Fußball: Kreisliga A
Osmans Schüsse ins Glück

Bösensell -

Mit zwei erzielten Treffern beim Kreispokalspiel in Selm spürte Yaccub Osman vom SV Bösensell das kleine Glück eines Amateurfußballers – und etwas, was darüber hinausgeht.

Montag, 07.08.2017, 15:08 Uhr

Die Entscheidung in Selm: Yaccub Osman erzielte mit diesem Kopfball den Treffer zum 4:2 für den SV Bösensell, womit das Team von Trainer Mathias Krüskemper den Sprung in die zweite Kreispokalrunde schaffte.
Die Entscheidung in Selm: Yaccub Osman erzielte mit diesem Kopfball den Treffer zum 4:2 für den SV Bösensell, womit das Team von Trainer Mathias Krüskemper den Sprung in die zweite Kreispokalrunde schaffte. Foto: Heiner Gerull

Es sind diese genialen Augenblicke, die man als Fußballer nicht vergisst. Vor allem nicht, wenn man als Neuankömmling gerade angefangen hat, in einer fremden Zivilisation Fuß zu fassen. Am Sonntag sah sich der SV Bösensell im Kreispokalspiel der ersten Runde bei der SG Selm einem 1:2-Rückstand ausgesetzt. SVB-Trainer Mathias Krüskemper reagierte und wechselte in der 73. Minute Yaccub Osman ein. Nur zwei Minuten später legte der Angreifer den Ball für Nils Schulze Spüntrup auf, der zum 2:2 vollendete. In der Verlängerung erzielte Osman schließlich die Treffer zum 4:2, mit denen er dem SVB den Weg in Pokalrunde zwei ebnete.

Natürlich war die Schar der Gratulanten groß, als der Sieg endlich eingetütet war. Den ersten Glückwunsch nahm Osman von Krüskemper entgegen. Der hatte mit seiner Einwechslung wahrlich ein glückliches Händchen. „Yaccub ist ein Supertyp, der sich richtig reinkniet. Zudem hat er einen ausgeprägten Torriecher“, sagte der Trainer.

Diese Eigenschaft war auch vonnöten. Denn das Pokalspiel beim A-Liga-Konkurrenten aus Selm geriet zu einer Gratwanderung für die Bösenseller. Dass sie dabei nicht abstürzten, hatten sie maßgeblich ihrem dunkelhäutigen Angreifer zu verdanken, den die Selmer überhaupt nicht auf ihrer Rechnung hatten. In der 105. Minute hatte er sich im Rücken der gegnerischen Abwehr davongeschlichen und dann den Ball nach feinem Zuspiel von Till Leifken am gegnerischen Torwart zum 3:2 für den SVB ins Netz bugsiert. Zwei Minuten vor dem Abpfiff entpuppte sich der eher kleingewachsene Stürmer gar als „Kopfball-Ungeheuer“, indem er die Lederkugel aus spitzem Winkel über den Selmer Keeper hinweg ins lange Eck zirkelte. Für Osman und sein Team waren es Schüsse ins Glück.

„Yaccub hat in der vergangenen Woche super trainiert. Von daher hat er sich angeboten“, erläuterte Bösensells Coach. Dass der Neuling jede Übungseinheit absolvierte, war allerdings eher die Ausnahme als die Regel, als er vor gut einem Jahr zum SVB stieß. Was daran lag, dass Osman arbeiten musste, wenn beim SV Bösensell trainiert wird.

Inzwischen jedoch lassen sich Training und Dienst für den 26-Jährigen besser in Einklang bringen. Zumal auch der Bruch seines Mittelfußes, den er in der vergangenen Rückrunde davongetragen hatte, inzwischen vollständig auskuriert ist. „Die Vorbereitung konnte Yaccub komplett durchziehen. Das wirkte sich auch auf seine Ausdauerwerte aus“, bescheinigt Krüskemper seinem Spieler körperliche Fitness.

Vor einem Jahr hatte sich der aus Somalia stammende Fußballer dem heimischen A-Ligisten angeschlossen. Dass er dort wie von einer Familie aufgenommen wurde, offenbarte sich auch in Selm. Sämtliche Spieler hatten einen Kreis gebildet. Osman, den Krüskemper wegen dessen ansteckend positiver Ausstrahlung auch schon mal als „Strahlemann“ bezeichnet, war es fast ein bisschen zu viel der Ehre. Alle wollten helfen, als sich der Afrikaner anschickte, in seinem noch nicht perfekten Deutsch das zu erklären, was in den 120 Minuten zuvor abgelaufen war.

Was sich in diesem Moment abspielte, war mehr als Fußball. Hier entfaltete die integrative Kraft des Sports ihre Wirkung. Und es erweckte den Anschein, dass Osman verinnerlicht hat, dass Fußball ein wesentlicher Faktor sein, um nicht nur in der Mannschaft des SV Bösensell, sondern darüber hinaus in der Gesellschaft Tritt zu fassen.

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