Fr., 04.11.2011

Tradition und Toilettenhäuschen Preußen zu Gast in Erfurt / Preußen-Fans bleibt das baufällige Steigerwaldstadion versperrt und erspart

Münster - 

An RW Erfurt führte fußballerisch nie ein Weg vorbei, ein echtes Ziel war die 200 000-Einwohner-Stadt für die Fans dennoch nie: Im Jahr 1900 war der SC Erfurt Gründungsmitglied des Deutschen Fußball-Bundes. Der Fußball-Club im Herzen Thüringens war dabei, als 1949 die DDR-Oberliga aus der Taufe gehoben wurde, und er war auch noch dabei, als diese Spielklasse 1991 als Randnotiz in die Chroniken der deutsch-deutschen Geschichte verabschiedet wurde. Über 1000 Spiele absolvierten die Erfurter in der höchsten Spielklasse, mehr als alle anderen und damit auch mehr als die vielen namhafteren und bekannteren Clubs, die den DDR-Fußball prägten. „Wir stehen in der ewigen Liste der absolvierten Spiele an erster Stelle“, sagt Pressesprecher Wilfried Mohren, „aber diese Tradition ist keine Tradition der Erfolge. Wir sind so eine Art HSV des Ostens. Immer dabei, aber nie die ganz große Nummer.“

Zweimal wurde Erfurt DDR-Meister, doch so recht hat sich der Club nie ins Rampenlicht spielen können – obwohl die ehemalige mitteldeutsche Kampfbahn, die inzwischen auf den besser klingenden Namen „ Steigerwaldstadion “ hört, die meistbesuchte Fußball-Arena im deutschen Osten war. Am Samstag ist der SC Preußen Münster zu Gast in dem baufälligen Stadion, das in zwei Jahren zu einer modernen 22 000 Zuschauer fassenden Arena umgebaut werden soll. Den Fans des SC Preußen bleibt ein Besuch im Steigerwaldstadion mit der störenden Laufbahn und den provisorischen Toilettenhäuschen erspart. Die Fans sitzen am Samstag die Strafe ab, die ihnen einige unbelehrbare Randalierer eingebrockt haben. „Das ist sehr ärgerlich, das dürfte eigentlich nicht sein“, ärgert sich auch Mohren über die Unannehmlichkeiten für Fans und Verantwortliche.
Unter strenger Aufsicht von DFB-Beauftragten wird RW Erfurt „ganz strikt und hart durchgreifen“, so Mohren. Außerdem wurde Preußen-Sicherheitschef Roland Böckmann mitsamt zehnköpfiger Delegation zur Unterstützung angefordert. „Im Gegensatz zu Wiesbaden werden wir nicht stichprobenartig überprüfen, sondern jeden Ausweis unter die Lupe nehmen“, stellt Mohren klar. „Wir weisen unsere Fans jetzt schon darauf hin, dass sie viel Zeit mitbringen sollen – und ich kann den Aufschrei der Empörung schon hören. Die Fans werden sich doch fragen, warum sie ihren Ausweis zeigen müssen, weil in Osnabrück ein paar Randalierer aus Münster aus der Rolle gefallen sind.“ Erfurt wird die DFB-Strafe vollstrecken, das Verständnis dafür hält sich jedoch in Grenzen. „Da wird jeder wie ein halber Verbrecher nach Hause geschickt, nur weil er eine 48er Postleitzahl hat.“ Die 9000 Euro, die Münster an Erfurt für entgangene Einnahmen zahlen muss, wiegen das nicht auf.
Allemal sind Problemfans auch in Erfurt bestens bekannt, und „der Verein wird künftig extrem hart durchgreifen“, kündigt Mohren an. „Es ist doch widersinnig, wenn wir 10 000 Euro für unsere gute Jugendarbeit bekommen, die dann durch Idioten mit ihren Bengalos wieder aufgezehrt werden.“
Derzeit haben die Rot-Weißen einen Zuschauerschnitt von 6559 Fans, zum Derby gegen Jena waren 15 000 gekommen– ganz so viele werden es gegen Münster nicht sein. Dennoch werden sich die Preußen auf eine lautstarke Kulisse einstellen müssen. Auch sportlich ist der Gegner nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Trainer Stefan Emmerling fuhr mit seinem Team vor Wochenfrist in Saarbrücken den ersten Auswärtssieg der Saison ein – und vor eigenem Publikum führt nach wie vor kein Weg an Erfurt vorbei: Nach sechs Partien sind die Rotweißen immer noch ungeschlagen.

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