Fußball: Oberliga
Keil, Eschhaus, Krasenbrink, Heubrock – vier Gievenbecker Stützen im Interview

Münster -

Sechs Jahre nach dem Intermezzo in der Oberliga versucht sich der 1. FC Gievenbeck dort erneut. Gleich vier Spieler sind seitdem im Sportpark geblieben. Christian Keil, Nico Eschhaus, Felix Krasenbrink und Kapitän Nils Heubrock sprechen im großen Interview über Reife, Motivation und auch Geld.

Mittwoch, 01.08.2018, 15:28 Uhr

Christian Keil, Nico Eschhaus, Felix Krasenbrink und Kapitän Nils Heubrock (v.l.) sind die FCG-Stützen.
Christian Keil, Nico Eschhaus, Felix Krasenbrink und Kapitän Nils Heubrock (v.l.) sind die FCG-Stützen. Foto: Montage: Lisa Stetzkamp, Fotos: wh, pl

 Am 12. August steigt der 1. FC Gievenbeck ein die Abenteuerfahrt namens Oberliga. Ein Quartett saß schon vor sechs Jahren beim ersten Intermezzo in dieser Klasse an Bord und ist dem Club treu geblieben. Christian Keil, Nils Heubrock, Felix Krasenbrink und Nico Eschhaus waren damals noch in der Youngster-Fraktion verortet. Heute sind sie die Führungskräfte und erklären im Interview Redakteur Thomas Rellmann, was sich seitdem verändert hat und warum das Team diesmal den Klassenerhalt schafft.

Wann hat die Mannschaft eigentlich beschlossen: Wir wollen in die Oberliga?

Keil: Das war wohl nach einem etwas glücklichen 1:0 freitags in Schermbeck im Herbst, kurz zuvor hatten wir auch in Neuenkirchen spät gewonnen.

Heubrock: Direkt danach gab’s auch einen Mannschaftsabend, da haben wir nach ein paar Getränken intern auch mal offener gesprochen. Dass wir eine gute Truppe haben, wussten wir. Und in dem Kreis, in dem wir jetzt hier sitzen, redet man dann vielleicht sowieso noch mal klarer.

Ist der FCG heute deutlich reifer als 2012?

Krasenbrink: Wir sind besser, deutlich besser.

Heubrock: Reifer würde ich nicht sagen. Wir hatten ja so Kaliber wie Patrick Westphal, Michael Fromme, Kay Göttsch an Bord.

Eschhaus: Wir haben heute ein besseres Konzept.

Heubrock: Damals ging es nur ums Verteidigen. Diese Herangehensweise hat uns in der Oberliga dann auch das Genick gebrochen.

Krasenbrink: Und wir sind da als Fünfter hochgerutscht, das waren schon etwas andere Voraussetzungen.

Eschhaus: Wir haben damals einfach weniger Kreativität mitgebracht.

1. FC Gievenbeck macht die Oberliga klar

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Nehmen Sie als erfahrene Spieler Dinge rundherum anders wahr?

Keil: Wir schauen schon mal über den Tellerrand und was im Hintergrund passiert. Wenn etwas nicht gut läuft oder früher mal besser lief, versuchen wir es in die richtigen Bahnen zu bringen.

Wie viel von dem Fußball von 2012 steckt heute noch im Verein?

Krasenbrink: Schon noch eine Menge. Wenn man sieht, dass 19 Spieler aus der eigenen Jugend kommen. Von den geschaffenen Strukturen profitieren wir natürlich weiter. Viele Mitspieler haben sich da in den vergangenen fünf, sechs Jahren auch super weiterentwickelt. Keil: Wir hier sind ja schon fast zehn Jahre im Verein, viele andere ebenfalls lange. Das macht uns zu einer eingeschworenen Truppe. Und die gute Jugendarbeit, die ja schon vor 2012 begann, trägt zum guten taktischen Verständnis bei. Außerdem ist die Mischung der Trainer gut. Neben Benjamin Heeke als Chef haben wir Jens Wissing, den Ex-Profi, und Janis Hohenhövel mit seinen taktischen Kenntnissen.

Eschhaus: Aber der Fußball ist ein komplett anderer. Wir haben gegen den Ball gearbeitet, lange Bälle geschlagen und vorne auf Individualisten wie Fromme gehofft. Jetzt hatten wir in der Westfalenliga immer um die 60, 70 Prozent Ballbesitz.

Keil: Für die Oberliga war das damals zu wenig.

Heubrock: Ich glaube, dass wir uns jetzt spielerisch nicht mehr verstecken müssen in der Oberliga. Das wäre auch der falsche Weg.

Wie realistisch ist denn der Klassenerhalt?

Keil: Realistischer als 2012, denke ich.

Heubrock: Auf jeden Fall.

Keil: Ein guter Auftakt kann schon helfen. Hätten wir damals nicht zum Auftakt trotz Chancenplus 0:0 gegen Erndtebrück gespielt …

Heubrock: Ich finde unser Startprogramm auch nicht so schlecht. Besser Schermbeck als gleich gegen Schalke II oder Haltern.

Beschäftigen Sie sich viel mit den großen Namen, die auf einen zukommen?

Eschhaus: Namen kennt man, aber ich weiß jetzt auch nicht, wer bei Ennepetal auf der Zehn spielt.

Heubrock: Die Halterner sind uns natürlich ein Begriff, weil dort ja viele ehemalige Münsteraner sind.

Freuen Sie sich auf spezielle Auswärtsspiele?

Keil: Klar, Gütersloh hat schon ein anderes Ambiente als, sagen wir, Spexard.

Mit David Lauretta hat ein Leistungsträger den FCG plötzlich verlassen. Ist der Verlust aufzufangen?

Eschhaus: Erst mal ist das unglücklich gelaufen, das hätte er auch Mitte Mai klar machen können. Danach wurde er ja, wie man hört, täglich kontaktiert - und er hat nicht abgenommen. Der Zeitpunkt ist am Ende richtig bitter.

Heubrock: Die Gründe kann ich nachvollziehen, aber ein anderer Abgang wäre schon besser gewesen. Sowas macht man nicht.

Eschhaus: Das Problem ist: woher einen potenziellen Führungsspieler um die 30 ohne Vertrag nehmen?

Krasenbrink: Ja, da finde mal einen. Junge Leute haben wir selbst genug.

Keil: Es muss ja auch passen. Aber wir haben viele Kandidaten fürs Zentrum.

Krasenbrink: Nur wollen 90 Prozent derjenigen, die helfen könnten, nicht nach Gievenbeck, weil sie da zu wenig Kohle sehen.

Heubrock: Laurettas Weggang muss zum Ansporn für andere werden. Yasin Altun hat in der Rückrunde überragend gespielt als Sechser. Jannik Balz etwa oder Janes Niehoff können sich vielleicht als Zehner einbringen.

Eschhaus: Letztlich sind wir auch nicht allein wegen Lauretta aufgestiegen. Die Schublade ist definitiv zu und juckt Mannschaft und das Trainerteam nicht mehr.

Glauben Sie, dass in der Oberliga noch ein paar Zuschauer mehr kommen?

Krasenbrink: Wäre schön.

Eschhaus: Aber die Anhänger von Hiltrup, Nullacht oder Borussia werden vermutlich jetzt nicht plötzlich in Gievenbeck stehen.

Heubrock: Zumindest kommen von auswärts ein paar mehr mit.

Eschhaus: Fans von RW Ahlen haben zum Beispiel eine kurze Anreise. Im Verein werden zumindest schon mal Spielplakate vorbereitet.

Keil: Letztlich ist es wohl auch gegnerabhängig. Gegen Schalke werden sicher mal ein paar mehr da sein.

In Dortmund spielen die besten Amateur-Teams oft freitags oder samstags.

Heubrock: Es liegen auch schon eine Menge Anfragen vor. Und Samstags zu spielen, finde ich ganz cool. Da geht man dem Alltag etwas aus dem Weg. Und man kann sonntags auch mal andere Spiele sehen.

Krasenbrink: Freitags wird es bei uns leider schwierig. Flutlicht haben wir ja nur am Kunstrasen.

Ist im Verein der Rückhalt für die Oberliga gegeben?

Eschhaus: Ja. Es haben sich alle mitgefreut, neben dem Platz war das Engagement schon groß.

Krasenbrink: Das war wirklich überragend. Ich weiß nicht, ob das überhaupt noch besser geht. Aber da haben viele mitgefiebert.

Heubrock: Im Hintergrund wird viel getan, von dem die Mannschaft gar nichts mitkriegt. Zum Beispiel in Sachen Marketing, da hört man oft nur Stichpunkte.

Es ist bekannt, dass beim FCG keiner reich wird. Was ist der Anreiz, dem Verein so lange zu treu zu bleiben?

Eschhaus: Die Nummer zwei in der Stadt zu sein. Seitdem wir in Gievenbeck sind, waren wir das auch.

Keil: Auf dem sportlichen Niveau habe ich keine Alternativen gesehen. Für ein paar Euro mehr in derselben Liga zu spielen, war nie unsere Denkweise. Wir studieren ja in erster Linie oder sind berufstätig, und mit dem Konstrukt in Gievenbeck arbeiten wir gern zusammen.

Heubrock: Ein bisschen Gewohnheit ist vielleicht auch dabei.

Keil: Der Schritt zum Beispiel in die Regionalliga ist auch nicht wirklich attraktiv. Da verdient man dann für den Moment etwas mehr, aber es ist nichts für immer. Da legt man nichts zurück, ist aber voll gebunden.

Krasenbrink: Der FCG ist halt auch ein cooler Verein, mir fallen da in Münster nicht viele ein.

Keil: Die Erfolge waren außerdem immer da.

Heubrock: In der Derby-Tabelle müssten wir deutlich vorn liegen.

Keil: Gegen Hiltrup habe ich zum Beispiel noch nie ein Pflichtspiel verloren.

Eschhaus: Nach acht Jahren im Team hat man natürlich auch eine Führungsposition in der Mannschaft, die man ungern aufgibt.

Heubrock: Anderswo wären wir mit 27 aber auch nicht die Ältesten.

Ist der FCG denn noch eine Studententruppe?

Krasenbrink: Das ist auf jeden Fall noch so.

Ist daher auch der höhere Aufwand umzusetzen?

Krasenbrink: Das weiß ich gar nicht. Drei Mal trainiert wird aber auch in der Kreisliga größtenteils schon.

Heubrock: Die körperliche Anstrengung ist sicher etwas höher bei uns, aber grundsätzlich finde ich es gut, dass es bei drei Pflicht-Einheiten pro Woche bleibt. Sonntags müssen wir nur mehr Zeit einkalkulieren.

Eschhaus: Gut, dass ASC Dortmund, Hamm und Haltern nicht aufgestiegen und dafür Kaan-Marienborn. Da haben wir auch ein paar kürzere Fahrten dabei.

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