleich sieben Mal musste Keeperin Laura Alies in Heessen hinter sich greifen. Doch die jüngsten Resultaten geben Anlass zur Hoffnung

Nicht zu fassen! Ausgerechnet gegen einen der härtesten Rivalen im Kampf gegen den Abstieg holte sich der Gronauer Landesligist die höchste Niederlage ab. Gleich sieben Mal musste Keeperin Laura Alies in Heessen hinter sich greifen. Doch die jüngsten Resultaten geben Anlass zur Hoffnung Foto: Stefan Hoof

Gronau - 

Zweimal im Jahr grummelt es verdächtig in des Schülers Magengrube. Klare Kiste, Zeugnisausgabe! Wie aber sehen eigentlich die Noten der heimischen Kicker aus: Wurden die Hausaufgaben gemacht? Oder ist die Versetzung sogar gefährdet? Die WN ziehen nach der Hälfte der Saison eine Zwischenbilanz und bitten die hiesigen Teams zum Mannschaftssprechtag. Heute sind Fortuna Gronuas Landesliga-Frauen an der Reihe.

Von Nils Reschke

War die bislang höchste Saisonniederlage ein Stück weit sogar nötig, um als reinigendes Gewitter zu taugen? Ralf Spanier, der sich meist schützend vor seine Spielerinnen stellte, ließ dieses Mal jedenfalls ordentlich Dampf ab. So deutlich wie nie zuvor: „Wenn einige Spielerinnen mehr Gas auf dem Oktoberfest geben, dann muss ich das zur Kenntnis nehmen. Wir sind schließlich nicht bei den Profis. Aber dann brauche ich auch keine Trainingseinheiten mehr zu planen.“ Das hatte gesessen. Ebenso wie das 2:7 zuvor gegen den Vorletzten Heessen. Vor allem aber folgte eine Reaktion: Fortuna Gronaus Landesliga-Fußballerinnen steigerten sich fortan wöchentlich. Am Jahresende passten sogar endlich auch die Ergebnisse.

Nackte Zahlen

Fortuna Gronau verlor in der Landesliga bisher zwei Drittel aller Partien. Am Ende reichte es zu nur zwei Siegen und drei Unentschieden. Die Offensive blieb mit zwölf erzielten Treffern in 15 Matches knapp vor der des Schlusslichts aus Billerbeck (elf Tore) die harmloseste. Die Defensive war mit 39 Gegentoren sehr anfällig. Somit überwinterten die Fortunen mit lediglich neun Punkten auf dem drittletzten Platz, einem Abstiegsrang. Bis zum rettenden Ufer beträgt der Abstand aktuell zwar nur einen Punkt. Doch der Viertletzte Ibbenbüren (10 Punkte) hat wie auch der Vorletzte SVE Heessen (8) noch vier Spiele mehr zu bestreiten als die Blau-Schwarzen.

Strahlende Sieger

Da die Landesliga-Frauen von der Laubstiege ohnehin erst zwei Mal gewannen, hielten sich Jubel-Arien in der Hinrunde 2015/16 in Grenzen. Überlebenswichtig mit Blick auf den Klassenerhalt war das alles entscheidende 1:0 von Yasmin Ercan beim Schlusslicht VfL Billerbeck 2. Am 18. Oktober 2015 war der Bann mit dem ersten Saisonsieg endlich gebrochen. Auch deswegen, weil sich Julia Tönjann wegen einer Notbremse fünf Minuten vor dem Abpfiff die Rote Karte abholte, eine Riesenchance des VfL so allerdings auch vereitelt wurde. „Es war kein absichtliches Foul“, erinnert sich Trainer Ralf Spanier an diese Szene, als sich die Laufwege der zwei Spielerinnen kreuzten. „Aber in diesem Fall war mir das lieber, als wenn wir den Ausgleich kassiert hätten.“ Den zweiten Sieg gab es kurz vor der Winterpause: Beim BSV Heeren gewann Fortuna 3:2.

Herbe Packungen

Niederlagen mussten die Blau-Schwarzen so einige verkraften. Die meisten davon fielen – was das Endresultat betrifft – noch erträglich aus. Doch keine tat so weh wie das peinliche 2:7 beim Vorletzten SVE Heessen – nur eine Woche nach dem ersten Saisonsieg. Ohne eigene Investitionen wird eben nicht gewonnen. Das mussten die Gronauerinnen schmerzlich erfahren. „Machtlos“ fühlte sich Ralf Spanier damals an der Seitenlinie, um dann mit einem flammenden Appell seine Schützlinge an der Ehre zu packen. Diese jedenfalls nahmen sich die – auch öffentliche – Kritik zu Herzen.

Tolle Serien

Die letzten drei Spiele 2015 verlor Fortuna Gronau nicht mehr. Einem 0:0 gegen den 1. FC Gievenbeck folgte der erwähnte zweite Saisonsieg beim BSV Heeren. Anschließend wiederholten die Landesliga-Fußballerinnen aus der Dinkelstadt das Unentschieden zum Saisonauftakt (2:2) auch beim Rückrundenstart gegen SG Coesfeld (0:0). Wenn allen der Ernst der Lage bewusst ist, kann die aktuelle Serie fortgeführt werden. Denn zum Pflichtspielauftakt 2016 geht es gegen den Tabellenelften Hillerheide. Grundsätzlich eine lösbare Aufgabe.

Schlimme Durststrecken

Mit acht Spielen ohne einen einzigen Sieg und sieben Niederlagen in Folge nach dem 2:2 gegen Coesfeld startete Fortuna denkbar schlecht in die Saison. Gelangen in den ersten drei Matches immerhin noch fünf der zwölf Treffer, folgten anschließend insgesamt acht Partien, in denen die Spanier-Elf überhaupt kein eigenes Tor mehr bejubeln durfte. 292 Minuten dauerte die längste Durststrecke an, bei der die Gronauer Fußballerinnen ihre Fangemeinde auf eine harte Probe stellten.

WN-Zeugnis

Die spielerisch nicht immer landesligareifen Vorstellungen sind die eine Sache. Auftritte wie vor allem gegen den SVE Heessen sind eine andere. Ohne die nötige Einstellung wird der Klassenerhalt nicht gelingen. Das haben die Fortunen mittlerweile auch verstanden. Zumindest lassen die jüngsten Ergebnisse darauf schließen. Personell wurde Fortuna zudem im bisherigen Saisonverlauf gewiss nicht vom Glück geküsst. Allerdings darf nicht missachtet werden, dass die Landesliga-Tabelle noch ein schiefes Bild abgibt. Einige Konkurrenten im Kampf um die Klasse haben noch deutlich mehr Partien als Gronau zu spielen.

►  Unterm Strich bleibt ein enttäuschendes erstes Halbjahr, das erst am Ende etwas mehr zu gefallen wusste. Ein voll mangelhaft (5+) können allerdings auch die letzten drei sehr ordentlichen Spiele nicht verhindern. Die Versetzung – sprich: der Klassenerhalt – ist akut gefährdet. Es liegt an Fortuna selbst, diese Zwischennote aus der Welt zu schaffen.

Zum Thema

Fortuna Gronau startet morgen (14. Februar 2016) um 13 Uhr mit einem Heimspiel gegen FC/JS Hillerheide. Der letzte Test fand gestern gegen SG Lau-Brechte/Weiner nach Redaktionsschluss statt.

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