Do., 30.03.2017

Volleyball: 1. Damen-Bundesliga USC-Libera Dörendahl blickt nach erfolgreicher Karriere in die Zukunft

Linda Dörendahl. Foto: Peperhowe

Linda Dörendahl Foto: Jürgen Peperhowe

Linda Dörendahl hat Spuren im deutschen Volleyball hinterlassen. „Wenn ihre Karriere diese Saison endet, dann verliert die Volleyball Bundesliga eine ganz Große ihrer Zunft“, schrieb ihr Ex-Verein Schweriner SC bei Facebook auf Dörendahls Ankündigung, die Laufbahn im Alter von 32 Jahren zu beenden. Eine Wertschätzung, die sich die Libera verdient hat. Sie gehörte zu den Besten ihres Fachs, das bewies sie in den vergangenen sieben Jahren beim USC Münster.

Von Henner Henning

In der siebten Klasse stand Linda Dörendahl kurz vor dem Absprung. Nachdem sie im Alter von acht Jahren mit Volleyball angefangen hatte, lockte sie auf der Sportschule in Berlin die Leichtathletik – genauer gesagt der Sprint. „Ich war kurz davor, den Sport zu wechseln. Es hat mich gereizt, alleine Erfolg zu haben und nicht auf andere angewiesen zu sein“, sagt Dörendahl. Doch die heute 32-Jährige blieb dem Volleyball treu – und traf damit die erste von vielen richtigen Entscheidungen in ihrer erfolgreichen Karriere, die am 22. März mit dem Aus des USC Münster im Playoff-Viertelfinale gegen Allianz MTV Stuttgart endete.

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Aber dann werde ich hier arbeiten und eine ganz normale Münsteranerin sein.

Linda Dörendahl

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Die erste prägende Station

Als kleines Mädchen hatte Dörendahl ihrem elf Jahre alten Bruder Sven nachgeeifert und war nach Stationen bei Innova Berlin, dem Marzahner VC, dem VC 68 sowie dem VCO Berlin letztlich in Mecklenburg-Vorpommern gelandet. Zunächst für ein Jahr beim 1. VC Parchim, dem Ausbildungsverein des Schweriner SC, zu dem sie 2003 wechselte. Es war die erste prägende Station in ihrer Laufbahn, eine Weichenstellung für ihre Zukunft.

Von der Zuspielerin zur Libera

An der Ostsee vollzog sie als 19-Jährige den Wandel von der Zuspielerin zur Libera – und damit später zu einer Nationalspielerin, neun Einsätze absolvierte sie im Trikot der DVV-Auswahl. Dabei war der Positionstausch eher aus der Not geboren. „Ich war an der Hand verletzt und konnte nicht richtig pritschen. Und da ich hinter Kathleen Weiß eh kaum Spielanteile hatte, kam der Gedanke auf“, sagt Dörendahl, die mit ihrer Idee bei Coach Tore Aleksandersen vorstellig wurde.

„Ich sagte zu ihm, dass ich es probieren möchte, wenn er als Trainer das Risiko eingehen will.“ Der Norweger wagte es und lag damit richtig, Dörendahls Karriere nahm auf zunächst ungewohntem Terrain Fahrt auf, aus dem Talent wurde eine gestandene Bundesliga-Spielerin – Lehrgeld aber musste auch sie bezahlen. „Ich habe von den Etablierten richtig auf die Mütze bekommen und musste einstecken. Aber das war auch gut so, sonst hätte es auch in die falsche Richtung gehen können“, erzählt Dörendahl, die nie um eine Meinung verlegen ist.

So kam Dörendahl zum USC

So aber ging es weiter bergauf, und zwar steil. Zwei Mal wurde sie mit dem SSC Deutscher Meister (2006 und 2009), zwei Mal gewann sie mit Schwerin den Pokal (2006 und 2007). Doch die erfolgreiche Liaison endete nach dem letzten Titelgewinn, der auch der letzte in ihrer 14-jährigen Profi-Karriere war. Nach dem Wechsel auf der Trainerbank von Aleksandersen zu Edwin Benne passte die Chemie nicht mehr, die gebürtige Berlinerin zog es zum VC Wiesbaden. Sportlich lief es mit der Vizemeisterschaft zwar rund, doch auch mit der chinesischen Trainerin Xiaojun Yang kam Dörendahl nicht zurecht.

„Ich spürte wenig Vertrauen, wenig Wertschätzung“, sagt Dörendahl, die konsequent die nächste Zäsur anstrebte und die Hessen umgehend wieder verließ. „Eigentlich wollte ich in die Schweiz“, erklärt Dörendahl. Doch der frühere USC-Vizepräsident Jürgen Schulz witterte seine Chance, nahm Kontakt zur Libera auf und überzeugte sie von den Vorzügen Münsters. „Ich musste mit mir ringen, denn der USC war sportlich damals nicht ganz oben dabei. Aber ich habe die Entscheidung nie bereut“, erzählt die gelernte Bankkauffrau, die unverzichtbar wurde für die Unabhängigen. Dörendahl war Leistungsträgerin, war Wortführerin, war ein Gesicht des USC, mit dem sie 2012 und 2016 Bronze in der Liga gewann.

Fotostrecke: Linda Dörendahl beim USC Münster

Eine außergewöhnliche Spielerin

Sie selbst machte sportlich noch einmal einen Schritt nach vorne, nach einer vom damaligen Chefcoach Axel Büring und Co-Trainer Til Kittel angeregten Technikumstellung lernte sie noch einmal dazu – im zarten Alter von 28. „Ich habe zuerst gedacht, die haben einen am Helm. Doch das hat mich besser gemacht“, sagt Dörendahl. Nur gut, dass Büring den Dickkopf überzeugen konnte. „Sie war am Anfang skeptisch, hat sich aber darauf eingelassen. Sie ist eine außergewöhnliche Spielerin mit einem großen Volleyball-Sachverstand, die immer voran gegangen ist und ihren Job gemacht hat“, sagt Büring.

„Die Stadt ist meine Heimat geworden, ich möchte hier bleiben“

Ganz nebenbei fand Dörendahl privat ihr Glück in Münster, seit Jahren ist sie mit Sören Weinfurtner, dem Coach des Fußball-Westfalenligisten Preußen Münster II, liiert. „Die Stadt ist meine Heimat geworden, ich möchte hier bleiben“, sagt Dörendahl. Was nach ihrer Karriere kommt, weiß sie nicht, hat aber einige Optionen und ist in alle Richtungen offen. „Ich bin ganz froh, nicht alles geplant zu haben. Aber dann werde ich hier arbeiten und eine ganz normale Münsteranerin sein.“ Dörendahl ist auf dem Sprung in ein neues Leben – ganz ohne Volleyball. Zumindest vorerst.

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