Aikido: Jubiläum in Münster
Junge Sportart seit 50 Jahren in Deutschland

Münster -

Die Sportart Aikido gibt es in Deutschland erst seit 50 Jahren. Anlässlich dieses Jubiläums war Münster am Wochenende Schauplatz der passenden Feiern. Aus der ganzen Welt reisten Aktive an und schauten gebannt Meister Asai zu.

Montag, 06.04.2015, 23:04 Uhr

Gebannt verfolgen die Teilnehmer des Aikido-Lehrgangs die Demonstration der Meister. 700 Athleten aus der ganzen Welt kamen am Osterwochenende nach Münster.
Gebannt verfolgen die Teilnehmer des Aikido-Lehrgangs die Demonstration der Meister. 700 Athleten aus der ganzen Welt kamen am Osterwochenende nach Münster. Foto: Pjer Biederstädt

Der Höhepunkt ist erreicht. Nach dreitägigem Lehrgang anlässlich des 50. Jubiläums von Aikido in Deutschland füllt erwartungsschwangere Stille die Halle, als Meister Asai die Matte betritt. Maximale Körperspannung verleiht seinem Gang demütige Anmut. Mit graziler Technik neutralisiert der Japaner die Angreifer und wirft sie krachend auf die Matte. 700 Aikidoka spenden donnernden Applaus. Der 73-Jährige geht zur Verbeugung auf die Knie. Eine Position, aus der viele seiner Altersgenossen wohl so schnell gar nicht wieder hochkämen.

Siebentägige Anreise

Vor 50 Jahren kam Katsuaki Asai 23-jährig als offizieller Vertreter des Aikikai Japans nach Deutschland, um die Sportart , entwickelt in den 1920er Jahren vom Japaner Morihei Ueshiba, zu verbreiten. Nach siebentägiger Anreise per Schiff und Zug gab Meister Asai 1965 zwei Tage nach seiner Ankunft das erste Aikido-Training in Münsters Polizeischule. Ein halbes Jahrhundert später huscht ihm beim Anblick der zahlreichen Anhänger der defensiven Kampfkunst ein zufriedenes Lächeln übers Gesicht. „Eine schöne Veranstaltung“, spielt der Meister seine Verdienste bescheiden herunter.

Die ganze Familie

Infiziert hat der Meister auch die Moselers aus Münster . Zwölf Familienmitglieder sind aktive Aikidoka im Dojo Münster am Kappenberger Damm. Andreas Moseler, einer von fünf Leitern des Dojo, begeht seit 43 Jahren den harmonischen Weg, wie man Aikido verkürzt übersetzen kann. Sein Vater Horst war kurze Zeit später ebenfalls von der wettkampflosen Kunst angesteckt, sein Sohn Tim war bereits im Kinderwagen dabei, seine Frau lernte er „auf der Matte kennen“. Nichts Ungewöhnliches in einer Sportart, in der der Frauenanteil 50 Prozent beträgt. „Die Kunst ist es, die Energie deines Gegenübers umzulenken in die eigene Bewegung. Es ist ein Hineinspüren in den Partner“, beschreibt Andreas. Bekleidet mit dem Hakama, einem dunklen Hosenrock, den man ab dem Grad des Dans tragen darf, präsentieren Andreas und Senior Horst leichtfüßig ihr Aikido bei der finalen Vorführung. „Die wichtigste Fähigkeit des Aikidokas ist das kontrollierte Fallen. Ich hatte in über 40 Jahren keine ernsthafte Verletzung“, sagt Horst. Der 75-Jährige wirkt erstaunlich fit. Gerade für Senioren ist die Schulung von Beweglichkeit, Koordination, Konzentration und Gleichgewichtssinn eine gute Versicherung gegen das Einrosten.

Teilnehmer von überall

Die Teilnehmer aus Polen, Tschechien, Frankreich, Brasilien oder Japan, die zum Teil in der Turnhalle des Gievenbecker Sportparks übernachten, üben die Demonstrationen nach den Vorgaben der Meister. „Es ist wirklich eine Ehre, von ihnen zu lernen“, erzählt Rodrigo, der mit seinem Meister Nishida aus Sao Paulo (Brasilien) nach Münster reiste.

Vom Grad des Meisters ist Junior Tim Moseler noch etwas entfernt. Der Filius der Aikido-Familie steuert aber sicher darauf zu. Auch wenn damit lästige Fragen einhergehen. „Dauernd fragen meine Mitschüler, ob Aikido so etwas wie Kung Fu ist und ob ich etwas vormachen kann“, erzählt Tim. Er entgegnet dem ganz im Sinne von Meister Asai – auf dem harmonischen Weg.

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