Fußball: FC Twente Enschede
Twente Enschede weiter vor unsicherer Zukunft

Enschede -

Nach dem Abstieg aus der Ehrendivision muss der FC Twente jetzt in der Eerste Divisie einen Neustart machen. Doch auch der scheint nicht einfach zu werden, denn finanziell sind die Sorgen nicht kleiner geworden. Zudem stehen daher offiziell nur 14 Spieler im Kader.

Montag, 16.07.2018, 12:50 Uhr

Wout Brama ist zurück beim FC Twente.
Wout Brama ist zurück beim FC Twente. Foto: Kees Tetteroo

Einmal im Jahr lädt der niederländische Fußballclub FC Twente Enschede seine Fans im Rahmen der Saison-Vorbereitung zum „Open Dag“ in sein Stadion „Grolsch Veste“ ein. Am Sonntag ließen sich bei bestem Wetter wieder tausende Anhänger nicht lange bitten und wollten zwischen Hüpfburgen, Verkaufsständen und der längsten gehäkelten Wimpelkette der Welt einen Blick auf die neue Mannschaft der „Tukkers“ werfen.

Doch sechs Wochen vor Saisonbeginn war es eher ein „Tag der offenen Fragen“ als ein „Tag der offenen Tür“: Aufgrund der großen finanziellen Probleme ist es weiterhin unklar, wie es für den Verein und damit auch für das Team nach dem Abstieg aus der Ehrendivision weitergeht. „Offiziell haben wir nur etwa 14 Spieler“, bekannte Twente-Trainer Marino Pusic schon vor Tagen. „Es muss noch viel passieren, das ist klar“, fügte er hinzu.

Der Verein kann aktuell nicht mit potenziellen Neuzugängen über Verträge verhandeln, da er nicht garantieren kann, dass die Gehälter auch in den kommenden Monaten gezahlt werden können. Auslöser des Liquiditätsengpasses sind zwei Zahlungen, zu denen Twente in der Sommerpause verpflichtet wurde: So bekommt das Finanzamt noch 4,4 Millionen Euro von den Enschedern, der Berater des Ex-Spielers Jesus Corona noch 6,3 Millionen Euro. Geld, das nicht in der Kasse ist.

Deshalb hat der FC Twente zwei Ideen: Zum einen sollen Anteile am Verein an Sponsoren verkauft werden, zum anderen soll die Stadt Enschede mit einer Bürgschaft einspringen. Beim Verkauf der Clubanteile hat der FC Twente bereits acht Millionen Euro eingenommen, wobei die Unternehmer angeblich darauf dringen, dass das Geld nicht zum Begleichen der Altlasten verwendet, sondern in den Aufbau einer schlagkräftigen Mannschaft gesteckt wird.

Die Stadt Enschede soll sich nach niederländischen Medienberichten zu einer zeitlich begrenzten Bürgschaft in Höhe von sieben Millionen Euro inzwischen durchgerungen haben.

Solange das neue Geld nicht in Spieler investiert wird, ist der nach dem Abstieg eingeleitete Sparkurs vor allem beim Blick auf den Kader zu erkennen: Mit Wout Brama (Central Coast Mariners) begrüßten die Enscheder einen prominenten Rückkehrer, der 2010 Teil des Meisterteams des Vereins war. Dazu kommen mit dem Gronauer Tim Hölscher (Esbjerg) ein weiteres bekanntes Gesicht und mit Ulrich Bapoh (Bochum) und Matt Smith (Manchester City) zwei Talente, die ausgeliehen werden. Diese vier Neuzugänge fangen aber noch lange nicht die zahlreichen Abgänge auf. Fast alle Stammspieler des Vorjahres nutzten den Abstieg als Gelegenheit, sich nach einem neuen Arbeitgeber umzusehen.

„Ich gehe davon aus, dass wir uns in den kommenden Wochen verstärken und das am liebsten so schnell wie möglich“, sagte Pusic, der seine Einschätzung durch ein wenig überzeugendes Testspiel am Wochenende bestätigt sah: Am Samstag schlug Twente die Amateure aus Fleringen nur mit 5:1 – ein Team aus der zehnthöchsten Spielklasse. „Das darf nicht passieren“, sagte Pusic über den Gegentreffer, der ihm allerdings im Vergleich zur unklaren Zukunft des Clubs noch die wenigsten Sorgen bereitete.

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