Sa., 09.09.2017

Fußball: GW Nottuln Stadion-Auflagen machen Kickern schwer zu schaffen

Gerade Nottulns Jugendfußballer - hier enteilt Lutz Bauerdick seinem Gegenspieler vom SC Westfalia Kinderhaus - haben aufgrund der Stadion-Auflagen durch den Kreis Probleme, ihre Spiele durchzuführen.

Gerade Nottulns Jugendfußballer - hier enteilt Lutz Bauerdick seinem Gegenspieler vom SC Westfalia Kinderhaus - haben aufgrund der Stadion-Auflagen durch den Kreis Probleme, ihre Spiele durchzuführen. Foto: Johannes Oetz

Nottuln - 

Den Fußballern von GW Nottuln gelingt es nur mit großer Mühe, einen geregelten Spiel- und Trainingsbetrieb hinzubekommen. Grund sind die Stadion-Auflagen, an die sich die Grün-Weißen halten müssen. Darüber sprechen im WN-Interview Josef Dirks und Ulrich Leiendecker.

Die Sommerferien sind vorüber. Im Baumberge-Stadion merkt man das daran, dass der Trainingsbetrieb auf Hochtouren läuft. Die Senioren kämpfen schon seit vier Wochen wieder um Punkte. An diesem Wochenende beginnen auch die Nachwuchskicker mit ihren Meisterschaftsspielen. Für die Organisatoren der Grün-Weißen wird es Jahr für Jahr schwieriger, Termine für die vielen Begegnungen zu finden. Warum das so ist, erläutern der 1. Vorsitzende von GW Nottuln, Josef Dirks, und der langjährige Abteilungsleiter Fußball, Ulrich Leiendecker, der inzwischen Beisitzer im Gesamtvorstand ist, im Gespräch mit WN-Sportredakteur Johannes Oetz.

Gut, dass die erste Mannschaft gegen Merfeld aus dem Pokal ausgeschieden ist.

Dirks: Warum?

Weil sie sonst früher oder später gegen ein höherklassiges Team hätte antreten dürfen. Diese Partien finden meistens mittwochs bei der klassenniedrigeren Mannschaft statt – folglich wäre im Baumberge-Stadion gekickt worden. Wenn ich richtig informiert bin, dürfen unter der Woche dort aber gar keine Pflichtspiele ausgetragen werden.

Leiendecker: Ja, das stimmt.

Wie gehen Sie mit dieser Situation um und wie dürfen Sie überhaupt das Stadion nutzen? Ich glaube, dass selbst viele Mitglieder der Fußballabteilung das nicht genau wissen.

Dirks: Es ist schon sehr schwer zu verstehen mit welchen Auflagen unser Verein und insbesondere die Fußballabteilung umgehen muss. Aber so ist es nun einmal vom Kreis in der damaligen Baugenehmigung festgelegt worden. Während der Woche darf der Trainingsbetrieb stattfinden, Pflichtspiele – wie Pokal- und Meisterschaftsspiele – sind auf beiden Plätzen aber nicht gestattet. Am Wochenende ist es dann genau anders herum: Training nein, Spiele ja. Auf Dauer ist das ein Zustand, der nicht tragbar ist und den man keinem auswärtigen Vereinsvertreter erklären kann.

Welche Auswirkung haben die Einschränkungen auf den Trainings- und Spielbetrieb?

Leiendecker: Dass es fast unmöglich ist, einen geregelten Spiel- und Trainingsbetrieb hinzubekommen, kann man sich sicherlich gut vorstellen. Unsere Spielkoordinatoren leisten hier eine unglaublich tolle Arbeit. Sie bekommen es immer wieder hin, die Spieltage entsprechend der Baugenehmigung zu koordinieren. Alle Spiele werden von den Staffelleitern nach vorgegebenen Zeiten angesetzt. Nottuln darf am Samstag erst um 10.30 Uhr beginnen. Also müssen alle Spiele, die nicht zu den möglichen Zeiten angesetzt werden, manuell im entsprechenden DFB-Portal geändert werden. Das ist eine unglaubliche Fleißaufgabe. Der Freitag ist der offizielle Spieltag der weiblichen Jugend. Das heißt für die Nottulner Mädchen, dass sie, wenn sich die gegnerische Mannschaft nicht auf eine Verlegung einlässt, nicht vor heimischem Publikum spielen können.

Kommt die Fußballabteilung mit der Regelung, die es seit über zehn Jahren gibt, auf Dauer zurecht?

Dirks: Nein, wie denn auch? Hier bedarf es einer dringenden Überprüfung. Die Anforderungen an die Vereine werden immer höher, es ist kaum mehr leistbar. Dennoch haben wir über 600 Kinder und Jugendliche in der Fußballabteilung, die Woche für Woche die Plätze nutzen und gerne zum Training kommen. Ebenso leisten wir über den Sport einen ganz erheblichen Teil an Integration für Menschen, die vor dem Krieg, zum Beispiel in Syrien, geflohen sind. Nicht nur, dass wir unser Sportlerheim kostenlos für den Deutschunterricht von Flüchtlingen zur Verfügung stellen. Nein, bei uns ist auch jedes Kind willkommen – egal welcher Hautfarbe und welcher Konfession. Nur so kann es gehen, wir machen das einfach. Es tut mir manchmal sehr leid, wenn ich die Rahmenbedingungen, an die wir uns zu halten haben, sehe und auf der anderen Seite weiß, welche unendlichen Möglichkeiten wir in diesem Verein hätten, das sportliche Herzstück in Nottuln noch weiter nach vorne zu bringen.

Leiendecker: Wie bereits von Josef Dirks gesagt: Wir reden hier über ca. 600 – in Worten sechshundert – Jugendliche, um die sich viele ehrenamtliche Helfer, Trainer und Betreuer mehrmals in der Woche kümmern und ihre Freizeit zur Verfügung stellen. Dazu kommen noch die vielen Eltern, die im Hintergrund aktiv sind. Das ist eine große und gut funktionierende Gemeinschaft. Es lohnt sich, für sie zu kämpfen.

Wie könnte aus Ihrer Sicht das Problem gelöst werden?

Dirks: Wir müssen über Nutzungsänderungen sprechen. Dies muss aber mit sehr großer Sorgfalt geschehen und kann nicht mit heißer Nadel gestrickt werden. Wie dies geschehen soll, beraten wir derzeit. So lange haben wir mit dieser über zehn Jahre alten Baugenehmigung umzugehen. Eigentlich ist es doch unbeschreiblich toll, wenn man an einer Straße, und dann auch noch direkt nebeneinander, Sportplatz, Vereinsheim, Jugendtreff und bis zum 30. Juni auch noch die Flüchtlingsunterkunft hat. Kürzer konnten die Wege nicht sein. Und glauben Sie mir: Sie sind auch genutzt worden.

Sie resignieren also nicht?

Dirks: Nein, bestimmt nicht. Wir werden um unser Sportzentrum kämpfen und unser Engagement trotz der schwierigen Rahmenbedingungen unvermindert fortsetzen. Wir, dass sind über 100 Trainer und Betreuer allein im Bereich Fußball, versuchen, unseren Beitrag zur wertvollen Jugendarbeit in Nottuln zu leisten.

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