Do., 16.04.2009

Preußen Münster Weltenbummler landet in Essen

Von Alexander Heflik

Münster - Es gibt einige interessante Dinge über Ernst Middendorp zu berichten. Der Mann hatte Mitte der 80er Jahre in Coesfeld, Steinfurt, Lotte oder auch Rheine gearbeitet - als Berufsschullehrer. Später dann trainierte der gebürtig aus Freren/Niedersachsen stammende Middendorp praktisch rund um den Globus. Von Alstätte bis Johannesburg, von Tarbis bis Accra. Der Fußballlehrer kam rum in der Welt, seine Arbeit beim ostwestfälischen Erzrivalen Arminia Bielefeld führte sogar zu einer Art Legendenbildung. Middendorp - drei Mal Trainer, drei Mal entlassen - wurde von den Fans im Jahr 2005 zum „DSC-Jahrhunderttrainer“ gekürt. Nun ist RW Essen die neue Mission. Nur um Münster und den SC Preußen, am Sonntag Gegner im West-Schlager an der Hafenstraße, hat er irgendwie einen Bogen gemacht.

Middendorp lacht, aber weiß auch um den Fakt, dass er es nie zur Ehe mit den Preußen gereicht hat. Dabei waren sich der Club und der Trainer im November 2003 eigentlich einig. „Power-Ernst“ sollte die abstiegsgefährdeten Preußen zu neuem Leben erwecken. Aber die Nachfolge des zu diesem Zeitpunkt glücklosen Peter Vollmann trat dann doch Werner Moors an. Kurios, dass die Rolle von Moors in der Vereinsgeschichte der Preußen vergleichbar mit der von Middendorp in Bielefeld ist. „Ich hätte es gerne in Münster gemacht, doch mein Vertrag in Augsburg ließ sich damals nicht auflösen.“

Middendorp und Münster, ob das gut gegangenen wäre? Am Ostermontag jedenfalls wurde der 50-Jährige als Spielbeobachter in Verl von irrwitzigen „Middendorp raus“-Rufen auf den Heimweg geschickt, als der Trainer den Weg zum Ausgang durch einen Teil des Preußen-Anhangs gehen musste. Offenbar ist er eine Reizfigur. Es ließ ihn nicht gänzlich unberührt: „Ich würde lügen, wenn ich sage, das nehme ich nicht zur Kenntnis. Aber nach 15 Jahren als Trainer auf allen Kontinenten bereitet mir das keine schlaflosen Nächte.“ Skurril war die Szene gleichwohl schon, denn wenige Augenblicke zuvor trottete Paderborns Coach Pavel Dotchev, der den SCP im Vorfeld des Pokal-Halbfinals observierte, unbehelligt, vermutlich unerkannt und vor allem nicht beschimpft aus dem Stadion am Postweg.

Sonntag nun steht für Middendorp die erste Nagelprobe im dritten Spiel auf dem Programm. Michael Kulm musste gehen, Middendorp kam. Sieg über Cloppenburg (5:3), Niederlage gegen Worms (0:1), lautet die Bilanz der ersten beiden Partien. Nicht gerade berauschend für den gestrauchelten Meisterschaftsfavoriten aus Essen. Middendorp ist längst auf Fehlersuche, er will das RWE-Aufgebot umbasteln, die Schlüsselspieler der laufenden Saison hätten nur zum Teil ihr Zeug gemacht. Torjäger Sascha Mölders und Markus Kurth hebt er hervor, die Lorenz-Brüder Stefan und Michael sowie Stefan Kühne sieht er kritisch. Keine Frage, Middendorp will in Essen zum Meistermacher werden. Der Abiturient einer Klosterschule, der im Übrigen Posaune spielen kann, will RWE den Marsch blasen.

„Ich hatte auch Angebote aus der zweiten Bundesliga, hätte nach China und Südafrika gehen können. Wenn aber ein Traditionsverein wie RW Essen oder Preußen Münster kommt, dann fragt man nicht nach der Liga-Zugehörigkeit.“ Vermutlich auch nicht, weil das Salär stimmt, die „Bild-Zeitung“ schreibt von 14000 Euro Monatsgehalt. Vermutlich ist das Spitze in der Regionalliga, der vierthöchsten deutschen Spielklasse.

Und ein Sieg über Münster würde für einen Anflug von Ruhe bei den Rot-Weißen sorgen. Trostpflaster in einer verkorksten Saison, zumal der SCP das Hinspiel bereits mit 3:1 für sich entschied. Die Saison will Ernst Middendorp nicht salopp verstreichen lassen: „Es geht darum, das Optimale herauszuholen.“ Münster zu bezwingen gehört zweifelsfrei dazu.

www.jahrhunderttrainer.de

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