Boxen: Baraou wird ein Profi
Hoffnung für die Faustkämpfer-Branche – Abass Baraou wechselt zu den Profis

Münster -

Der 23 Jahre alte Abass Baraou wechselt zu den Profi-Boxern ins Team Sauerland. Der Europameister und WM-Dritte im Weltergewicht des Vorjahres war eineinhalb Jahre Mitglied des Sportinternats Münster und wurde von Prof. Farid Vatanparast in der Trainingsgruppe des Boxzentrums Münster geformt.

Mittwoch, 14.03.2018, 20:03 Uhr

Abass Baraou wird Profi, den Weg auf die internationale Bühne hat er geschafft.
Abass Baraou wird Profi, den Weg auf die internationale Bühne hat er geschafft. Foto: Witters

Eigentlich hat der Faustkämpfer Abass Baraou als Amateurboxer fast alles gewonnen. Nur eines fehlt dem Mann noch, dessen Karriere unter der Führung von Prof. Farid Vatanparast in Münster begann: Die Teilnahme an den Olympischen Spielen. Aber Baraou holte Bronze bei der WM in Hamburg, gewann die Europameisterschaft – beides 2017 – und war drei Mal (2014 bis 2016) Deutscher Meister im Weltergewicht. Und dann war noch der Moment, als der in der Ostalb in Aalen geborene Sohn togolesischer Eltern Bundeskanzlerin Angela Merkel beim Besuch in Kienbaum Boxhandschuhe überreichte. Beim Sommerfest regte er an, dass Frau Merkel doch bitte zu den Welt-Titelkämpfen nach Hamburg kommen solle, er wolle sich durchboxen, es würde sich lohnen. Doch die Kanzlerin verpasste den einzigen Medaillengewinn eines deutschen Athleten.

Gefreiter Abass geht

Team Sauerland verkündete unlängst glücklich, den Gefreiten Abass verpflichtet zu haben. Der erst 23 Jahre alte Baraou will gar nicht groß Anlauf nehmen, die ersten Kämpfe sollen bereits von hoher Qualität und Professionalität zeugen. Im Profiboxen, wo durch vorsichtigen Aufbau und gezielte Gegnerauswahl die Bilanzen in verwirrende Höhen geschraubt werden, möchte Baraou möglichst schnell nach Titeln greifen. Gegner? Jack Culcay, der letzte deutsche Amateurweltmeister, der gerade den Sauerland-Boxstall verlassen hat, eher nicht. Er ist gewichtsbedingt ins Super-Mittelgewicht aufgestiegen. „Abass war der aufregendste Amateurboxer in Deutschland“, sagt der Promoter Nisse Sauerland. Bei den Profis auch?

Baraou will sein Gewicht von 69 Kilogramm auch bei den Profis halten. Nur so kann er seine Schnelligkeit und seinen spektakulären Stil weiter pflegen. Und er hat auch diesen fürs Profiboxen notwendigen Anflug von Narzissmus: „Ich freue mich auf die Kämpfe mit freiem Oberkörper.“ Diese Portion Selbstverliebtheit gehört wohl dazu.

Langer Weg

Der Weg zur Spitze bei den Profis ist noch lang, ganz oben sind die Weltmeister Jermell Charlo (Verband WBC), Jarred Hurt (IBF) und Sadam Ali (WBO) zu finden. Aber das herausragende Gesicht dieser Gewichtsklasse ist ein anderer: Über allen thront Floyd Mayweather, der „Pretty Boy“ oder einfach nur „Money“ genannt wurde. Er soll 1,1 Milliarden Dollar an Gagen als Profi reingeprügelt haben.

Baraou hat die sichere Seite aus Sportförderung und Antrittsgeldern für Kämpfe im Dress von Hertha BSC aufgegeben. „Ich habe lange darüber nachgedacht. Das Angebot ist gut.“ Er traut sich einiges zu. Er, der in Oberhausen mit dem Boxen begann, stilbildend in Münster unter Vatanparast geschliffen wurde und im Sportinternat Rückhalt und Heimat fand, ehe er nach dem Wechsel zum Olympia-Stützpunkt Berlin zum Vorzeigeathleten wurde. Ralf Dickert ist aktuell sein Cheftrainer. Die fehlende Olympia-Medaille schmerzt, vielleicht öffnet sich für Profis die Hintertür zu den Spielen 2020 in Tokio. Was er jetzt will? „Natürlich der Beste werden.“

Anzeige
Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5591648?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F3661143%2F94%2F62183%2F
Abi-Ball: Der krönende Abschluss
So wird 2018 gefeiert: Abi-Ball: Der krönende Abschluss
Nachrichten-Ticker