Fußball: Längst nicht alle TE-Sportler glauben an Sieg Deutschland
WN-Umfrage: „Es wird eine spannende WM“

Tecklenburger Land -

In Russland beginnt die Weltmeisterschaft. Mehr als vier Wochen lang dreht sich nahezu alles um König Fußball. Der zieht nicht nur die Kicker im Tecklenburger Land in seinen Bann, sondern auch Athleten anderer Sportarten. Die sind geteilter Meinung, was die deutschen Chancen angeht.

Mittwoch, 13.06.2018, 00:00 Uhr

Wer stemmt nach dem Endspiel am 15. Juli den begehrten WM-Pokal in die Höhe? Sportler aus dem Tecklenburger Land sind da geteilter Meinung.
Wer stemmt nach dem Endspiel am 15. Juli den begehrten WM-Pokal in die Höhe? Sportler aus dem Tecklenburger Land sind da geteilter Meinung. Foto: dpa

Heute geht es los: In Russland beginnt die Weltmeisterschaft. Mehr als vier Wochen lang dreht sich nahezu alles um König Fußball. Der zieht nicht nur die Kicker im Tecklenburger Land in seinen Bann, sondern auch Athleten anderer Sportarten. So ziemlich jeder Sportler schaut sich zumindest die WM-Spiele mit deutscher Beteiligung an. Wer das Rennen machen wird, da sind die heimischen Athleten geteilter Meinung. In einer Umfrage der Westfälischen Nachrichten trauen aber alle Befragten der deutschen Nationalelf um Trainer Jogi Löw eine Menge zu, wenn ihm auch einige vorwerfen, dass er Leroy Sané nach Hause geschickt hat.

Der neue Trainer der Sportfreunde Lotte, Matthias Maucksch, glaubt an Deutschland, „weil es eine Turniermannschaft ist“, so zuversichtlich wie viele andere ist er aber nicht.

Matthias Maucksch.

Matthias Maucksch. Foto: Alfred Stegemann

„Es fehlen gewisse Reizpunkte“, meint er. „Im vergangenen Jahr beim Confed-Cup hat sich eine neue Mannschaft gefunden und sich als Team entwickelt. Jetzt sind schon sehr viele Routiniers dabei. Jogi Löw hat allerdings die Mannschaft drei Wochen beisammen gehabt. Das ist sehr gut.“ Zur Özil/Gündogan-Affäre hat er ebenfalls seine eigene Meinung: „Für mich wurde viel zu wenig hinterfragt, warum die beiden es das gemacht haben. Deren Gründe sind viel zu kurz gekommen. Die jetzigen Reaktionen sind nachvollziehbar, weil die Zuschauer ein feines Gespür für die Situation haben. Es bleibt ein heißes Pflaster.“

Gespannt ist Maucksch auf die Umsetzung der Videotechnik. Neue Spielsysteme erwartet er nicht. Auch wenn sich der 48-Jährige ein europäisches Endspiel wünscht, setzt er auf Brasilien gegen Argentinien als Finalpaarung. „Dann wird Argentinien gewinnen, weil ich Messi seinen ersten großen Titel mit der Nationalmannschaft einfach gönne.“

Die amtierende Sportlerin des Jahres, Flora Helene Koser, sieht gute Chance für Deutschland, trotz der Störfeuer um Gündogan und Özil. „Es war nicht besonders schlau, dass die beiden das gemacht haben“, meint sie. „Aber jetzt ist es genug, rückgängig

Flora Helene Koser.

Flora Helene Koser. Foto: Uwe Wolter

machen kann man es nicht. Nun sollten alle an einem Strang ziehen.“ Die Leichtathletin des TV Lengerich kann sich ein Finale Deutschland gegen Spanien vorstellen, wünscht sich neben der rein sportlichen Schiene aber einen größeren menschlichen Zusammenhalt bei der WM in Russland. „Der menschliche Zusammenhalt sollte auf jeden Fall mehr im Vordergrund stehen als die Politik und möglicher Terror.“

Der Sportler des Jahres Florian Dieck, glaubt ebenfalls, dass Jogi Löw und sein Team Florian Dieck. Foto: Uwe Wolter den fünften Stern holen könnten. Wenn er nach eigenen Worten auch nicht ganz so sehr in der Materie steckt, „will ich mich doch überraschen lassen, was in Russland so alles ablaufen wird.“ Der Judoka der JG Ladbergen hat einen Geheimfavoriten in petto. „Belgien ist stark“, glaubt Dieck. So kann er sich ein Finale der beiden Nachbarländer vorstellen – natürlich mit einem Sieg Deutschlands.

Springreiter Felix Haßmann aus Lienen freut sich auf die WM und setzt auf ein Finale Deutschland gegen Brasilien. Der Titelverteidiger würde weit kommen, sagt er, weil

Felix Haßmann.

Felix Haßmann. Foto: Alfred Stegemann

Deutschland schon immer eine Turniermannschaft war. „Sie haben nicht die besten Einzelspieler, aber sie kommen übers Team. Und das ist oftmals noch wichtiger.“ Allerdings hat er auch einen Kritikpunkt: „Ich hätte Leroy Sané mitgenommen. Er ist ein junger Spieler, ihm gehört die Zukunft. Und bei so einer WM kann man viel lernen.“

In der Breite vielleicht, aber ansonsten nicht stärker als 2014 schätzt Sascha Höwing von Preußen Lengerich Jogis Elf ein. Er hätte auch eine andere Spielerauswahl getroffen, hätte lieber Leroy Sané statt Mesut Özil in Russland gesehen.

Sascha Höwing.

Sascha Höwing. Foto: Alfred Stegemann

„Wirklich überzeugt hat Özil in den meisten seiner Länderspiele nicht“, meint der Mittelfeldspieler und Jugend-Trainer. Was die derzeitige Hetzkampagne gegen ihn und Gündogan angeht, steht Höwing aber auf Seiten des Linksfußes: „Politik und Fußball sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Sicher hätte es nicht sein müssen, aber beide spielen für die deutsche Nationalmannschaft, und die sollten alle Fans komplett unterstützen.“

Dass Deutschland ins Finale kommt, glaubt Höwing nicht, bis mindestens ins Viertelfinale aber schon. Er setzt auf ein Finale Frankreich gegen Spanien mit einem positiven Ausgang für die Iberer: „Ich war schon immer ein Fan des spanischen Fußballs.“ Er traut Belgien die Rolle des Hechtes im Karpfenteich zu. Alles in allem sagt Höwing eine spannende WM voraus: „Sieben, acht Nationen kommen für den Titel in Frage. Interessant wird auch sein, wie sich Russland aufgrund der politischen Diskussionen als Gastgeber präsentiert.“

Um den heißen Brei herumreden will Klaus Bienemann nicht. Der Trainer des TuS Graf Kobbo Tecklenburg setzt auf Deutschland als Weltmeister, obwohl er nach eigenen

Klaus Bienemann.

Klaus Bienemann. Foto: Mrugalla, Manfred

Worten sauer auf Jogi Löw ist. „Wie kann mann einen Mann wie Leroy Sané zu Hause lassen? Er ist ein Spieler, der den Unterschied ausmachen kann.“ Dennoch möchte er nicht in Löws Haut stecken: „Es wird schwierig für ihn zu entscheiden, ob er Gündogan und Özil aufstellt oder nicht. Beide hätten sich die Sache sparen können, weil auch Fußballspieler nachdenken dürfen, bevor sie etwas machen. Nun herrscht eine negative Grundstimmung. Und das ist nicht gut fürs Team.“ Bienemann ist dennoch überzeugt, dass Deutschland das Finale gegen Frankreich oder Brasilien erreichen und gewinnen wird. Einen Wunsch hat er zudem: „Ich hoffe, dass der Sport im Vordergrund steht und nicht viel politisiert wird.“

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