Motorsport
15 Jahre – und auf der Überholspur: Münsteraner will Berufsfahrer werden

Wenn sich Louis Leidinger in seinem Rennoverall in Position bringt, wirkt er mit seinen 15 Jahren wie ein hünenhafter Adoleszenter. Kräftige Schultern, schmale Hüften, lange, muskulöse Beine, ein klarer Blick – der junge Mann versprüht eine durchaus explosive Dynamik. 

Freitag, 18.05.2018, 09:05 Uhr

Wer sich groß und stark fühlt, zeigt das in seiner Körperhaltung: Louis Leidinger steht möglicherweise am Anfang einer großen Karriere im Motorsport.
Wer sich groß und stark fühlt, zeigt das in seiner Körperhaltung: Louis Leidinger steht möglicherweise am Anfang einer großen Karriere im Motorsport. Foto: Peter Leßmann

1,81 Meter misst er schon jetzt. Damit überragt der Achtklässler manch Mitschüler im Internat Schloss Buldern um einen halben Kopf oder mehr. Konstitutionell großartig, um Basketball oder Volleyball zu spielen, als Innenverteidiger beim Fußball die gegnerischen Stürmer als eiserne Wand zu necken. Nur das alles reizt diesen Kerl überhaupt nicht. Er ist dem Rausch der Geschwindigkeit verfallen. Und das, obwohl ihm Körpergröße und Gewicht nicht unbedingt ins Fahrwerk spielen.

Louis sitzt am Küchentisch. In der Hand: einen nach seinen Wünschen designten Helm. Schrill, bunt – auf der Rückseite prangt das Sternzeichen Schütze. Den feuerfesten Rennanzug hat er sorgfältig für das Foto rausgelegt. Der Junge ist vorbereitet. Freut sich, dass er über seine große Leidenschaft reden darf. „Es ist ein großartiges Gefühl, im Kart zu sitzen. Rennen zu fahren. Unbeschreiblich“, sagt er. Begeistert. „Ich will ganz nach oben. Schnell.“

16 Wochen Pause

Sechs Jahre ist er alt, als ihn sein Vater Benedikt einfach mal in ein Leih-Kart setzt und sich nicht über die Folgen des Warm-ups bewusst ist. Inspiriert von Ayrton Senna („Der Größte aller Zeiten, ich habe so viel über ihn gelesen und gesehen“), der 1994 beim Grand Prix von San Marino auf tragische Weise ums Leben kommt, als Louis noch nicht geboren ist, entdeckt er seine Liebe zum Motorsport. So wie einst Michael Schumacher, Sebastian Vettel oder Nico Rosberg. Mit einem kleinen, aber feinen Unterschied: Sie alle fahren ihre ersten Rennen mit acht, neun Jahren. Louis ist 13, als er sich 2016 erstmals in Rheine in den Wettbewerb wagt. Spät, aber nicht zu spät. Sein Talent bleibt nicht unentdeckt.

 

Theo Hemkemeyer vom gleichnamigen Racing-Team aus Rinkerode nimmt sich seiner an. Fördert ihn. Und schmeißt ihn im Rahmen des ADAC-Kart-Cups ins kalte Wasser. 2017 stellen sich die ersten Erfolge bei den Junioren ein: Platz drei bei den Norddeutschen Meisterschaften, Vierter bei den „Westdeutschen“. Louis wird getragen von einer Erfolgswelle. Und muss nach einem aufreibenden Rennen in Wittgenborn (Hessen) in die Boxengasse. Diagnose: Rippenbruch. 16 Wochen Pause. Papa Benedikt, Orthopäde, behandelt ihn selbst. Die Saison ist gelaufen.

Ich befürchte, den Ehrgeiz hat er von mir. Ich habe früher Modernen Fünfkampf betrieben.

Dr. Benedikt Leidinger, der 1992 im erweiterten Bundeskader für die Olympischen Spiele in Barcelona stand

2018 das Comeback in der ADAC-Kart-Masters-Serie. Ein kurzes. Leidinger ist zu schwer, um weiter als Junior fahren zu dürfen. bringt samt Kart 155 statt der maximalen 145 Kilogramm auf die Waage. Zu viel. Das erste Mal in seiner Karriere, dass Größe und Gewicht zum Handicap werden. Bedrückt sagt er: „Das ist nicht das Ende. Ich wachse ja noch.“ Nicht unbedingt ein Vorteil im Motorsport, weil die Cockpits der Teams möglichst klein gebaut werden, um eine aerodynamisch günstige Form der Karosserie zu ermöglichen. Für Mama Jana und Papa Benedikt der passende Zeitpunkt, ihrem Spross vorsichtshalber die Formel 1 auszureden.

Volle Konzentration auf Masters-Serie

Gezwungenermaßen macht Louis aus der Not eine Tugend, wird mit seinem Wechsel in den Seniorenbereich als „Rookie“ ein Stück weit erwachsener. Und trainiert mehr denn je: dreimal im Kraftraum, zweimal geht er laufen. Ganz nebenbei sitzt er stundenlang am Rennsimulator daheim – Erfahrung ist alles.

Als er sich im April für die erste weltweit rein elektrische Kartmeisterschaft qualifiziert, ist er Feuer und Flamme. Von null auf hundert in drei Sekunden – der Turbo-Wahnsinn. Die ersten Tests in Wackersdorf (Bayern) verlaufen durchweg positiv. Nur das erste Rennen am vergangenen Wochenende wird zum Reinfall. Von 20 kleinen „Boliden“ kommen nur drei bei Gewitter und Regen ins Ziel. Alle anderen fallen wegen mangelnder Elektronik aus. Es scheint, als sei die Entwicklung nicht ausgereift. Ein schwacher Trost für Louis, der die 570 Kilometer lange Reise in den Süden umsonst antritt.

Ich bin ein sehr emotionaler Fahrer.  Gebe aber zu, wenig Geduld zu haben.

Louis Leidinger

Und nun? Gilt die volle Konzentration des 15-Jährigen der Masters-Serie. Nebenbei träumt er von einer Karriere in der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft. „Ich will auf jeden Fall Berufsfahrer werden“, sagt Louis. Im Urlaub in Abu Dhabi schießt er 2017 mit 290 Sachen über den Yas Marina Circuit. Ein Erlebnis, dass seinen Wunsch verstärkt.

Dann schlüpft Louis wieder in ein T-Shirt und die Jeans, legt die Rennmontur nach dem Fototermin artig zusammen. Typisch Schütze – die haben ganz nebenbei auch einen Hang zur Ordnung.

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