Fr., 14.03.2014

Barbara Mayer ist ein sportlicher Tausendsassa Sie möchte nur spielen

 Alles auf Angriff: Auch als Linksaußen im Trikot des Handball-Verbandsligisten BSV Roxel mag sie es offensiv.

 Alles auf Angriff: Auch als Linksaußen im Trikot des Handball-Verbandsligisten BSV Roxel mag sie es offensiv. Foto: Wilfried Hiegemann

Münster - 

Ob auf oder unter Wasser, aber auch an Land: Barbara Mayer sucht die Herausforderung. Die Roxeler Handballerin wirbelt auch auf den Wellen der Meere. Im Mai möchte die junge Lehrerin aus Roxel bei der Heim-Europameisterschaft im Unterwasser-Rugby im Kader der deutschen Nationalmannschaft auftauchen.

Von Uwe Niemeyer

Sie möchte nur spielen. Ob auf Linksaußen für die Verbandsliga-Handballerinnen des BSV Roxel oder mit den Wellen der Meere. Mehr als eine Spielerei ist der Traum vom Sprung in den Kader der UnterwasserRugby-Nationalmannschaft. Die 35-Jährige will ihn Wahrheit werden lassen. Um überhaupt in den Kreis der Damen-Auswahl zu gelangen war nicht nur Geschick, sondern zunächst Eigeninitiative gefragt. Auch weil sie im weiblichen Nationalteam eine Unbekannte war.

Da sich Barbara Mayer in Münster beim Tauchclub in Ermangelung von ausreichend Mitspielerinnen unter Männern tummelt und dem Wettkampf stellt, war sie beim Bundestrainer Jörg Oertel nicht auf dem Zettel. Erst als es eine Rundmail an die Vereine gab, wurde sie hellhörig. „Ich habe geantwortet und gefragt, wie man ins Team kommt“, nahm sie das Heft des Handels in die Hand.

Die Folge war im November des vergangenen Jahres die Einladung zum Sichtungs-Lehrgang nach Stuttgart. Zwei weitere folgten. Nach dem vierten und abschließenden Trainingslager am nächsten Wochenende (22./23. März) wird Oertel den Kader für die bevorstehende EM (25. Mai bis 1. Juni in Krefeld) benennen und zuvor von 24 auf 18 Spielerinnen reduzieren. Ob Barbara Mayer dabei sein wird?

Im Einsatz für Deutschland?

„Ich kann das schwer einschätzen. Von den sechs Stürmerpositionen dürften vier bereits vergeben sein“, gibt sich die alleinerziehende Mutter noch unentschieden, dann aber hoffnungsvoll: „Einmal im Deutschland-Bademantel die Nationalhymne erleben. Das hätte was.“

Dafür wird sie kämpfen. Barbara Mayer mag es ohnehin offensiv. „Ich spiele nur Sturm“, sagt sie. Also alles auf Angriff. Im Handball wie beim UWR. Und da heißt es zupacken, ist es doch das Ziel, den Torhüter (der sogenannte Deckel) von seinem Tor (Korb) zu zerren und den Ball zu versenken.

Zwei Mannschaften zu je sechs Akteuren tauchen dazu ab, die gleiche Zahl wartet am Beckenrand. „Das ist raufen mit Maske, Schnorchel und Flossen“, grinst die Lehrerin für Sport und Spanisch am Gymnasium Paulinum. Aber das gefällt ihr: „Ich habe Bock auf Klotzen“. Schon die Duelle mit ihren beiden Brüdern auf dem Bolzplatz in Roxel waren eine gute Vorbereitung.

bNicht zu stoppen: Barbara Mayer (2.v.l., weißer Badeanzug) beim Lehrgang der UWR-Nationalmannschaft auf dem Weg zum Korb.

bNicht zu stoppen: Barbara Mayer (2.v.l., weißer Badeanzug) beim Lehrgang der UWR-Nationalmannschaft auf dem Weg zum Korb.

Das Training prägt ihren Wochenplan. Täglich geht es nach der Schule in die Halle, ins Schwimmbad oder in den Kraftraum. Bisweilen auch per Doppelschicht für zwei Disziplinen. Und das bis in den späten Abend. Unmöglich ohne den Doppelpass mit ihrer Mutter Astrid. „Gut, dass das Babyphone gerade von Haus zu Haus reicht“, weiß Barbara Mayer ihren dreieinhalbjährigen Sohn in guter Obhut, kann sich auf das Training konzentrieren. Sie braucht die Auseinandersetzung – auch die physische.

Energiebündel mit positiver Ausstrahlung

Darum kehrte sie zum Handball zurück. Der ehemaligen Regionalligaspielerin des SC Greven 09 fehlte etwas. Spätestens nach ihrer Rückkehr aus Bilbao, wo sie ein Jahr lang und nach dem ersten Staatsexamen an einer deutschen Schule unterrichtete. „Ich habe die Spielsportart vermisst, die Auseinandersetzung mit dem Gegner, den Wettkampf.“ Seit zwei Jahren spielt sie wieder für ihren Heimatclub.

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Einmal im Deutschland-Bademantel die Nationalhymne erleben. Das hätte was.

Barbara Mayer

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Wo sie durchaus auch Kapriolen schlägt, zwar nicht ihre Welt, aber schon mal sich selbst auf den Kopf stellt. „Barbara hat verrückte Sachen drauf. Wenn sich die anderen Aufwärmen, läuft sie schon mal auf den Händen durch die Halle“, lacht Uwe Landau, ehe der Trainer des BSV Roxel noch eine Eigenschaft verrät: „Sie ist absolut fit. Körperlich macht ihr keine 18-Jährige etwas vor.“ 175 Zentimeter Dynamik, Fitness und gute Laune – das ist Barbara Mayer, die von sich selbst sagt: „Ich bin optimistisch, freiheitsliebend und abenteuerlustig“.

Nicht zufällig zieht es sie immer wieder aufs Meer. Obwohl sie im Alter von drei Jahren ihren Vater bei einem Tauchunfall verlor. Das Wellenreiten ist ihre große Liebe. „Ich habe ein emotionales Verhältnis zum Wasser. Ob im Meer oder im Becken werden dort Dinge vereint, die in einer anderen Welt ein Gegensatz sind: Freiheit und Geborgenheit.“

 

Für sie ergänzen sich Wellenreiten und UWR: „Wenn dich drei- oder vier Meter hohe Wellen überrollen, ist es sinnvoll, lange Luft anhalten zu können“. Und einen langen Atem benötigt sie. Schließlich möchte sie immer spielen. Auch bei der UWR-EM.

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