Do., 17.08.2017

Triathlon: Ironman Hawaii – der zweite Anlauf von Philipp Rowoldt

Ganz entspannt durch Hamburg: Philipp Rowoldt auf der 180 Kilometer langen Radstrecke

Ganz entspannt durch Hamburg: Philipp Rowoldt auf der 180 Kilometer langen Radstrecke Foto: Jakob Kamender

Münster - 

Manchmal muss man zu seinem Glück gezwungen werden – wie Philipp Rowoldt. Denn eigentlich wollte er beim Ironman Hamburg gar nicht starten. Nur gut, dass er seine Entscheidung überdachte und doch antrat. So qualifizierte er sich für Hawaii. Zum zweiten Mal in seiner Karriere.

Von Jürgen Beckgerd

Fast zehn Jahre ist es her, da belegte Philipp Rowoldt beim legendären Ironman auf Hawaii den 101. Platz und unterstrich als 26-Jähriger nicht nur seine ausgezeichnete Form, sondern auch seine herausragenden Veranlagungen als Triathlet. Am 14. Oktober 2007 war das, als die hochgehandelten Mitfavoriten, der Münchener Faris Al Sultan und Normann Stadler, beim Sieg des Australiers Chris McCormack aussteigen mussten. Rowoldt aber hielt durch und meisterte den härtesten und bekanntesten Triathlon über die 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und den Marathonlauf in 9:27:19 Stunden.

Keine zwei Jahre später waren die Uhren für den Münsteraner buchstäblich auf Null gestellt. Bei einem Arbeitsunfall stürzte er aus acht Metern in die Tiefe und zog sich schwerste Verletzungen zu. Knochenbrüche, Stauchungen, Traumata: Sein Überleben hatte auch mit Glück zu tun. Viel Glück. Der Sport wurde zur Neben-, das Gesunden zur Hauptsache. Auch dabei erwies sich Rowoldt als wahrer Kämpfer, startete knapp 24 Monate nach seinem Unfall bereits wieder und absolvierte seinen bislang letzten Ultra im Jahr 2013 in Roth.

Doch was bedeutet schon der Blick zurück, wenn’s voran geht? Philipp Rowoldt ist jedenfalls wieder da, war nie wirklich weg und startete zwischenzeitlich bei einigen (kleineren) Wettkämpfen. Am vergangenen Wochenende mischte er beim Ironman Hamburg mit – und die Konkurrenz auf. In 9:13:38 Stunden belegte der für W+F Münster startende Rowoldt Platz 20 der Gesamtwertung, wurde Fünfter seiner Altersklasse (AK 35 bis 38) – und hat das Ticket für Hawaii in der Tasche. Sensationell, zehn Jahre nach seiner Premiere auf der traumhaften Inselkette im Pazifik.

Viele Glückwünsche

„Eigentlich wollte ich gar nicht in Hamburg starten“, sagt der mittlerweile 36-Jährige, der dem Drängen aus seinem Verein dann doch nachgab und „nur ein ordentliches Rennen“ abliefern wollte. Nach dem Zieleinlauf wurde er sogleich mit Glückwünschen überhäuft.

Seine Leistung ist bemerkenswert, da Rowoldt sein Trainingspensum mit seinem Mentor Andreas Ben­stein, der münsterischen Triathlon-Ikone, schon komplett umgestellt hatte. Erst in den letzten zwölf Wochen vor dem eigentlichen Wettkampf forciert er die Intensität. Er sagt: „Darauf kommt es an. Vorher halte ich mich ordentlich fit“. Soll heißen: Aus zwölf oder 13 Stunden wöchentlich werden dann 30 und mehr. „Das ist der richtige Weg“, schildert Rowoldt. „Es ist natürlich riskant. Man muss gesund bleiben und auch die Nerven dazu haben.“

Die hat er, zuletzt in Hamburg. Die 990 Dollar Startgebühr für Hawaii sind bezahlt, der Urlaub ist beantragt. Freundin Claudia fährt mit auf die Pazifik-Insel. Nach dem Ironman genießen beide dort noch ein paar Tage. Vor zehn Jahren war das noch anders: „Da habe ich mir das Startgeld leihen müssen und von der Insel habe ich kaum etwas gesehen. Ich wollte nur meine Leistung bringen. Darauf war ich fokussiert. Ich habe es damals gar nicht genießen können.“

Zehn Jahre später ist er weiser, sondern vielleicht sogar besser. In Hamburg war er jedenfalls gut 13 Minuten schneller als bei seinem Hawaii-Debüt 2007.

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