Boxen: Europameisterschaft der Frauen
Das schönste Geschenk ist schon da

Münster -

Dilara Gökalan ist für die Europameisterschaft der Frauen im Boxen vom 2. bis 13. Juni im bulgarischen Sofia nominiert worden. Sie ersetzt in der Klasse bis 54 Kilogramm die verletzte Azize Nimani. Die Aktive vom Boxzentrum Münster steht bei Bundestrainer Michael Timm offenbar hoch im Kurs.

Donnerstag, 17.05.2018, 19:05 Uhr

Nach 22 Kämpfen für die Europameisterschaft nominiert: Dilara Gökalan, hier mit ihrem Trainer Ole Barth beim Kampftag in Münster im mai, wird für Deutschland in Sofia starten.
Nach 22 Kämpfen für die Europameisterschaft nominiert: Dilara Gökalan, hier mit ihrem Trainer Ole Barth beim Kampftag in Münster im mai, wird für Deutschland in Sofia starten. Foto: Alexander Heflik

Anfang April rutschte Dilara Gökalan in den Vorbereitungslehrgang zur Europameisterschaft im Frauenboxen. Sie war die Nummer zwei in der Gewichtsklasse bis 57 Kilogramm hinter Ornella Wahner, so stand es auf der Meldeliste. Die Kämpferinnen bereiteten sich unter der Regie von Bundestrainer Michael Timm auf die EM in Sofia (2. bis 13. Juni) vor. Gökalan, gebürtig aus Ostbevern und für das Boxzentrum Münster aktiv, sollte sich „nur" zeigen.

Nun flatterte für die noch 19-Jährige das vorzeitige Geburtstaggeschenk ins Haus. Am Pfingstsonntag wird sie 20 Jahre alt, und in den nächsten zwei Wochen bereitet sie sich als Fixstarterin der Klasse bis 54 Kilogramm im Leichtgewicht auf die EM in Sofia vor. Denn Azize Nimani fällt verletzungsbedingt aus. Und Gökalan hat den Bundestrainer zuletzt richtig überzeugt.

„Ich bin schon voll überrascht“, sagte die DM-Dritte der Frauen aus dem Vorjahr. Und: „Ich war ja beim letzten Lehrgang nur die Zweitnominierte.“ Doch Nimani muss passen, Gökalan springt ein. Und wird nach dem Geburtstag am Sonntag nur noch auf Reisen sein.

Eine Woche bereitet sie sich nach Pfingsten in Schwerin beim Bundestrainer Michael Timm auf die EM vor. Dann geht es für eine Woche nach Kienbaum, da trifft sich die komplette deutsche EM-Auswahl zur Vorbereitung. Im Anschluss geht es nach Sofia.

„Das ist eine Riesenchance für mich“, glaubt Gökalan, die im Boxzentrum hauptsächlich von Trainer Ole Barth betreut wird. Zudem stehen Technikeinheiten unter der Federführung von Prof. Farid Vatanparast auf dem Programm. Nach Darlene Jörling, die ihre Boxlaufbahn beendet hat, ist Gökalan die zweite Frau aus dem Trainingscamp in Münster, die für das deutsche Nationalteam bei einer Welt- oder Europameisterschaft an den Start gehen wird.

Ihre Chancen dabei? „Das hängt auch vom Losglück ab. Wenn ich in der ersten Runde auf die Titelverteidigerin treffe, wird es schwer. Aber es wäre ein Traum, wenn ich mit einer Medaille nach Hause käme.“

Zuhause wird nach der EM Münster sein, Gökalan verlegt ihren Wohnort aus Ostbevern noch näher an das Boxzentrum. Zudem beginnt die dann 20-Jährige im Sommer eine Ausbildung bei der Polizei. Aktuell arbeitet sie noch für die Lebenshilfe: „Nach Pfingsten habe ich eine Woche Urlaub, danach werde ich für die EM freigestellt. Das ist nicht selbstverständlich.“ Gökalan freut sich über die Unterstützung des Arbeitgebers.

Auf lange Sicht möchte sie natürlich Deutsche Meisterin werden, dann auch mal bei den Olympischen Spielen starten, hier allerdings in der Klasse bis 57 Kilogramm. Und vielleicht auch Katie Taylor nacheifern, die 2001 als 15-Jährige den ersten Frauen-Boxkampf auf irischem Boden bestritt und gewann, im gleichen Jahr Junioren-Nationalspielerin im Fußball und 2012 Olympiasiegerin im Leichtgewicht wurde.

Fußball ist eher nicht bei Gökalan angesagt, lieber schon Boxen – eine Teilnahme bei den Sommerspielen 2020 hält sie (noch) nicht für realistisch, eher 2024 glaubt sie an ihre Chance für Los Angeles. Dann wäre sie 26, mit das beste Alter für eine Boxerin. Ein langer Weg liegt noch vor Gökalan.

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