Fußball: 3. Liga
Preußen-Talente sehen App „Tonsser“ eher als Spaß denn als Karriere-Kick

Münster -

Eine App ist seit einigen Monaten voll im Trend bei jungen Fußballern. „Tonsser“ heißt sie, hier können die Talente ihr eigenes Profil pflegen, Tore und Vorlagen eintragen. Auch bei den A-Junioren des SC Preußen ist sie bestens bekannt.

Dienstag, 13.03.2018, 17:03 Uhr

Cyrill Akono (l.) und Marius Lackmann.
Cyrill Akono (l.) und Marius Lackmann. Foto: Pjer Biederstädt

Das Profil von Cyrill Akono hechelt dem echten Cyrill Akono hinterher. Fünf Saisontore hat der A-Junior der Preußen auf der Jugendfußball-App „Tonsser“ eingetragen, doch in Wahrheit verbuchte der Angreifer schon zehn Buden in der laufenden Bundesliga-Saison auf seinem Konto. „Manchmal vergesse ich über ein paar Wochen, die App mit meinen Statistiken zu füttern und hole es dann später nach.“

Die „Tonsser“-User tragen ihre Daten selbst ein, Schummelei ist trotz Prüfmechanismen nicht ausgeschlossen. „Man weiß nicht, ob die Leistung echt ist, oder ob einer übertreibt. Deshalb hat das für mich eher Spaßcharakter“, sagt Akonos Mannschaftskollege Marius Lackmann. Die beiden Preußen-Talente sind durch Hüseyin Bulut aus der U 19 von Borussia Dortmund auf die App gestoßen. Er hat mittlerweile 8650 Follower. Damit gehört er hierzulande zu den erfolgreichsten Usern im Nachwuchsbereich und hat so sogar einen Sponsorenvertrag mit einem Sportartikelhersteller erhalten.

Als Spieler der U-19-Bundesliga über die Plattform entdeckt zu werden, halten die beiden Preußen-Youngsters für unwahrscheinlich. Eher könnten Spieler aus tieferen Ligen auf sich aufmerksam machen. Auch ihr Trainer Cihan Tasdelen ist sich sicher, dass im höherklassigen Jugendfußball die etablierten Scouting-Instrumente ausschlaggebend für das Interesse an einem Spieler bleiben. Kontakt zu einem Akteur nehme der SCP ohnehin nur über den jeweiligen Verein auf, nicht über eine App.

„Aber um zu sehen, wie groß ein Spieler ist, oder ob er Rechtsfuß ist, kann es durchaus hilfreich sein“, sagt der Coach der U 19. Was ein User dort schreibt und postet, verrate außerdem etwas über seinen Charakter.

Apropos: Die Gefahr, dass durch eine solche App massenweise kleine Selbstdarsteller gezüchtet werden, sieht Tasdelen nicht. Profis führten den Kids auf Social-Media-Kanälen ohnehin längst vor, wie Eigenwerbung funktioniert. „Unser Mannschaftssport besteht eben aus Individualisten“, sagt Tasdelen.

Idee aus Dänemark

Simon Hjære und Peter Holm gründeten die App „Tonsser“ 2014 in Kopenhagen. Zunächst kam sie 2015 in Dänemark auf den Markt, mittlerweile gibt es sie auch in Norwegen, Schweden, Spanien, Italien, Frankreich und seit September 2017 in Deutschland. Sie ist die erste überregionale Fußball-Plattform für Nachwuchsspieler in Europa. Mehr als 100 000 junge Fußballer sind Teil des Netzwerks. Jede Woche updaten Spieler von der Kreisklasse bis in die Bundesliga im Alter von 13 bis 19 Jahren ihr persönliches Profil. Die Jungprofis Jacob Bruun Larsen (VfB Stuttgart) oder Mads Bidstrup (RB Leipzig) gehören zu den prominentesten Usern in Deutschland.

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Das sehen Akono und Lackmann auch so, bei allem Spaß an der App. Akono: „Wenn das Video eines 13-Jährigen tausendfach geklickt wird, kann es schon passieren, dass er sich da hineinsteigert.“ Es gehe auch ohne Videos und Follower. Mit Leistung auf dem Platz. Akono hat kürzlich einen Profivertrag unterschrieben. Er selbst, nicht sein Profil.

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