Fußball: DFB-Präsident in den Baumbergen
Reinhard Grindel besucht GW Nottuln

Nottuln -

25 000 Fußballvereine gibt es in Deutschland. DFB-Präsident Reinhard Grindel kann sie daher beim besten Willen nicht alle besuchen. Die Mitglieder der DJK Grün-Weiß Nottuln waren sich daher am Dienstag sehr bewusst, dass ihnen eine große Ehre zuteil wurde, als der Spitzenfunktionär am Vereinsheim vorfuhr.

Mittwoch, 08.11.2017, 16:11 Uhr

Haben das selbe Ziel: DFB-Präsident Reinhard Grindel (M.), GWN-Vorsitzender Josef Dirks (l.) und Hermann Korfmacher (Ehrenpräsident des Westfälischen Fußball- und Leichtathletikverbandes) wollen den Fußball nach vorne bringen.
Haben das selbe Ziel: DFB-Präsident Reinhard Grindel (M.), GWN-Vorsitzender Josef Dirks (l.) und Hermann Korfmacher (Ehrenpräsident des Westfälischen Fußball- und Leichtathletikverbandes) wollen den Fußball nach vorne bringen. Foto: Johannes Oetz

„Und jetzt möchte ich noch gerne die Sportanlage sehen.“ Als Reinhard Grindel am Dienstagabend kurz nach 18 Uhr vor das Vereinsheim der DJK GW Nottuln tritt, ist es draußen stockfinster. Und es ist mächtig kalt. Dem ersten Mann des Deutschen Fußball-Bundes ist das offensichtlich völlig schnuppe. In Begleitung von Gastgeber Josef Dirks , 1. Vorsitzender von GW Nottuln, und Hermann Korfmacher, Ehrenpräsident des Westfälischen Fußball- und Leichtathletikverbandes, schaut er einige Minuten dem Training einer Jugendmannschaft der Grün-Weißen zu. Nur mit Hemd, Krawatte und Strickweste bekleidet, verharrt der große Mann einige Minuten auf der Stelle. Einen Mantel braucht der DFB-Präsident nicht, denn der Anblick der kickenden Kinder wärmt ihn. „Das ist doch wunderbar“, sagt der 56-Jährige, der selbst zwei Söhne hat.

DFB-Präsident Reinhard Grindel bei GW Nottuln

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Eine Stunde zuvor hatte eine große Abordnung von GW Nottuln den seltenen Gast, der in einer schwarzen Limousine vorfuhr, vor dem Vereinsheim herzlich begrüßt. Nach einem Erinnerungsfoto ging es sogleich hinein, wo Josef Dirks dem hohen Besuch nochmals für sein Kommen dankte. „Dass ich hier bin, habe ich Karl Schiewerling zu verdanken“, lachte Grindel. Der Nottulner Politiker – der am Dienstag im Urlaub weilte – und er sind Parteifreunde und gehörten eine Zeit lang gemeinsam dem Deutschen Bundestag an. Dirks, der wiederum mit Schiewerling Doppelkopf spielt, bekam eines Tages davon Wind und bat den Mitspieler seiner Kartenrunde darum, den Kontakt herzustellen. Gesagt, getan, gekommen!

Nottulns Fußballer waren sich durchaus bewusst, welch große Ehre ihnen zuteil wurde. Ein DFB-Präsident wird das Stiftsdorf in den kommenden Jahrzehnten kaum noch einmal besuchen. Im Viereck sitzend, suchten die Trainer, Betreuer und Ehrenamtlichen daher direkt das Gespräch mit dem Spitzenfunktionär, der früher selbst Fußball spielte. „Ich habe im Sturm begonnen und mich dann so ganz langsam bis nach hinten ins Tor entwickelt. Aber eigentlich wollte ich immer nur Tore schießen.“

Doch bevor die Nottulner Grindel mit Fragen löchern konnten, drehte der den Spieß um. Wie viele Kinder spielen hier im Verein? Haben die Trainer Lizenzen? Wie sieht es mit den Schiedsrichtern aus? Dem DFB-Präsidenten war deutlich anzumerken, dass er sich in diesen tristen November-Tagen, in denen sich im deutschen Fußball scheinbar alles nur noch um den Videobeweis dreht, sehr darüber freute, Kontakt mit der Basis zu bekommen. Der in Rotenburg lebende Familienvater präsentierte sich als Präsident zum Anfassen, als guter Zuhörer und als geschliffener Redner. Später plauderte er auch noch aus dem Nähkästchen und erntete einige Lacher.

Natürlich waren im Laufe des offenen Gesprächs auch die Stadion-Auflagen ein Thema, die die GWN-Fußballfamilie stark in ihren Entfaltungsmöglichkeiten behindern. Grindel hörte genau zu, eine Ad-hoc-Lösung konnte aber auch er nicht liefern.

Mit einem Mercedes-Oldtimerbus ging es im Anschluss zum Longinusturm. Im „Café 18|97“ servierten Inhaber Wilhelm Wesseln und sein Team dem Gast Flammkuchen in verschiedenen Variationen und Salate. Nach der Stärkung ging es zurück nach Nottuln. In der Alten Amtmannei hatten sich rund 60 Zuhörer eingefunden, unter anderem auch Bürgermeisterin Manuela Mahnke, Willy Westphal (Vorsitzender des Fußballkreises Ahaus/Coesfeld) und Gisela Bienk (Vorsitzende des DJK-Sportverband Diözesanverband Münster).

Der DFB-Präsident bedankte sich zunächst für die Einladung: „Ich freue mich, heute bei Ihnen sein zu können. Wir dürfen nie vergessen, wo der Fußball herkommt.“ In der Folge ging er auf die gesellschaftliche Bedeutung des Fußballs ein („An jedem Wochenende werden in Deutschland bis zu 80 000 Spiele durchgeführt“) und sprach den Schiedsrichtermangel an („Wenn Jungschiedsrichter ein Jahr dabei bleiben, haben wir gute Chancen, dass sie lange pfeifen“).

Grindel appellierte an die Gemeinde Nottuln, dass sie für eine gute Infrastruktur sorgen solle. „Es ist wichtig, dass die Plätze sich in guter Beschaffenheit präsentieren. Tun sie das nicht und das Training muss ausfallen, gehen uns die Kinder von der Fahne.“ Und er legte in Richtung Bürgermeisterin nach: „Es ist doch erfreulich, dass in Nottuln die Fußballplätze so stark genutzt werden. Bei dieser Beanspruchung ist es aber normal, dass die Plätze nach zehn bis zwölf Jahren erneuert werden müssen.“

Bei der anschließenden Diskussion blieb der wortgewandte DFB-Präsident keine Antwort schuldig: Hooligan-Problematik, Regionalliga-Reform, Zuschüsse für Gemeinden für den Sportstättenbau, familienfreundliche Preise bei Heimspielen der Nationalelf, Kollision Ganztagsschule und Trainingsarbeit waren Themen.

Kurz vor 22.30 Uhr bestieg Grindel dann wieder seine schwarze Limousine und verabschiedete sich von der Basis in Nottuln. Es dürfte einige Zeit vergehen, bis sich das nächste Mal ein DFB-Präsident ins Stiftsdorf verirren wird. 

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